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Bundesliga:"Das Wichtigste wird sein, dass man alles im Blick behält und trotzdem nichts verkopft", sagt Trainer Rose

Aber in diesem zur Normalität gewordenen Dauersonderspielbetrieb muss Eberl viel mehr sein als ein Sportchef, so wie Rose viel mehr sein muss als ein Trainer. "Ich habe zum Teil häufiger mit dem Ordnungs- und Gesundheitsamt telefoniert als mit Beratern", sagt Eberl. Er muss jetzt nicht nur alle Klauseln in allen Spielerverträgen der Welt intus haben, er muss sich auch in Spionagetechniken auskennen.

Eberl kann ausgezeichnet über Trackingsysteme referieren, die das Training überwachen, jeder einzelne Laufweg werde da aufgezeichnet, auch in der Kabine werde alles genau dokumentiert: Wer saß wo, neben wem, wie lange? Das sei wichtig, falls ein Coronafall auftrete, sagt Eberl: "Anhand der Daten ließe sich nachweisen, aha, der Spieler hatte vier Sekunden Kontakt mit dem Infizierten und war mehr als anderthalb Meter entfernt, ein anderer Spieler hatte 1:20 Minute Kontakt, ein anderer eine Viertelstunde." Von so etwas hänge ab, "ob nur der betreffende Spieler oder mehrere in Quarantäne müssten".

Normalerweise sind solche Trackingsysteme dafür da, Laufwege beim Pressing zu überprüfen. Aber normal ist ja jetzt nichts mehr, höchstens: neu-normal.

Marco Rose, der Trainer, hat für sich schon entschieden, wie er mit dieser ungewöhnlichen Situation umgehen wird, sein Ansatz dürfte exemplarisch sein für seine Kollegen: Er hat sich mit allen Details auseinandergesetzt, er weiß, wie wichtig Belastungssteuerung bei diesem eng getakteten Spielplan sein wird, er macht sich Gedanken über Rotation und einen Spielstil, der intensiv bleibt, aber auch Ruhephasen enthält; er überlegt, wie man kräftesparend zu Auswärtsspielen in der Champions League reist und ob er mal Spieler zu Schonungszwecken zu Hause lässt.

Er sagt aber auch: "Das Wichtigste wird sein, dass man alles im Blick behält und trotzdem nichts verkopft. Wir müssen die Dinge ein Stück weit laufen lassen, sonst verkrampft man und kann nicht mehr Fußball spielen." Auch das ist ein Trick: Sich immer daran zu erinnern, dass man in der Pandemie Fußball spielt und es auf dem Platz im richtigen Moment zu vergessen.

Marco Rose wird seine Spieler in Ermangelung einer echten Winterpause erstmals zwischen den Jahren trainieren lassen, ja, das ist anstrengend und gemein. Trotzdem, sagt er, dürften seine Spieler "an Weihnachten ruhig mal einen Kloß essen".

© SZ vom 19.09.2020
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