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Bundesliga-Spiel in Köln abgesagt:Schiedsrichter nach Suizidversuch außer Lebensgefahr

Schock für den deutschen Fußball: Schiedsrichter Babak Rafati hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Gesundheitszustand des 41-Jährigen ist inzwischen stabil. Seine Assistenten haben Rafati offenbar das Leben gerettet. Das Bundesliga-Spiel zwischen Köln und Mainz, das Rafati leiten sollte, musste wenige Minuten vor Beginn abgesagt werden.

Der renommierte Schiedsrichter Babak Rafati hat kurz vor seinem geplanten Einsatz beim Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 im Kölner Hyatt-Hotel versucht sich das Leben zu nehmen.

Schiedsrichter Rafati - Lehmann übt heftige Kritik

Babak Rafati hat vor sechs Jahren beim Spiel des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt gegeben. Die Neuauflage dieses Spiels sollte er am Samstag leiten.

(Foto: dpa)

Präsident Theo Zwanziger vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bezeichnete den Zustand des Bankkaufmanns Rafati wenige Stunden nach dem Drama als "stabil" und bestätigte die Diagnose "außer Lebensgefahr".

Gefasst, aber spürbar bewegt schilderte Zwanziger die dramatischen Geschehnisse in der Kölner Nobelherberge: "Nachdem Babak nicht beim Frühstück gewesen und danach nicht wie sonst pünktlich zur Besprechung der Spielleitung gekommen war, ließen seine Assistenten die Tür zu seinem Zimmer öffnen. Sie fanden Babak", sagte der Verbandsboss.

Zwanziger war vor dem Frauen-Länderspiel in Wiesbaden von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel informiert worden und daraufhin nach Köln geeilt. "Man muss sagen, dass die drei Assistenten Babak das Leben gerettet haben", sagte er.

Zwanziger erläuterte weiter, dass der 41 Jahre alte Rafati womöglich in den nächsten Tagen die Intensivstation einer Kölner Klinik wieder verlassen können wird. "Klar ist aber auch, dass er dann weiter intensiver Behandlung bedarf", sagte der DFB-Präsident mit Blick auf die offenbar angeschlagene Psyche des Referees und forderte wie schon nach der Selbsttötung des früheren Nationaltorwarts Robert Enke vor zwei Jahren ein Umdenken im Leistungssport: "Man fragt sich, warum ein so junger Mensch nur noch die Ausweglosigkeit vor sich sieht. Ich kann es mir nur so erklären, dass unsere Schiedsrichter einem unheimlich großen Druck ausgesetzt sind und wir es nicht schaffen, das in die richtige Balance zu bringen."

Rafati hatte vor sechs Jahren beim Spiel des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt gegeben. Die Neuauflage dieses Spiels sollte der iranischstämmige Hannoveraner am Samstagnachmittag leiten. Die Begegnung wurde angesichts der dramatischen Entwicklung abgesagt. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest - die Partie wurde aus dem Spielkalender für diese Woche gestrichen.

Rafati ist seit 1997 DFB-Schiedsrichter, 2000 leitete er sein erstes Zweitligaspiel, fünf Jahre später sein erstes von bislang 84 Bundesligaspielen. Seit 2008 war er FIFA-Schiedsrichter, wurde allerdings im September 2011 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht mehr für internationale Einsätze nominiert.

Rafati pfeift für den Bezirksligisten Niedersachsen Döhren, der mit Entsetzen auf die Botschaft reagierte. "Ich bin tief betroffen von dieser Nachricht", sagte der Erste Vereinsvorsitzende Herbert Ruppel: "Babak Rafati hat berufliche und private Angelegenheiten stets strikt getrennt. Ich kenne ihn nur als zugänglichen und sachlichen Menschen. Depressive Verhaltensverweisen sind mir von ihm nicht bekannt."

Rafati war am Vorabend angereist und wie üblich von einem Schiedsrichterbetreuer in Empfang genommen worden und hatte die letzten Stunden des Tages laut Zwanziger "ganz normal" mit seinen Assistenten verbracht. Nach Rafatis Selbsttötungsversuch waren zunächst Kölns Sportdirektor Volker Finke und der Mainzer Manager Christian Heidel vor die Presse getreten. Beide sprachen noch von einem "Unfall" und waren sich einig, dass die Begegnung zurecht abgesagt wurde.

Auch in anderen Bundesliga-Stadien löste die Nachricht aus Köln Entsetzen aus. Alle Spiele wurden jedoch plangemäß um 15.30 Uhr angepfiffen.

"Ich kenne ihn sehr gut, er ist Hannoveraner. Die Nachricht hat mich sehr geschockt", sagte Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, bei Sky. Schalke-Coach Huub Stevens erklärte: "Es ist kaum zu glauben, dass so etwas passiert. Dafür finde ich kaum Worte. Die Gesundheit ist immer das Allerwichtigste. Da ist Fußball nur Nebensache. Ich kann mir vorstellen, dass nach solch einer Nachricht niemand spielen will."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbstmorde zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung im Fall Rafati gestalten wir deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

© sueddeutsche.de/dpa/sid/dapd/segi/gba

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