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Bundesliga:Rangnick und Klopp verfeinerten das System

Olsens Stil wurde harsch kritisiert, er galt als Spielverweigerer und Zerstörer. Es war der Ursprung des hässlichen aber erfolgreichen Außenseiterfußballs. Seine Mannschaft qualifizierte sich für die WM 1994 sensationell als Erster in einer Gruppe vor den Niederlanden und England. Vor der WM 1998 blieb Norwegen eineinhalb Jahre lang ungeschlagen, besiegte sogar zweimal den damaligen Weltmeister Brasilien und scheiterte schließlich an Italien, das zynisch wie immer reagierte: Die Italiener verweigerten sich einfach ebenfalls dem Spiel, das Achtelfinale der WM 1998 (1:0) muss als eines der schrecklichsten Gekicke der Geschichte gelten.

Olsens Grundsätze finden sich später wieder bei Ralf Rangnick oder Jürgen Klopp. Die beiden erweiterten sie mit der athletischen Komponente des Bällejagens in vorderster Front, also Pressing und Gegenpressing. Und überrannten damit teilweise die Gegner in der Bundesliga. Auf die Spielweise der Dortmunder wusste die Liga 2011 und 2012 überhaupt keine Antwort. Inzwischen hat sie eine: Wo kein Spielaufbau, da auch kein Pressing. Wo der Ball sofort nach vorne geschlagen wird, da auch kein Gegenpressing. Spielverweigerung trifft auf Spielverweigerung. Und der Kampf um die Abpraller ("zweite Bälle") im Mittelfeld wird heute mit Gift und Galle geführt. Wie am Mittwoch in Mainz, wo es gegen Leipzig zehn gelbe und eine rote Karte gab.

So saust der Ball bisweilen wild über das Spielfeld, als hätte man ihn in einen Flipperautomaten geworfen. Nur die ambitionierten Teams mit den tollen, teuren Spielern haben gemerkt, dass der lange Ball vor allem dazu dient, den Qualitätsunterschied einzuebnen. Oder wie es Klopp in seinen Anfangsjahren in Dortmund vor Spielen gegen den FC Bayern sagte: "Wir müssen sie auf unser Niveau runterziehen." Trainer wie Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann versuchen Wege und Strategien zu finden, mit gezielten Flachpässen einen Gegner vor Probleme zu stellen. Mit Positionsspiel und Ballkontrolle den Gegner auszumanövrieren. Andere werden folgen. Doch solange die halbe Liga noch im Abstiegskampf steckt, müssen solche Projekte warten.

© Sz.de/schm/liv

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