RB Leipzig im Bundesliga-SpitzenspielSchon 18 Punkte verschenkt

Lesezeit: 4 Min.

Leipzigs Christoph Baumgartner betrauert den späten Dortmunder Ausgleich.
Leipzigs Christoph Baumgartner betrauert den späten Dortmunder Ausgleich. Paul Fritz/HMB-Media/Imago
  • RB Leipzig verspielt gegen Borussia Dortmund eine 2:0-Halbzeitführung und verliert durch ein Tor in der Nachspielzeit noch zwei Punkte.
  • Kapitän David Raum kritisiert öffentlich die Mannschaft und fordert weniger Ego, nachdem Leipzig bereits 18 Punkte nach Führung verschenkt hat.
  • Dortmund verteidigt den zweiten Tabellenplatz und hält Leipzig auf elf Punkte Abstand, während die Dortmunder einen nicht gegebenen Elfmeter beklagen.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Beim 2:2 gegen Dortmund verspielt RB Leipzig erneut eine Führung. Kapitän David Raum reagiert mit einer Wutrede – und Doppeltorschütze Christoph Baumgartner deutet mentale Probleme an.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Gäbe es nicht nur Preise für das Tor des Monats und würden nicht nur „Kacktore“, sondern auch die, sagen wir, „idiotischsten Abschlussversuche“ jedweder Periode gesucht – oh, welcher Ruhm nun Conrad Harder von RB Leipzig blühte! Zumindest dann, wenn „öffentliche Schelte“ als Bewertungskriterium herangezogen würde. Harder, immer noch pausbäckig genug, dass er auch als Rotbäckchen-Werbefigur geeignet wäre, wurde von seinem Kapitän David Raum, 27, und seinem Trainer Ole Werner, 37, in den Fokus gerückt – kaum, dass die Partie gegen Borussia Dortmund vorüber war und RB Leipzig nach einer 2:0-Halbzeitführung doch noch zwei Punkte verloren hatte. Und deshalb an diesem Wochenende nicht mehr von einer Rückkehr auf die Champions-League-Plätze der Tabelle träumen konnte.

Vor allem Raum kochte nach dem Spiel, der Nationalspieler polterte am Sky-Mikrofon los; mit Anwürfen gegen Kollegen, die aus der Reihe fielen. „Wir müssen am Ende unser Ego hintanstellen!“, rief Raum, ein jeder müsse „sich hinterfragen“ und „alles investieren“, denn „wenn wir so hinten raus spielen“, seien die Saisonziele „auf jeden Fall“ gefährdet. Das klang in der Gesamtschau durchaus danach, dass die flammenden Worte von RB-Aufsichtsrat Oliver Mintzlaff, 50, aus der Vorvorwoche („Ich will mit der Mannschaft in die Champions League“) wenigstens brandbeschleunigend wirkten.

Zwar erinnerte Trainer Ole Werner, für seine Verhältnisse genervt, noch einmal daran, dass man sich im Sommer gemeinsam vorgenommen hatte, ins „internationale Geschäft“ zurückzukehren – was auch Conference League heißen könnte. Diese könnten die Leipziger bei derzeitigem Tabellenstand nur dann verfehlen, wenn sie in den elf verbleibenden Spielen auf Eintracht Frankfurt noch mindestens zehn Punkte verlören. Leipzig ist sozusagen voll im Plan. Aber das war, um den ganzen RB-Kosmos ins Auge zu nehmen, Thomas Letsch bei RB Salzburg auch, als er – trotz Tabellenführung in Österreich und der Bescheinigung, „ein toller Trainer“ zu sein (Jürgen Klopp) – nun abgesetzt wurde. „Ich glaube, dass man in Salzburg schauen wollte, was man mit ein bisschen frischem Wind noch erreichen kann“, erklärte Klopp, Head of Global Soccer bei Red Bull, am Rande der Olympischen Winterspiele.

„Wenn wir den Ball halten müssen, schießen wir; wenn wir den Ball halten müssen, geben wir ihn ab …“, ärgert sich Werner

Und damit zurück zu RB Leipzig, das aus den letzten zehn Spielen 15 Punkte geholt hat – und zu der Szene, die Raum ultimativ erzürnte. Dass sie mit Harder zu tun haben musste, ergab sich nicht nur aus Raums Worten, sondern – gewissermaßen ergänzend – auch aus den nachgereichten Erklärungen von Trainer Werner. Er nannte den Dänen zwar nicht namentlich. Aber dass der Trainer monierte, dass vor dem 2:2-Ausgleichstreffer durch Fábio Silva in der vierten Minute der Nachspielzeit die Chance vergeben wurde, „Zeit von der Uhr zu nehmen“, indem man mit dem Ball „Richtung Eckfahne“ läuft, konnte sich nur auf Harder beziehen, der in der 81. Minute den Brasilianer Rômulo ersetzt hatte.

