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Bundesliga: Legendäre Co-Trainer:Die ewigen Zweiten

Co-Trainer zu sein ist eine Strafe? Von wegen. Manche Männer fühlen sich nur als Nummer zwei richtig wohl. Von Roland Koch, Ottos Dolmetscher und einem Dauerbrenner aus Bremen. In Bildern.

Carsten Eberts

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1. FC Kaiserslautern - Bayer 04 Leverkusen

Quelle: dapd

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Co-Trainer zu sein ist eine Strafe? Von wegen. Manche Männer fühlen sich nur als Nummer zwei richtig wohl. Von Roland Koch, Ottos Dolmetscher und einem Dauerbrenner aus Bremen. In Bildern.

Jupp Heynckes gehört eigentlich nicht zu den Trainern, die andere Übungsleiter oder gar einen ganzen Übungsleiterstab zu einem neuen Verein mitbringen - nach Leverkusen etwa kam er allein. Dort traf er Peter Hermann, der 20 Jahre lang als Co-Trainer bei Bayer 04 arbeitete und nur kurzzeitig nach Nürnberg gewechselt war, weil er sich mit Bruno Labbadia nicht verstanden hatte. Sein Posten in Nürnberg: Co-Trainer. Er kam jedoch schnell zurück nach Leverkusen. "Peter Hermann ist der beste Co-Trainer, den ich je hatte", urteilte Heynckes schon nach wenigen Wochen. Nun wird Hermann den Verein wechseln, er geht zum FC Bayern. Seine Position dort: natürlich Co-Trainer.

Eintracht Frankfurt's new coach Daum (R) and his assistant Koch arrive on the training ground prior to their first training session after Daum's official presentation in Frankfurt

Quelle: REUTERS

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Damals, vor dem Koblenzer Landgericht, gab es ein seltenes Bild zu bewundern: Roland Koch (links im Bild) - nicht etwa der streitbare CDU-Politiker, sondern der langjährige Co-Trainer von Christoph Daum - erschien ohne Mütze. Das hatte es noch nie gegeben, nicht bei Bayer Leverkusen, nicht beim 1. FC Köln, nicht bei Beşiktaş oder Fenerbahçe Istanbul. Doch Koch musste diesmal als Zeuge aussagen, in der Kokain-Affäre um Daum, seinen Chef, der ihn stets dorthin mitnimmt, wo er gerade als Trainer tätig ist. Vor Gericht ging es um Daums Haarprobe. Und Koch sagte: "Ich habe gesehen, wie Christoph sich die Schamhaare selbst abgeschnitten hat. Es war eine unwürdige Situation." Auch könne er sich nicht vorstellen, dass sein Chef hochgradig kokainabhängig gewesen sei. So viel Loyalität wird belohnt: Neun Jahre später ist Daum neuer Trainer von Eintracht Frankfurt. Und sein erster Gehilfe heißt: Roland Koch.

FC Schalke 04 v 1. FC Nuernberg - DFB Cup

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Auch Felix Magaths Wirken wurde stets von einem Mann aus der Nähe betrachtet, der im Grunde gar nicht auffiel: Seppo Eichkorn (links im Bild) begleitete Magath zum VfB Stuttgart, dem FC Bayern und auch zum VfL Wolfsburg. Auch bei Schalke 04 dirigierte Eichkorn an Magaths Seite - bis das Unglaubliche geschah: Sein Chef wurde beurlaubt, Nachfolger Ralf Rangnick ließ noch auf sich warten. Und so war es tatsächlich Eichkorn, der beim Auswärtsspiel in Leverkusen als Chef auf der Bank Platz nahm. Das Spiel misslang gründlich - und so wird bald vergessen sein, dass Seppo Eichkorn tatsächlich einmal Schalker Chefverantwortlicher war. Ebenso bemerkenswert: Zum VfL Wolfsburg folgt er Felix Magath diesmal nicht, sondern bleibt lieber Co-Trainer auf Schalke.

FC Bayern Muenchen - Inter Mailand

Quelle: dapd

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Andries Jonker, so heißt es, habe im Frühjahr 2011 alle Fragen nach seiner Beförderung zum Cheftrainer des FC Bayern sofort abgewehrt. Gewiss, es wäre ein Karrieresprung für den Niederländer gewesen, der schon beim FC Barcelona als Co-Trainer unter Louis van Gaal fungierte. Aber nun die Arbeit seines Chefs fortführen? Womöglich noch einen Titel holen (was eine gewisse Zeit möglich war)? Als Retter dastehen? Sogar van Gaal selbst soll seinen taktikbesessenen Kompagnon als Nachfolger ins Gespräch gebracht haben - doch der lehnte loyal ab. Jonker wird nun seinen Chef bis zum Saisonende begleiten, den Verein dann loyalerweise verlassen.

