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Bundesliga nach Terror:Wie der Fußball den Schock bewältigt

Training Nationalmannschaft

Polizei am Trainingsplatz: Bundestrainer Joachim Löw bei den Vorbereitungen der Nationalelf in Barsinghausen in Niedersachsen.

(Foto: Nigel Treblin/dpa)
  • Der Schock nach den Vorgängen in Paris und Hannover sitzt bei allen Beteiligten im Fußball tief.
  • Am Wochenende soll der Bundesligaspieltag unter höheren Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen werden.
  • Wie die Nationalspieler die Ereignisse verkraftet haben, ist unklar.

Auf den matschigen Parkwegen gab es jetzt kein Durchkommen mehr. Polizisten, die nicht mehr freundlich waren, sondern Helme, Masken und Maschinenpistolen trugen, hatten den Zugang zum Stadion abgeriegelt. Statt auf der Tribüne saß der kommissarische DFB-Präsident Reinhard Rauball jetzt auf einer Pressekonferenz neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière und dessen niedersächsischem Kollegen Boris Pistorius, die über die Gründe für die Absage des Länderspiels gegen die Niederlande informieren sollten. Und es lag wohl am Stress und an der Spannung dieses Abends, dass der erfahrene Jurist und Funktionär im Laufe der Befragung einen Satz sagte, den er womöglich wenig später schon bereute.

Rauball war auf die Auswirkungen des Geschehens auf den kommenden Bundesliga-Spieltag angesprochen worden, und der 68-Jährige erwiderte, dass er diese Frage "nicht übel nehmen" könne, er habe sie sich selbst schon gestellt. Schließlich bemerkte er: "Mein Eindruck ist, dass der Fußball in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat." Zwar ergriff de Maizière umgehend das Wort und erklärte, dass die Deutschen selbstredend weiter Fußballspiele, Volksfeste und Weihnachtsmärkte besuchen dürften: "Wir sind nicht bereit, unsere Lebensweise zu ändern." Aber Rauballs Aussage konnte er nicht mehr aus der Welt schaffen.

Liga zeigt trotzige Reaktion

Noch am Abend gab Rauball allerdings in klaren Worten die Marschroute für die Haltung des nächstes Tages vor: Der nächste Bundesliga-Spieltag an diesem Wochenende soll wie geplant stattfinden, verkündete er. Jeder Funktionär, der sich zum Thema äußerte, schloss sich dem an. "Dass gespielt wird, steht außerhalb jeder Frage. Das wäre eine solche Kapitulation, das würde ja Freudenstürme in Syrien und anderswo auslösen", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Experten sehen keine spezielle Gefahrenlage für den Fußball, der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert warnte vor "Panik".

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Der Klassiker gegen die Niederlande sollte ein Symbol für die Freiheit werden - das Gegenteil war der Fall. Die Folgen für die Weltmeister sind unabsehbar.

Die Spiele finden also statt, aber dass die Ereignisse in Paris und Hannover Auswirkungen auf den Stadionbesuch haben, steht auch schon fest. An den jeweiligen Orten setzen sich nun die Verantwortlichen der Klubs mit den Vertretern der Polizei und der Behörden zusammen, um zu erörtern, welche zusätzlichen Schritte nötig sind. Es gibt zwar ein paar Empfehlungen des DFB, aber jedes Spiel ist ein Einzelfall.

Aus manchen Klubs heißt es, dass sie das anstehende Spiel wie ein "Risikospiel" betrachten - unter diesen Begriff fallen gemeinhin Partien, oft brisante Derbys, die ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben. Diverse Vereine kündigten bereits verstärkte und intensivere Einlasskontrollen an. Zwar muss schon jetzt jeder Zuschauer kontrolliert werden, aber es ist bekannt, dass das Abtasten im Einzelfall oder kurz vor Spielbeginn schon einmal rascher und oberflächlicher geschieht als eigentlich gedacht.

Es sei nun überall mit längeren Schlangen und Wartezeiten zu rechnen, sagt Jörg Radek, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei; die Fans sollten rechtzeitig und früher als üblich am Stadion sein. Auch Vip- oder andere Gäste, die üblicherweise ohne Kontrolle ins Stadion kommen, müssen sich nun an manchen Stadien abtasten lassen. Der rheinland-pfälzische SPD-Politiker Roger Lewentz, derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz der Bundesländer, appellierte an die Fans, Pyrotechnik und Böller diesmal erst recht zu Hause zu lassen.