Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Gladbach tischt schwer verdauliche Kost auf

Die Borussia kommt unter dem neuen Trainer Adi Hütter auch in Augsburg nicht in Schwung und verliert 0:1. Bielefeld vergibt beim 0:0 gegen Hoffenheim beste Chancen. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Thomas Gröbner, Ulrich Hartmann und Milan Pavlovic

FC Augsburg - Mönchengladbach 1:0 (0:0), Tore: 1:0 Florian Niederlechner (80.)

Borussia Mönchengladbach kommt unter dem neuen Trainer Adi Hütter einfach nicht in Schwung. Beim merklich verschüchterten Abstiegskandidaten Augsburg gab es für die Gäste, die gerne im oberen Tabellendrittel auftauchen würden, eine verdiente 0:1-Niederlage.

Es war über weite Strecken eine schwer verdauliche Partie. Damit der Kuli nicht eintrocknete, notierte man einen abgefälschten Fernschuss von Zakaria (11.), der ungefähr zwei Meter über das Tor flog. Eine Szene, in der Oxford einen Freistoß von Caligiuri nur um drei Fußspitzen verpasste, war bestenfalls eine Viertelchance (36.) - aber immerhin auch so etwas wie ein Weckruf für die Gastgeber. Caligiuri hatte sein erster Versuch so gut gefallen, dass er fünf Minuten später dasselbe versuchte - nur noch besser: Gladbachs Keeper Sommer sah dabei zu, wie die flache Freistoß-Flanke von Freund und Gegner unberührt an den Pfosten ging.

Nach dem Wechsel gelang Gladbach schnell ein erster schöner Angriff (50.), aber Pléa stand zwei Fußspitzen im Abseits, das Tor zählte nicht. Danach ging es auf beiden Seiten beherzter zur Sache - ohne dass es ein brauchbares Spiel wurde. Die Hauptschuld dafür musste man den Gästen ankreiden, die erkennbar mehr mit dem Ball anfangen konnten, sich aber äußerst selten mit letzter Konsequenz darum bemühten, Vorteile daraus zu ziehen. Im Gegenteil: Bei den Augsburgern sprach sich offenbar herum, wo das gegnerische Tor steht. Nach einem Steilpass und einem unzureichenden Klärungsversuch von Elvedi kam der Ball zurück zum eingewechselten Florian Niederlechner, der cool zum 1:0 abschloss (80.).

1. FC Köln - RB Leipzig 1:1 (0:o), Tore: 1:0 Anthony Modeste (57.), 1:1 Amadou Haidara (72.)

Eine der letzten Szenen gehörte Kölns Schlussmann Timo Horn. Der Leipziger Kunstschütze Dominik Szoboszlai lief alleine auf ihn zu, das 2:1 auf dem Fuß. Doch Horn hatte wie so oft in diesem rasanten Spiel - mit zwei Pfostenschüssen und gleich vier aberkannten Treffen - die richtige Vorahnung. Er stand ideal, parierte den Ball mit dem Kopf. Die Kölner können ihrem Torhüter für das 1:1 (0:0) gegen RB Leipzig danken. Die Sachsen wendeten nur durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte und ein Tor durch Amadou Haidara (71.) die vierte Saison-Niederlage ab. Der FC, im Vorjahr erst in der Relegation gerettet, hat sich mit acht Zählern dagegen erst einmal in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt.

Die Kölner Führung hatte wieder einmal Anthony Modeste mit seinem bereits vierten Saisontreffer erzielt (54.). Kurz zuvor war ein Treffer wegen Abseits aberkannt worden. Und auch das zweite Tor des Franzosen wurde lange geprüft wegen eines angeblichen Foulspiels. Doch nach über zwei Minuten Video-Studium erkannte Schiedsrichter Felix Brych: Kein Foul, stattdessen endlich das erste Tor. RB erhöhte nun den Druck und jubelte schnell, als Emil Forsberg sechs Minuten nach seiner Einwechslung traf. Doch auch der Schwede stand zuvor im Abseits. Weitere vier Minuten später gab es keine Einwände, als Haidara eine Szoboszlai-Ecke aus drei Metern ungedeckt einköpfte.

In der Schlussphase war es dann der starke Kölner Keeper Horn, der mit mehreren Paraden den möglichen Leipziger Sieg verhinderte.

FC Bayern - VfL Bochum 7:0 (4:0), Tore: 1:0 Leroy Sané (17. Minute), 2:0 Joshua Kimmich (27.), 3:0 Serge Gnabry (32.), 4:0 Vasilios Lampropoulos (43./Eigentor), 5:0 Robert Lewandowski (61.), 6:0 Kimmich (65.), 7:0 Eric Maxim Choupo-Moting (79.)

