Mainz 05Der Einpeitscher ist weg, das nächste Trainertalent übernimmt

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Verzweiflung statt Energie: Bo Henriksen an der Seitenlinie in Mainz.
Verzweiflung statt Energie: Bo Henriksen an der Seitenlinie in Mainz.
Kirill Kudryavtsev/AFP
  • Mainz 05 entlässt Trainer Bo Henriksen nach dem 0:4 in Freiburg und der fünften roten Karte der Saison.
  • U23-Trainer Benjamin Hoffmann übernimmt als Interimslösung beim Tabellenletzten der Bundesliga mit nur sechs Punkten.
  • Henriksen hatte Mainz 2024 vor dem Abstieg gerettet und zum Europapokal-Einzug geführt.
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Nach der Entlassung von Bo Henriksen springt U23-Trainer Benjamin Hoffmann als Interimscoach des Bundesliga-Tabellenletzten Mainz 05 ein. Eine Lösung mit Klubtradition – und schwerem Erbe.

Von Frank Hellmann

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Es war inzwischen schon ein Ritual, zumindest für jene Stammgäste im Stadion von Mainz 05, die sich frühzeitig vor jedem Heimspiel ihren Platz suchen: Rund eine Stunde vor Anpfiff lief ihnen stets Bo Henriksen mit geschwungenen Fäusten und fliegenden Haaren über den Rasen entgegen, um alle Fans in Stimmung zu bringen. Wenn der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga nun an diesem Freitag (20.30 Uhr) zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach antritt, fehlt der Trainer mit der wallenden Mähne. Die von ihm vorgelebte Energie-Attitüde war seiner Mannschaft auf dem Platz zuletzt zunehmend verloren gegangen. Die Mainzer Auftritte wirkten dermaßen zerzaust, dass die Trennung von Henriksen am Mittwoch nur noch folgerichtig wirkte.

Verwunderlich war nur, dass der selbsternannte Karnevalsverein nach dem jüngsten Offenbarungseid beim 0:4 in Freiburg und nach der bereits fünften (!) roten Karte der Saison (diesmal: Paul Nebel) für die Trainer-Entscheidung drei Tage Zeit benötigte. Eigentlich hatte Sportchef Niko Bungert bereits am Sonntag angekündigt, alles zu hinterfragen. Und so viel Zeit hat ein Klub, der erst sechs Punkte gesammelt hat, eigentlich nicht.

Mal wieder übernimmt vorerst, das hat am eher unaufgeregten Standort Mainz gewisse Tradition, ein intern hochgeschätzter Übungsleiter das Kommando: Benjamin Hoffmann, der in der Regionalliga Südwest mit der U23 auf einem beachtlichen dritten Platz liegt, springt als Interimslösung ein. So war das schon vor zehn Jahren, als Martin Schmidt den glücklosen Kasper Hjulmand beerbte. Thomas Tuchel rückte 2009 direkt von der A-Jugend auf, um den Verein anschließend auf ein neues Niveau zu hieven. Hoffmann, 46, soll indes nicht dauerhaft befördert werden. Vorstand Christian Heidel sagte am Donnerstag auf der Pressekonferenz, dass man bereits eine „sehr, sehr konkrete Idee“ habe. Fest stehe, dass sich die Mainzer nach einem anderen Trainertyp umsehen: „Es kommt nicht Bo 2.0.“ Spekuliert wird über Urs Fischer (zuletzt Union Berlin), der verfügbar wäre.

Mit Henriksen gelang der Einzug in den Europapokal, er passe „einfach perfekt“ nach Mainz, sagte Vorstand Heidel

Der entlassene Henriksen durfte sich per Pressemitteilung mit warmen Worten verabschieden: „Mainz 05 ist ein toller Verein mit vielen Menschen und tollen Fans. Wir haben gemeinsam viel erreicht.“ Und Heidel versicherte, Henriksen habe „seinen Platz in unseren Herzen und Geschichtsbüchern sicher“, Mainz habe dem 50-Jährigen „sehr, sehr viel“ zu verdanken.

Das ist zweifellos so. Henriksen hatte die Mannschaft im Februar 2024 übernommen und „dann in einer fast aussichtslosen Lage den Verein und die ganze Stadt aufgerüttelt“, erinnerte sich Heidel. Mainz hatte nach 21 Spieltagen kümmerliche zwölf Punkte auf dem Konto, als der aus Zürich transferierte Henriksen in Windeseile so viel Leidenschaft und Überzeugung vermittelte, dass der Klassenerhalt am Ende locker gelang. Danach geriet die Saison 2024/25 läuferisch, kämpferisch und spielerisch derart überzeugend, dass der Europapokal-Einzug gelang. Ende Januar 2025 war der Vertrag mit Henriksen vorzeitig bis 2027 verlängert worden. „Bo passt einfach perfekt zu uns“, sagte Heidel da noch.

Doch seit dem Sommer fügte sich kaum noch etwas zusammen, obwohl in Moritz Jenz (zurück zum VfL Wolfsburg) und Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt) nur zwei Leistungsträger den Klub verließen. Der von Union Berlin geholte Königstransfer Benedict Hollerbach verletzte sich früh, zuletzt überwarf sich Henriksen mit Eigengewächs Nelson Weiper, der eigentlich zum Burkardt-Nachfolger aufgebaut werden sollte. Der U21-Nationalspieler stand zuletzt in Craiova und Freiburg wegen schwacher Trainingsleistungen gar nicht mehr im Kader – und könnte nun als Erster vom Trainerwechsel profitieren. Hoffmann hatte bei den A-Junioren der Mainzer vor zwei Jahren vieles darauf ausgerichtet, den talentierten Torjäger Weiper in Szene zu setzen.

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