Bundesliga Kruse fungiert als Werders Groß- und Kleinhirn

Max Kruse feiert seinen Treffer zum 3:1.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Werder Bremen gewinnt in der Bundesliga 3:1 bei Bayer Leverkusen.
  • Max Kruse ist der herausragende Spieler - mit zwei Toren, einer Vorlage, Spielintelligenz, Fleiß und Einsatzwille.
  • Eine Diskussion über die Fortsetzung der Karriere im DFB-Trikot erübrigt sich aber wohl.
Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Vom Spiel Bayer Leverkusens gegen Werder Bremen hatten sich die Kenner viel versprochen, die Fachzeitschrift kicker stellte sogar "ein Torfestival" in Aussicht. Dazu kam es zwar nicht, aber die Erwartungen sind gewiss nicht enttäuscht worden, beide Teams bestätigten durch ihr Auftreten die Europacup-Ansprüche, aber gejubelt hat am Ende nur der SV Werder. Ein Tor von Max Kruse in der Nachspielzeit verschaffte den Bremern Beruhigung und sicherte ihnen den 3:1-Auswärtssieg. Lange Zeit hatten sie um diesen Erfolg bangen müssen, Bayer Leverkusen gestaltete die zweite Halbzeit nach 0:2-Pausenstand als pausenloses Powerplay. Bremens Trainer Florian Kohfeldt machte in seiner Coaching Zone den Eindruck eines Mannes, der heftig daran leiden musste, dass er nicht selbst in die Verteidigung der Führung eingreifen durfte.

"In den letzten 20 Minuten war es der pure Wille, das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Der Ausgleich wäre nicht unverdient gewesen", sagte der Bremer. Der Kollege Peter Bosz fand es hingegen im Namen von Bayer Leverkusen vollkommen korrekt, dass die Gäste den Sieg davontragen durften - "weil wir es in der ersten Halbzeit sehr schlecht gemacht haben!"

Hätte es bei diesem Bundesligaduell eine Wahl zum Spieler des Spiels gegeben, dann hätten die Juroren nicht lange nachdenken müssen. Max Kruse, 30, war nicht nur wegen zweier Treffer und der Vorlage zum dritten Tor der herausragende Mann. Er fungiert sowohl als Groß- wie als Kleinhirn seiner Mannschaft, seine Spielintelligenz ist faszinierend, sein Fleiß und sein Einsatzwille waren beispielhaft. An diesem Sonntag war Kruse zum wiederholten Male ein Spieler, wie ihn sich jeder Trainer nur wünschen kann, übrigens auch jeder Nationaltrainer, aber eine Diskussion über die Fortsetzung der Karriere im DFB-Trikot erübrigt sich wohl: Joachim Löw hat seine weltexklusive Meinung über Kruse und dessen Teamfähigkeit, und die wird sich auch nicht dadurch ändern, dass der Bremer Spielmacher, Torjäger und Kapitän an diesem Sonntag einen persönlichen Rekord aufgestellt hat: Nie ist Max Kruse in einem Ligaspiel so viel gelaufen wie diesmal (11,7 Kilometer).

Bremens Führung beruht auf einer Co-Produktion der Eggestein-Brüder

Es gab gute Gründe dafür, diese weiten Wege zu gehen, denn in einem Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten mussten sich die Bremer mächtig anstrengen, um ihr Kapital nach Hause zu bringen. Schon in den ersten 45 Minuten war der Spielverlauf nicht so eindeutig, wie es der Zwischenstand signalisierte. Leverkusen hatte trotz des harten Urteils des Trainers ("schlechteste Halbzeit, seitdem ich hier bin") gute Möglichkeiten, um die Bremer Führung aus der 14. Minute auszugleichen, die auf einer brüderlichen Co-Produktion beruhte: Johannes Eggestein lenkte im blinden Vertrauen den Ball zu Maxi Eggestein, der mit einem meisterlichen Pass Kruse den Abschluss servierte. Die Fußballfans auf dem asiatischen Markt, die dieses Spiel mitten in der deutschen Sonntagsbraten-Zeit zur lokalen Prime-Time erleben durften, bekamen eine Menge geboten. Nachdem Leon Bailey und Kevin Volland das 1:1 verpasst hatten, schlugen die Bremer erneut zu: Johannes Eggestein setzte Jonathan Tah und Lars Bender an der Mittellinie matt, dann rollte der Konter über Kruse und Milot Rashica (37.).

Auch in der zweiten Halbzeit standen sich zwei Teams mit großem kreativem Potenzial gegenüber. Beide Seiten konnten nie sicher sein, was der Gegner als nächstes tun würde. Selbst als die Bremer schon in die Defensive geraten waren, streuten sie zwischendurch einen Lattentreffer (Freistoß Sahin, 55.) ein. Leverkusen erhöhte - unterstützt durch die Hereinnahme des nicht ganz fitten Kai Havertz - den Einsatz und drückte aufs Anschlusstor, doch erst in der 75. Minute brachte Leon Baileys Freistoß sie wieder in Reichweite.

Für Werder war es längst eine Abwehrschlacht, die umso mehr an den Nerven des Trainers Kohfeldt zehrte, weil Bayer nicht nach gängiger Art eine Flanke nach der anderen in den Strafraum schickte. Stattdessen kombinierten sie sich, angetrieben vom nicht fehlerlosen, aber sehr aktiven Julian Brandt, immer wieder mit Flachpässen in Schussposition. Erst Kruses frecher Schlusspunkt zum 3:1 klärte die Verhältnisse. Für Bayer ein Rückschlag auf dem Weg in die Champions-League-Region: "Das sind die Spiele, die man gewinnen muss, um nach oben Druck auszuüben", stellte Kevin Volland fest.

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