Die Gelegenheit wäre günstig gewesen, Cleverness zu zeigen. Harder aber tat nichts, was einem Lauf Richtung Eckfahne nahegekommen wäre, sondern entschloss sich für einen Schuss, der für den nächsten Nobelpreis in Physik nicht infrage kommen wird. Andererseits: Wenn es nur Harders ungestümer, möglicherweise egozentrischer Abschluss gewesen wäre!

Als die Dortmunder nach einem Abstoß ihren Angriff aufzogen, waren die Leipziger weder konsequent noch schnell genug. Der eingewechselte Leipziger Ezechiel Banzuzi rumpelte den Ball zum Gegner; als er bei Julian Brandt landete, schaltete die Nummer 10 des BVB schnell und schickte Karim Adeyemi über die rechte Dortmunder Angriffsseite, die eigentlich David Raum verteidigen sollte, in die Tiefe. Als Adeyemi dann den Ball quer auf Fábio Silva legte, kam Leipzigs Kapitän Willi Orban nicht hinterher: Der Abwehrchef, der vor dem Eigentor zum 1:2 der Dortmunder eine Ecke unglücklich verlängert hatte (50.), konnte nur zusehen, wie der Portugiese zum 2:2 einschoss. „Wenn wir den Ball halten müssen, schießen wir; wenn wir den Ball halten müssen, geben wir ihn ab …“, ärgerte sich Werner, „und das ist dann einfach der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die eben (wie Dortmund) auf Platz zwei steht – und einer Mannschaft, die aktuell relativ viel liegen lässt.“

Christoph Baumgartner, der vor der Halbzeit die überaus durchdacht herausgespielten Leipziger Treffer erzielt hatte, bekam von Sky-Kommentator Lothar Matthäus am Spielfeldrand vorgerechnet, dass Leipzig in dieser Saison 18 Punkte nach Führungen verschenkt habe. „Das ist zu viel. Da brauchen wir nicht drum herumzureden“, sagte Baumgartner.

Er war aber, wohl auch unter dem Eindruck der Raum-Analyse, um Ausgleich bemüht. Dass er niemandem einen Mangel an Willen vorhalten wolle, betonte der Österreicher gleich so ausgiebig, dass man meinen musste, er fürchte um die WhatsApp-Gruppe des Teams. Vielleicht gebe es tatsächlich das mentale Problem, das Trainer Werner ausdrücklich verneinte, denn es sei „ein Stück weit menschlich“, dass der Kopf anfange zu arbeiten, „wenn man so viele Punkte hergibt“, erklärte Baumgartner, „wir müssen da einfach schnell reifer werden“. Gleichzeitig betonte Baumgartner auch Raums grundsätzliches Recht, Vorwürfe deutlich und öffentlich zu äußern: „Das ist der Kapitän, der darf so Worte äußern.“

Die Dortmunder hadern mit einem nicht gegebenen Elfmeter

Baumgartner war es auch, der offen einräumte, dass die Leipziger sich nicht hätten beschweren können, wenn der BVB kurz vor Ende der regulären Spielzeit einen Elfmeter zuerkannt bekommen hätte. Adeyemi war in einem Zweikampf mit Castello Lukeba im Strafraum zu Fall gekommen. BVB-Manager Sebastian Kehl war nach Ansicht der Szene außer sich, Trainer Niko Kovac ebenfalls: „Ich war früher Judoka. Das war eine Innensichel oder eine Außensichel, das kann man sehen, wie man will“, sagte Kovac, außer Frage stehe aber, dass Dortmund einen Elfmeter hätte bekommen müssen. Was das für eine Perspektive geboten hätte, ist spekulativ. Aber dass Brandt fast noch das 3:2 erzielt hätte, gab eine Ahnung dessen, was für den BVB möglich gewesen wäre.

Insgesamt aber wirkte auch Kovac aufgeräumt. Zwar verloren die Dortmunder zwei Punkte auf den FC Bayern, der kommende Woche im Westfalenstadion gastiert; gleichwohl riefen die mitgereisten Fans des BVB das Team nach Spielschluss dazu auf, den Bayern die Lederhosen auszuziehen. Dortmunds Kampf kreist freilich nicht um die deutsche Meisterschaft, sondern um die Qualifikation fürs Achtelfinale der Champions League (am Mittwoch gastiert Dortmund bei Atalanta Bergamo) sowie um einen der vier vorderen Plätze in der Bundesliga. So gesehen liegen die Dortmunder im Plan. Sie haben den zweiten Platz verteidigt – und das elf Punkte entfernte Leipzig auf Distanz gehalten.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Vincent Kompany beim FC Bayern
:Worte, die um die Fußballwelt gehen

Auch Vincent Kompanys Anti-Rassismus-Plädoyer zeigt, welcher Glücksgriff dem FC Bayern bei der Trainerwahl gelungen ist. Und sein nächster Meistertitel wird immer wahrscheinlicher.

SZ PlusVon Sebastian Fischer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: