Mönchengladbach gegen Dortmund:Gladbach beweist gutes Gespür für Stürmer

Diese Selbsteinschätzung könnten intime Kenner der Bundesliga-Tabelle für Understatement halten, bedenkt man, dass Gladbach die Dortmunder mit zwei Heimsiegen am Samstag und Mittwoch (Nachholspiel gegen den 1. FC Köln) auf vier Punkte distanzieren, also hinter sich lassen könnte. Allerdings lauern hinter Münchnern, Leipzigern, Dortmundern und Gladbachern als Fünfter auch noch die vitalen Leverkusener auf einen der vier Champions-League-Startplätze fürs kommende Spieljahr. "Wir spielen bislang eine sehr, sehr gute Saison", sagt Sportchef Eberl, obwohl Trainer Rose im Sommer doch bloß Rechtsverteidiger Stefan Lainer aus der Talentschmiede Salzburg importierte. Allerdings hatten Eberl und Rose im Angriff - auch ohne den Anruf bei Haaland zu wagen - ein gutes Gespür, jedenfalls sind ihre vier Stürmer an fast allen Gladbacher Bundesliga-Treffern beteiligt.

Alassane Plea, Marcus Thuram, Breel Embolo und Patrick Herrmann haben zusammen 25 Treffer geschossen und 23 vorbereitet. Mit 46 Toren erzielte die Borussia die viertmeisten Tore der Liga. Das wird gegen Dortmund insofern spannend, als die in der Startphase der Saison noch sehr flatterhaften Gäste seit drei Ligaspielen (oder exakt 278 Minuten) kein Gegentor mehr zugelassen haben. Auch für die Dortmunder ist das Duell der Start in wegweisende Tage, denn sie spielen am Mittwoch mit einem 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel bei Paris St. Germain um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

Gladbach bleibt in jeder Hinsicht vorsichtig

In den Europapokal möchten auch die Gladbacher zurückkehren, und sie stellen ihren Fans das auch zeitnah in Aussicht. Dies geht jedenfalls aus einem Angebot hervor, das sie ihren Fans aus dem angrenzenden Kreis Heinsberg gemacht haben - das ist jener Landkreis mit den meisten Coronavirus-Diagnosen in ganz Deutschland. Fans aus diesem Kreis, die bereits eine Karte für das Spiel gegen Dortmund gekauft haben, bekommen die unkomplizierte Rücknahme der Karte sowie ein Gratisticket fürs nächste Gladbacher Europapokalspiel angeboten, wenn sie jetzt zum Spiel nicht anreisen. Das sei aber nur ein Angebot, keine Aufforderung, betonte ein Klubsprecher, "und wenn das mit dem Europapokal nächste Saison nicht klappt, dann ja vielleicht übernächste". Die Gladbacher bleiben in jeder Hinsicht vorsichtig.

Eine generelle Absage oder ein Geisterspiel waren zwar diskutiert, aber verworfen worden. Und das Virus ist nicht mal das einzige Problem. Es sind verrückte Wochen am Niederrhein mit der orkanbedingten Absage des Köln-Spiels vor einem Monat und der hochgradig latenten Gefahr neuer Schmähplakate im Fanblock der Ultras. Vielleicht wären unabhängig vom Ergebnis alle Beteiligten schon froh, wenn das Topspiel um 18.30 Uhr angepfiffen und nach 90 Minuten ordnungsgemäß wieder abgepfiffen werden kann. Bis jetzt steht nur eines fest: Orkan ist keiner angekündigt.

© SZ vom 07.03.2020/tbr
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