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Bundesliga:Ohne Kulanz

Sebastian Rudy

Einer von sieben Infizierten: Sebastian Rudy.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Trotz sieben Corona-Fällen bei Hoffenheim: DFL lehnt eine Verlegung des Bundesliga-Derbys gegen Stuttgart ab. Seifert übt Kritik an der Uefa.

Eindringlich appellierte Christian Seifert an die Uefa - in seiner Bundesliga soll es aber nach dem umstrittenen Länderspiel-Dreierpack planmäßig weitergehen. Dem Antrag der TSG Hoffenheim, das Derby gegen den VfB Stuttgart nach sieben Corona-Fällen im Team und einer selbst verhängten Quarantäne von Samstag auf Sonntag zu verschieben, gaben die Deutsche Fußball Liga (DFL) und ihr Chef Seifert nicht statt. "Wir haben diesen Kulanz-Antrag gestellt. Er wurde abgelehnt. Das finde ich sehr schade, aber das akzeptieren wir", sagte Sportchef Alexander Rosen.

Die TSG ist nach Infektionen von Sebastian Rudy, Kevin Vogt, Robert Skov, Ishak Belfodil, Jacob Bruun Larsen und Munas Dabbur sowie mit dem aktuell beim Nationalteam Armeniens positiv getesteten Argis Adamyan der am schwersten von Corona betroffene Bundesligist. Bereits nach den Länderspielen im Oktober hatten mehrere Hoffenheimer, darunter Torjäger Kramaric, wegen Quarantäne länger gefehlt. Rosen hoffte, bis zum Sonntag "vielleicht mehr Spieler aus der Quarantäne herauszubekommen" und einen Tag Zeit zu gewinnen. Doch die DFL sagte Nein.

Stattdessen prangerte Seifert im kicker (Donnerstag) die aus den Länderspielen entstehenden Corona-Missstände an. "Klar gesagt: Die derzeitige Situation ist aus Sicht der nationalen Ligen und Klubs nicht zu akzeptieren." Bei den Touren der Nationalteams gebe es mehrere Probleme. Es gehe es um "unterschiedliche Gefährdungslagen, differenzierende behördliche Verordnungen" und Hygienekonzepte, "die manchmal vielleicht weniger streng umgesetzt werden". Es könne nicht sein, dass "Länderspielreisen den gesamten Spielbetrieb gefährden", so Seifert.

Von den sieben betroffenen Hoffenheimern infizierte sich diesmal wohl nur Adamyan unterwegs. Doch der Fall des Armeniers, in dessen Nationalteam nach Videoaufnahmen von innigem Kabinenjubel acht Spieler positiv getestet wurden, war nicht der einzige in der Länderspielphase. Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg wurde bei Kroatien positiv getestet, der Leipziger Stürmer Hee-chan Hwang bei Südkorea. Es sei "dringend abzuwägen", wie man mit Länderspielen verfahre, die weniger Relevanz "als die europäischen Klubwettbewerbe und erst recht eine EM" haben, mahnte daher Seifert. "Ich begrüße es sehr, dass er in diese Kerbe schlägt", sagte dazu Hoffenheims Chef Rosen, "ich hätte mir aber gewünscht, dass so ein Statement nach außen auch schon früher kommt."

© SZ vom 20.11.2020 / dpa
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