Bundesliga Schalke stürzt mit Schlechte-Laune-Fußball ab

Schalkes Trainer Domenico Tedesco (li.) steht nach Spielende neben Schalkes Jewhen Konopljanka auf dem Spielfeld.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr wurde der schematische Stil von Domenico Tedesco mit der Vizemeisterschaft belohnt. In dieser Saison überzeugt die Liga mit Spielfreude - und Schalke hat bisher keine Antwort.

Kommentar von Sebastian Fischer

Freunde des FC Schalke 04 fanden in den vielen schwierigen Zeiten ihres Fanlebens oft besonderen Trost: Andere Fans, wenn sie nicht gerade aus Dortmund kamen, litten mit ihnen. Als die Schalker 2001 in letzter Sekunde den Titel verpassten, waren sie der Meister der Herzen. Als sie 2011 fast dem Abstieg nahe kamen, waren sie trotzdem der Klub, der Deutschland zum Beispiel den wunderbaren Spanier Raúl schenkte (legendäres und weithin anerkanntes Trostlied: "Scheißegal, wir ha'm Raúl!"). Die Saison 2018/19, soviel lässt sich nach dem ersten Saisondrittel und Rang 14 als Zwischenstand prognostizieren, könnte die schwierigen Zeiten um ein Jahr bereichern. Aber Freunde von Schalke 04 müssen nun besonders stark sein. Die Fußballfans im Land werden wahrscheinlich kein Mitleid mit ihnen haben.

Die vergangene, 55. Saison der Bundesliga ist als eine Saison der schlechten Laune in die Geschichte eingegangen. Das lag nicht nur daran, dass der FC Bayern schon im Winter als Meister feststand; es lag am vorherrschenden Spielstil: am sogenannten Umschaltfußball, systemvernarrt und freiheitsraubend, sicherheitsbewusst, am Ergebnis orientiert, nicht an der Freude am Spiel. Wer nach einem Exempel für diesen Stil suchte, der gelangte früher oder später zum Fußball des Schalker Trainers Domenico Tedesco, der am Ende mit Platz zwei belohnt wurde.

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Die 56. Bundesliga-Saison ist bislang eine der guten Laune, und das liegt nicht nur am Tabellenführer Dortmund. Es wird zwar immer noch oft auf Momente gelauert, den Gegner mit Kontern zu überfallen. Aber als hätten sich Spieler und Strategen die Kritik zu Herzen genommen, wird auch wieder mutiger nach vorne gespielt. Es sind schon fast 50 Tore mehr gefallen als zum selben Zeitpunkt 2017 (312:264). Gladbachs Erfolg ist der einer furiosen Offensive. Frankfurts Sturmtrio ist demnächst wohl weltberühmt. Selbst Augsburg oder Mainz stellen in Finnbogason oder Mateta Offensivprotagonisten.

Die Schalker dagegen, denen nun auch noch die Stürmer Uth und Embolo verletzt für längere Zeit zu fehlen drohen, haben so wenige Tore geschossen wie sonst nur der Tabellenletzte Stuttgart. Und wenn es zur Taktik zählt, wie am Sonntag in Frankfurt auf Spielaufbau zugunsten der Sicherheit zu verzichten - Tedesco forderte, "die zweiten Bälle mit einem Kontakt zu klären" -, dann ist die Harmlosigkeit kaum nur mit Unglück zu erklären. Die Stärke der Anderen ist gerade die Schwäche der Schalker.

Tedesco weiß um die Probleme, er ist weiterhin einer der talentiertesten Lösungsfinder des Landes - und ihm wird in Schalke vertraut. Das muss als Trost für die Fans einstweilen reichen. Die Herzen erreicht der Schalker Fußball nämlich zurzeit eher nicht.

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