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Verletzung von Mark Uth:Nach zehn Minuten wird es ganz still

Der Schalker Kapitän hält den Infusionsbeutel: Omar Mascarell kümmert sich um seinen bewusstlos am Boden liegenden Mitspieler Mark Uth.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Das unglückliche Schalker 2:2 in Augsburg gerät zur Nebensache: Mark Uth ist nach einem schlimmen Zusammenprall kurzzeitig bewusstlos. Nach der Partie geben der Spieler und sein Klub eine erste Entwarnung.

Von Sebastian Fischer, Augsburg

Es ist viel geschrieben und gesprochen worden über das Unglück, das den FC Schalke 04 in diesem Jahr ereilt, über viele Niederlagen und wenige Siege auf dem Fußballplatz. Aber der Sonntag in Augsburg wird wohl als ein besonders turbulenter und tragischer in die Chronik dieser Saison eingehen.

Schalke 04 hat auch das 27. Spiel in Serie nicht gewonnen, sondern 2:2 gespielt. Den Schalker Sieg verhinderte ein Tor von Augsburgs Marco Richter in der dritten Minute der Nachspielzeit, es war das nächste Kapitel von Schalker Pech und Unvermögen. Aber das war nicht die wichtigste Nachricht des Tages. Das waren jene Worte, die der Klub kurz nach dem Spiel verschickte: Mark Uth, 29, habe eine Gehirnerschütterung erlitten und bleibe über Nacht im Krankenhaus.

Es lief die zehnte Minute, als Uth im Mittelfeld ins Kopfballduell mit Augsburgs Felix Uduokhai ging. Beide prallten in der Luft zusammen, danach sank Uth bewusstlos zu Boden, schlug mit dem Kopf auf und blieb liegen. Hektisch winkten die Spieler, Augsburger wie Schalker, die Ärzte heran, die auf den Platz rannten. So ruhig die Fußballspiele in diesem Jahr ohne Zuschauer ohnehin schon sind, so war es nun noch viel ruhiger: Manche Spieler beteten, anderen war der Schock anzusehen. Omar Mascarell, Schalkes Kapitän, hielt den Beutel der Infusion, die Uth gelegt wurde. Ein Betreuer wärmte Uth mit seiner Jacke. Zehn Minuten lang dauerte es, bis er stabilisiert auf einer Trage vom Rasen transportiert wurde.

Man muss nicht unbedingt verstehen, warum das Spiel danach weiterging. Natürlich wurde die Möglichkeit eines Abbruchs während der Unterbrechung besprochen, Schalkes Trainer Manuel Baum versammelte seine Mannschaft um sich. Alle Spieler hätten bejaht, weiterspielen zu wollen, sagte Sascha Riether, Leiter der Schalker Lizenzspieler-Abteilung, später bei Sky. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff die Partie jedenfalls wieder an, aus der nun kein gewöhnliches Fußballspiel wurde, sondern ein wildes und emotionales.

Schalkes sportliche Misere setzt sich trotzdem fort

Die Schalker, das unterstrich die rein sportliche Bedeutung der Begegnung, waren vor der Abreise am eigenen Trainingsgelände noch von einer Gruppe Fans mit Sprechchören und einer Ansprache motiviert worden. Es gehe "um das Überleben des Vereins", was man halt so sagt nach 26 Spielen ohne Sieg und Platz 18, so hohl es am Sonntag auch klingen sollte.

Die sportliche Misere setzte sich trotzdem fort. Daniel Caligiuri leitete das Augsburger Führungstor nach 32 Minuten Spielzeit ein. Jener Caligiuri, der im Sommer aus Gelsenkirchen nach Augsburg gewechselt war, was seitdem bei S04 als eine von zahlreichen falschen Personalentscheidungen gilt. Seinen Freistoß verlängerte Suat Serdar ins eigene Tor. Die erste Hälfte endete nach 15 Minuten Nachspielzeit.

Die Gäste, und das machte die Dramatik danach aus, gaben sich aber nicht auf. In der zweiten Hälfte waren sie von Beginn an die bessere Mannschaft. Sie profitierten zunächst von einer verunglückten Grätsche des Augsburgers Carlos Gruezo, die zur Vorlage für Schalkes Stürmer Benito Raman wurde - der Ausgleich nach 52 Minuten. Dann zeigte Schiedsrichter Gräfe dem Augsburger Stürmer Florian Niederlechner nach einem Luftzweikampf eine sehr umstrittene gelb-rote Karte. Niederlechner hatte den Arm ausgefahren und Schalkes Salif Sané leicht berührt. Es wurde nun derart geschimpft auf dem Platz, als hätten die Protagonisten die erste Hälfte wieder vergessen.

Nassim Boujellab, in der ersten Hälfte ebenfalls zu Boden gegangen war und mit einem blauen Verband am Kopf bandagiert weiterspielte, traf nach sieben Minuten in Überzahl zum 2:1. Die Schalker schrien, mehr aus Erlösung als aus Freude. Augsburg vergab dann größte Chancen, bis in der Nachspielzeit der eingewechselte Richter frei im Strafraum auftauchte und per Kopf zum Ausgleich traf. Wieder lagen die Schalker am Boden. "Wir werden", sagte Sascha Riether, "aber wieder aufstehen."

Und Mark Uth? Der meldete sich am Abend via Instagram: "Guten Abend zusammen", schrieb er aus dem Krankenhaus, "mir gehts ganz gut. Werde voraussichtlich morgen schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Vielen Dank für eure zahlreichen Genesungswünsche."

Nun, da in diesem Fall so etwas wie Entwarnung vermeldet ist, darf man sich also wieder Sorgen um Schalke machen.

© SZ/ska/cca
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