RNPS IMAGES OF THE YEAR 2007 - GERMANY

Quelle: REUTERS

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Wer Co-Trainer ist, möchte irgendwann Chef werden. Wer dann jedoch tatsächlich Chef wird, merkt vielleicht, wie schön das Leben in zweiter Reihe war. Zum Beispiel Michael Henke (links im Bild): Der genoss bei Borussia Dortmund und Bayern München lange Jahre das ruhige Leben hinter Ottmar Hitzfeld, führte die Anweisungen seines Chefs aus, musste die Entscheidungen nicht selbst fällen, lediglich mittragen. Dann wollte er selbst wissen, wie das ist: Henke wechselte 2005 zum 1. FC Kaiserslautern, wurde jedoch nach nur vier Monaten als Tabellenletzter entlassen. 2006 versuchte er es beim 1. FC Saarbrücken - auch dort war als Cheftrainer nach nur vier Monaten Schluss. Also wurde Henke wieder Co-Trainer, erst beim FC Bayern, dann beim 1. FC Köln. Dort war er bestimmt wieder etwas glücklicher.

Werner Kern 1. FC Nürnberg

Quelle: imago sportfotodienst

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Von 1970 bis 1977 hatte Werner Kern (links im Bild) seinen festen Platz auf der Bank des FC Bayern. In diese Jahre fiel die erste sehr erfolgreiche Zeit des Klubs, Kern als Co-Trainer wird sogar die Entdeckung und Förderung von Spielern wie Karl-Heinz Rummenigge maßgeblich zugeschrieben. Danach verabschiedete er sich - und es erging ihm wie vielen anderen auch: Als Cheftrainer klappte es nicht so recht, Kern blieb nur jeweils wenige Monate bei Wormatia Worms und dem 1. FC Nürnberg (Bild), anschließend je zwei Jahre bei Eintracht Trier und dem SSV Ulm. Kern kehrte zurück, wurde Abteilungsleiter der Bayern-Jugend, später auch der Bayern-Frauen, schließlich Nachwuchskoordinator. Sein Platz scheint doch irgtendwie in München zu sein.

Kalli Kamp Otto Rehhagel Werder Bremen

Quelle: SZ

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Da nun bereits mehrfach von äußerst loyalen Co-Trainern die Rede war - die Krone dafür darf sich zweifelsohne Bremens Kalli Kamp (links im Bild) aufsetzen. Nicht nur, dass er von 1970 bis 1984 für Werder 400 Bundesligaspiele absolvierte, er wechselte anschließend für unglaubliche 21 Jahre ins Amt des Co-Trainers bei Werder. Ein Großteil seiner Amtszeit fiel natürlich unter die Leitung von Otto Rehhagel (rechts). Jedoch auch während der wilden, späten neunziger Jahre hielt er Werder die Treue: unter Dixie Dörner, Felix Magath (damals noch ohne Seppo Eichkorn), Wolfgang Sidka und Thomas Schaaf. Erst eine komplizierte Hüft-OP beendete 2006 seine Karriere. In der Werder-Kabine darf "Schampus", so sein zweiter Spitzname, jedoch auch heute noch vorbeischauen.

Fußball-Länderspiel Griechenland - Armenien

Quelle: dpa

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In der Liste der zehn wichtigsten Griechen aller Zeiten dürfte Otto Rehhagel für immer einen Platz haben. 2004 führte er das kleine Fußballland zum EM-Titel - wie es dazu kommen konnte, wusste er vielleicht selbst nicht so genau. Das Kuriose daran: Rehhagel motivierte seine mäßig begabten Kicker zu Höchstleistungen, ohne ein Wort Griechisch zu sprechen. Dafür hatte er Ioannis Topalidis (rechts im Bild), seinen Freund und Dolmetscher. Alles, was Rehhagel auf Deutsch brabbelte, übersetzte Topalidis ins Griechische. Rehhagel sagte einmal: "Meine Spieler sagen immer: Der Ioannis redet wie ich, nur auf Griechisch. Er kann meine Anweisungen eins zu eins rüberbringen, wir sprechen die gleiche Fußballersprache." Andere Leute behaupteten: Topalidis' einzige Qualifikation war, dass er zufällig Griechisch UND Deutsch sprechen konnte. Wäre Rehhagel tatsächlich bei Schalke 04 als Interimsretter eingesprungen, er hätte Topalidis wohl mitgebracht. Und sei es nur, um Angelos Charisteas in seiner Muttersprache zu motivieren.

