FC Bayern vs BVB Die Liga quält sich ins Finale

Im Torverhältnis sind die Münchner uneinholbar - aber eine Niederlage dürfen sie sich gegen Eintracht Frankfurt nicht erlauben.

(Foto: ZB)

Jede Saison bekommt das, was sie verdient - diesmal einen Meisterschafts-Entscheid am letzten Spieltag. Doch das Gänsehaut-Gefühl bleibt aus.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Nein, das konnte doch jetzt unmöglich die Pointe der Saison werden, obwohl sie trefflich gepasst hätte zu dieser Pleiten-Pech-und-Pannen-Spielzeit. 47. Minute in Dortmund: Man wähnte sich in der Wiederholungsschleife, Ähnliches hatte man ja schon am Spieltag zuvor bestaunen müssen. Da hatte BVB-Torwart Bürki in Bremen einen harmlos wirkenden Ball ins Netz rutschen lassen - und nun ließ BVB-Torwart Hitz, Bürkis Schweizer Landsmann und Stellvertreter, gegen Düsseldorf auch so einen harmlos wirkenden Ball ins Netz flutschen. 1:1 der Zwischenstand, in diesem Moment war der in Leipzig agierende FC Bayern fast schon Meister; im Torverhältnis sind die Bayern uneinholbar.

Jede Saison hat das Finale, das sie verdient. Und wer die jüngste auf dem Mond oder Mars verbracht hat, deshalb alles versäumte, was bislang geschah, der wird sich überglücklich schätzen, rechtzeitig in diesem Spannungsfeld zurück zu sein. Ein Meisterschafts-Entscheid am letzten Spieltag: So eng war es zuletzt im Jahr 2009. Das war zwar nicht mehr die Kohl-, sondern auch schon die Merkel-Kanzlerschaft, doch immerhin: Damals lagen die Bayern vor dem 34. Spieltag mit zwei Punkten hinter dem VfL Wolfsburg - anschließend auch. Später wurde die Titelserie der Münchner nur noch vom Klopp'schen Interregnum mit Borussia Dortmund (2011, 2012) unterbrochen.

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Was die Fakten betrifft, handelt es sich vor dem letzten Gong also um eine extreme Ausnahmesituation. Nur warum mag sich dann kein elektrisierendes Gänsehaut-Gefühl einstellen? Oder nur bei jenen, die die 33 Spieltage zuvor auf Mond oder Mars versäumten. Oder jenen, die notorische Parteigänger der Roten aus München oder Gelben aus Dortmund sind. Warum haben so viele Menschen am nächsten Samstag ab 15.30 Uhr was ganz anderes vor, als Fußball zu gucken?

München genügte Pragmatismus zum Überholmanöver

Die Bundesliga habe jetzt doch endlich wieder die Spannung, nach der sie sich so lange gesehnt habe, erklärte Karl-Heinz Rummenigge in Leipzig. Es wirkte sichtlich gequält. Stand doch der Bayern-Vorstand noch unter dem Eindruck des Millimeter-Entscheids aus dem Kölner Keller - Leon Goretzka hatte zum 1:0 getroffen, die Münchner feierten eine Zwei-Minuten-Meisterschaft. Dann erfolgte die Videokorrektur aus der Ferne: Abseits!

Es sind auch diese Stimmungskiller, die aufs Gemüt drückten. Eine gute Idee - der Videobeweis - wurde durch nicht nachvollziehbare, langwierige Interpretationen (Hand? Abseits?) konterkariert. Die Urteile blieben rätselhaft wie der gesamte Saisonverlauf: In der Hinrunde begeisterten die Dortmunder, in der Rückrunde genügte Münchens Pragmatismus zum Überholmanöver, während sich der BVB die Bälle selbst ins Netz drückte.

Die Liga quält sich in ein schönes Finale. Eines aber, für das sich jetzt die Trainer, die es bescherten, Niko Kovac in München und Lucien Favre in Dortmund, vor ihren Chefs und Kritikern rechtfertigen müssen. Das ist die passende, fast schon absurde Pointe dieser Spielzeit.

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