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Schalke 04:Fast so wild wie zu Magaths Zeiten

FC Schalke 04 Training Session

Es ist ein reges Kommen und Gehen bei Schalke 04.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Schalke 04 baut gerade eine neue Bundesliga-Mannschaft auf - und tut sich schwer dabei.
  • Sportvorstand Jochen Schneider muss manch schmerzhaften Kompromiss eingehen.
  • Saisonziele zu benennen, hält Trainer David Wagner deshalb für "totalen Quatsch".

Außer dem Mobiltelefon und einer Wasserflasche gegen die stets drohende Gefahr des Dehydrierens trug Benito Raman, 24, noch ein anderes essenzielles Utensil an sich, als er am Mittwoch über das Gelände am Ernst-Kuzorra-Weg 1 spazierte: das brandneue Trikot des FC Schalke 04 samt der dazu passenden Shorts. Wer noch daran zweifelte, dass der seit Wochen angekündigte Transfer des belgischen Angreifers aus Düsseldorf nach Gelsenkirchen tatsächlich gelingen würde, der erhielt durch Ramans keineswegs konspirative Gegenwart Gewissheit. Die Verantwortlichen der Fortuna hatten es ihren Kollegen nicht leicht gemacht, die Ablösegespräche ähnelten Tarifverhandlungen mit der Lokführer-Gewerkschaft.

Am Ende soll sich die Einigung beim Kaufpreis von 13 Millionen Euro eingependelt haben, davon wird dann die Leihgebühr für den nach Düsseldorf wechselnden Schalker Bernard Tekpetey abzuziehen sein. Den Stürmer, zuletzt nicht unerheblich an Paderborn Aufstieg in die erste Liga beteiligt, hatte Vereinslegende Gerald Asamoah einst beim Heimatbesuch in Ghana in einer Fußballschule entdeckt.

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Nun bezeugt Tekpetey durch seinen Werdegang die bisweilen seltsamen Vorgänge in der Schalker Geschäftsführung: Quasi gratis ins Land geholt, für einen kleinen sechsstelligen Betrag nach Paderborn verschickt, für 2,5 Millionen per Klausel Euro zurückgeholt, nun verliehen mit einer Kaufoption, die nach Angaben aus Fortuna-Kreisen zwei Millionen beträgt.

"Wir brauchen auch Glück", sagt Michael Reschke

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider muss manch schmerzhaften Kompromiss eingehen, um die Sanierung des gestürzten Großklubs voranzutreiben. Kommentatoren brauchen keine Gegendarstellungen zu befürchten, wenn sie behaupten, die führenden Vertreter des FC Schalke hätten allenfalls eine vage Vorstellung davon, wie ihr Betrieb nach dem Umbau funktionieren wird.

Dies haben die neuen Koryphäen des Klubs bereits öffentlich eingestanden. Er habe "keine Ahnung", wie viel Zeit die Neuordnung der Elf beanspruchen werde, und schon gar nicht wisse er, was seine Spieler in der nächsten Saison leisten könnten, hat der Trainer David Wagner erklärt, weshalb er es für "totalen Quatsch" hält, Saisonziele zu benennen. Einziges Ziel, zu dem er sich bekennt: "Dass wir besser Fußball spielen wollen."

In Erinnerung an die Zumutungen der Vorsaison erscheint selbst dieser genügsame Vorsatz als ambitioniertes Unterfangen. Den Worten, die der neue Technische Direktor Michael Reschke, 61, bei seiner Vorstellung in der Vorwoche sprach, war Skepsis zu entnehmen. Er habe eine Aufgabe übernommen, "die viel Fleiß und viel Leidenschaft erfordert", sagte er, und das hörte sich so an, als hätte er zwar mit Schwierigkeiten gerechnet, aber nicht mit Schwierigkeiten dieses Ausmaßes. Was sich auch in Reschkes zweiter programmatischen Äußerung ausdrückte: "Wir brauchen auch eine gehörige Portion Glück."