ASSAUER, ACHTERBERG

Quelle: AP

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Es lässt sich wirklich nicht behaupten, dass Eddy Achterberg (links im Bild) sein Leben nicht ganz Huub Stevens verschrieben hätte. Schon bei Roda Kerkrade Anfang der neunziger Jahre war er Co-Trainer unter Stevens; als Stevens zu Schalke 04 wechselte, folgte ihm auch Achterberg. Schließlich versuchten beide es getrennt - Achterberg als Scout bei Schalke, Stevens beim Hamburger SV. Doch sie fanden wieder zusammen - seit 2009, bei Red Bull Salzburg. Und was ist der Dank dafür? Anfang 2011 krachte es zwischen beiden Männern so gewaltig, dass nach Angaben diverser Boulevardmedien sogar Blut floss, Stevens entband Achterberg von seinen Aufgaben. Achterberg wird wohl nicht nur nie wieder mit Stevens zusammen trainieren. Es ist auch das Ende einer echten Männerfreundschaft.

RIBBECK BRAUN STIELICKE

Quelle: AP

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Ein weiterer legendärer Vertreter der Co-Trainer-Zunft ist Uli Stielike (links im Bild). Fußballdeutschland wunderte sich erheblich, wie der damalige DFB-Präsident Egidius Braun (Mitte) ausgerechnet Erich Ribbeck (rechts) sowie Stielike 1998 als neues, emotionsarmes Pärchen an der Seitenlinie der Nationalmannschaft nominierte. Als die Verwunderung darüber verflogen war, richtete sich der Spott sogleich gegen Stielikes legendäre Sakkos: Der "Extremdisigner aus dem Odenwald", wie es etwa in der Harald Schmidt Show hieß, führe die deutsche Modewelt ganz alleine zu neuen Ufern. Der Spott währte nur kurz, in etwa so lange wie die Amtszeit von Ribbeck/Stielike. Denn nach der enttäuschenden EM 2000 war auch schon wieder Schluss.

Holger Osieck Franz Beckenbauer 1990

Quelle: imago sportfotodienst

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Genau eine Daseinsberechtigung hatte Holger Osieck (rechts im Bild) bei der WM 1990 in Italien: Osieck besaß einen Trainerschein, sein Chef Franz Beckenbauer nicht. Unter Beckenbauer holte das deutsche Team den Titel - und so darf sich auch Osieck noch heute Weltmeister nennen. Danach hatte er offenbar genug vom Dasein als unbeachteter, zweiter Mann: Von 1991 an trainierte er den VfL Bochum, wo er jedoch schnell wieder rausflog, wechselte dann zu Fenerbahçe Istanbul, zu den Urawa Red Diamonds in Japans J. League sowie in die Türkei zu Kocaelispor. Von 1998 bis 2003 betreute er sogar die kanadische Nationalmannschaft, übernahm später einen Posten bei der Fifa, trainiert heute die australische Nationalmannschaft und gewann kürzlich gegen die deutsche Elf mit 2:1. Nach Deutschland kehrte er nicht mehr zurück - und als kurzzeitig zur Debatte stand, dass Osieck 2004 unter Jürgen Klinsmann ein zweites Mal deutscher National-Co-Trainer werden könnte, sagte er selbstverständlich ab.

Löw startet ´voller Optimismus" ins neue Jahr

Quelle: dpa

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Der rasante Aufstieg von Hansi Flick (links im Bild) zum Co-Trainer der Nationalmannschaft gehört zu den verwunderlichsten Trainerlaufbahnen im deutschen Fußball: Von 1996 bis 2000 trainierte er den FC Victoria Bammental, der in dieser Zeit von der Oberliga in die Verbandsliga abstieg. Flick wechselte 2000 zur TSG 1899 Hoffenheim, scheiterte bis 2005 jedoch mehrfach am Aufstieg in die zweite Liga. Anschließend ging er zu Red Bull Salzburg, wo er als Praktikant unter Giovanni Trappatoni (neben Lothar Matthäus übrigens) sein Wissen vertiefte. Klar, dass er am Ende dieser Entwicklung in die Nationalmannschaft berufen werden musste. Dort erledigt er nun seine Arbeit, wie es nur Hansi Flick tun kann: leise, freundlich lächelnd, bis in die Tiefe loyal. Er ist wohl der einzige Trainer des Landes, der bei einer Demission seines Chefs garantiert nicht als Nachfolger gehandelt wird.

© sueddeutsche.de/jüsc
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