Sicherheit im Fußball Den Profi-Klubs drohen Millionen-Forderungen

Risikoanfahrt: Der Hamburger Teambus vor dem vorerst letzten Nordderby gegen Bremen im Februar 2018.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)
  • Wer muss die Kosten für Polizei-Einsätze im Fußball tragen? Darüber streiten die DFL und das Land Bremen vor Gericht.
  • Vielen erscheint es als unverständlich, warum der reiche Fußball solche Kosten nicht selbst übernimmt, sondern stattdessen der Steuerzahler ran muss.
  • Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig könnte politische Dynamiken auslösen.
Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Aus sportlicher Perspektive lohnt sich die Erinnerung an das 102. Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV kaum. Eine eher zähe Angelegenheit war das Spiel am 19. April 2015, kurz vor Schluss erzielte Franco Di Santo per Elfmeter das 1:0-Siegtor für die Gastgeber. Aus rechtlicher Perspektive aber könnte sich dieser Tag als durchaus folgenreich erweisen: Denn kurz danach ließ das Land Bremen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dem Zusammenschluss der 36 Profi-Klubs aus erster und zweiter Liga, einen Gebührenbescheid in Höhe von 425 718,11 Euro zukommen - wegen der Kosten, die für den Polizeieinsatz an diesem Tag zusätzlich entstanden waren.

Seitdem streiten die beiden Parteien vor Gericht. Von diesem Dienstag an geht es in der dritten Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weiter. Und sollten die Richter zu dem Schluss kommen, dass der Bremer Bescheid korrekt ist, dass also der Staat die Liga an den Einsatzkosten beteiligen darf, könnten auf den deutschen Spitzen-Fußball Forderungen in einer ordentlichen zweistelligen Millionen-Höhe pro Jahr zukommen.

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Neun Prozent aller Partien werden als Risikospiel klassifiziert

Dabei geht es nicht generell um die Polizei-Kosten für alle Spiele. Sondern nur um die Kosten, die bei den sogenannten "Hochrisikospielen" zusätzlich entstehen, weil die Polizei aufgrund der Brisanz der Ansetzung mehr Beamte einsetzt als üblich - bei Derbys wie Bremen gegen Hamburg etwa. Dort waren im April 2015 nach Behördenangaben fast 1000 Polizisten im Einsatz, zirka vier Mal so viele wie bei einem normalen Bundesliga-Spiel.

Formal firmieren solche Partien unter dem Begriff "Spiele mit erhöhtem Risiko", wie es in den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes heißt. Ob eine Begegnung in diese Kategorie fällt, entscheiden der Heimverein beziehungsweise der Verband nach Rücksprache mit den Sicherheitsorganen. Die Zahl dieser Risikospiele variiert von Jahr zu Jahr. In der vergangenen Saison gab es in den beiden höchsten deutschen Profiligen insgesamt 54 davon (erste Liga 26, zweite Liga 28). In der Spielzeit davor waren es 58 (erste Liga 24, zweite Liga 34).

Damit wurden in den vergangenen beiden Jahren zirka neun Prozent aller Partien in erster und zweiter Liga als Risikospiel klassifiziert. Auch die dritte Liga ist von dem Thema betroffen. Dort kam es in den vergangenen zwei Saisons zu 54 beziehungsweise 51 Risikopartien - ungefähr jedes siebte Spiel also erhielt dieses Etikett.