Eine Stunde lang konnte man sich gar nicht ganz sicher sein, ob Robert Lewandowski wirklich in diesem grünen Wiesn-Trikot des FC Bayern steckte. Denn auf der Torschützenliste erschien er nicht, obwohl da schon vier Namen standen. Fünfzehn Minuten lang konnte Bochum die Münchner ein wenig piesacken, dann fielen die Tore auf jede erdenkliche Art und Weise. Leroy Sané durfte per direkten Freistoß treffen (17. Minute), unter freundlicher Mithilfe der Gäste: die Bochumer Drei-Mann-Mauer löste sich schon beim Anlauf des Münchners auf, der Rest duckte sich weg.

Später legte Sané für Kimmich auf, der einen auf Lewandowski machte: Drehung um die eigene Achse, Tor (27.). Gegen hochstehende Gäste nutzte Serge Gnabry den ihm gebotenen Freiraum zum 3:0 (32). Das 4:0 besorgte dann der Bochumer Vasilios Lampropoulos, seine Rückgabe auf Torhüter Riemann kullerte ins eigene Tor (43.). Dazwischen hatten Gnabry und Sané noch drei Großchancen liegen lassen, und es musste einem Bange werden um die tapferen Bochumer, schließlich schien Lewandowski ja noch gar nicht mitgespielt zu haben.

Für den Aufsteiger konnte es eigentlich nur noch darum gehen, ein Debakel zu vermeiden. Das gelang nicht, obwohl sich die Bochumer hinten einigelten, waren sie trotzdem nie zur Stelle, wenn es ernst wurde. Lewandowski tauchte dann doch noch auf (61.), Kimmich (65.) und Choupo-Moting (79.) schraubten weiter am höchsten Saisonsieg der Münchner.

FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:0

Wer sich ein bisschen für die kleineren Vereine der Liga interessiert, der freute sich sehr auf diese Partie, weil sowohl Mainz als auch Freiburg mit kleinen Mitteln die Liga rocken - die Rheinhessen liegen in der inoffiziellen Jahrestabelle auf einem erstaunlichen fünften Platz. Aber aus dem Vergnügen wurde nichts.

Mainz kam in diesem intensiven, aber fehlerhaften Fußgemenge mit den zeckigen Freiburgern nicht zurecht, halbwegs interessant wurde es nur nach einem Solo von Burkardt (23.), doch der Abschluss aus sechs Metern war einfach zu schlapp. Beim nächsten Solo des Mainzers musste Freiburgs Keeper Flekken schon eine Spagat-Parade vom feinsten zeigen (57.). Es ging weiter rauf und runter, Zentner fischte in der Nachspielzeit noch einen Schuss aus dem Tor - aber was die Leidenschaft anging, kam niemand an Freiburgs Trainer Christian Streich heran, der in der 80. Minute einen kurzfilmreifen Veitstanz aufführte.

Arminia Bielefeld - TSG Hoffenheim 0:0

Bei Fußball-Wettern und Ergebnis-Tippern ist Arminia Bielefeld ein gern gesehener Klub. Das Nullzunull gegen Hoffenheim war im fünften Saisonspiel schon das vierte Unentschieden. Seit der Trainer Frank Kramer im März übernommen hat, war es im 17. Ligaspiel bereits das neunte Remis.

Obwohl die Arminia wiederholt für ihre spielerische Stabilität gelobt wird, hält sich die Euphorie beim Sportchef Samir Arabi in Grenzen. "Es hilft uns nicht, wenn man uns auf die Schulter klopft", sagt er. Auch gegen Hoffenheim vergab Bielefeld beste Chancen, schoss unter Kramer schon zum achten Mal kein Tor. Bereits in der vergangenen Saison war man mit nur 5,5 Prozent verwerteter Chancen in dieser Statistik schlechtestes Bundesliga-Team.

Trotz fünf neuer Spieler in der Startelf - eine Woche nach dem 0:2 gegen Mainz, das den Trainer Sebastian Hoeneß "stocksauer" gemacht hatte - zeigte sich Hoffenheim anfangs erneut anfällig. Die Bielefelder Patrick Wimmer (2.), Robin Hack (9.) und Fabian Klos (13.) erhielten exzellente Möglichkeiten. Wimmer trat über den Ball, Hack traf den Pfosten, Klos scheiterte am Torwart Oliver Baumann.

In der 57. Minute rettete Arminias Torwart Stefan Ortega gegen einen Kopfball von Andrej Kramaric. Wie bei einem torlosen Spiel zu erwarten, gab es fünf offensive Spielerwechsel. Gebracht hat das auf beiden Seiten aber nichts. Bei Bielefeld gab es eigentlich nur noch eine auffällige Aktion: In der 68. Minute erhielt Stürmer Bryan Lasme Gelb für eine Schwalbe. Wer auf Remis getippt hat, war bei Bielefeld mal wieder bestens bedient.

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