bedeckt München 30°

Datenanalyse:So langweilig ist die Bundesliga

Schalkes Bastian Oczipka (l) und Hannovers Julian Korb kämpfen um den Ball.

(Foto: dpa; SZ-Grafik; Montage SZ)

16 Punkte Vorsprung: Der FC Bayern München dominiert die Liga. Darf man den Zweiten überhaupt noch "Verfolger" nennen?

Von Christian Endt, Dalila Keller (Grafiken) und Christopher Gerards (Text)

Christian Seifert hat kürzlich eine Rede gehalten, es ging um die Qualität der Bundesliga. Seifert ist Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), des Dachverbands der deutschen Profiklubs. Von einem "Jahr der verpassten Chancen" sprach Seifert auf dem Neujahrsempfang der DFL und meinte das Abschneiden der deutschen Vertreter im Europapokal. Und so forderte er eine Liga, "die dauerhaft eine intakte Spitze aus mehreren Klubs hat, die europaweit mithalten können und die sich national einen spannenden Wettbewerb liefern".

Eine intakte Spitze? Mehrere Klubs, die europaweit mithalten können? Ein nationaler Wettbewerb? In der Bundesliga ist das momentan so eine Sache.

122 Punkte Vorsprung in fünf Jahren

16 Punkte trennen den Hamburger SV, den Vorletzten, von Bayer Leverkusen, dem Zweiten. Das Problem (zumindest, was den Wettbewerb angeht) ist, dass den Zweiten genauso viele Punkte trennen vom Tabellenersten Bayern. Man kann es also formulieren wie Thomas Müller, der nach Bayerns 4:2 gegen Bremen anmerkte, dass sich die "Konkurrenz nicht ganz einig ist, wer denn jetzt vorne mitziehen will". Man kann es aber auch so sagen: dass Leverkusen auch als Zweiter kein Konkurrent der Münchner ist. Dass sie - 15 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz - eher gegen den Abstieg kämpfen als um die Meisterschaft.

Die Frage, ob die Liga schon immer so langweilig war, lässt sich leicht beantworten: Jein. So viel Vorsprung hatte noch nie ein Bundesligist am 19. Spieltag, zumindest nicht, seit zur Saison 1995/96 die Dreipunkteregel erstmals griff. Bisheriger Höchstabstand: 13 Punkte. Erreicht - Überraschung! - vom FC Bayern, in der Saison 2013/14. Seinerzeit feierten die Bayern die Meisterschaft am 25. März. Ja, März. Es ist nicht ganz klar, was rückblickend kurioser wirkt: dass der 1. FC Kaiserslautern mal Tabellenführer (und später Meister) der Bundesliga war. Oder dass der FC Bayern mal nur mit null Punkten Vorsprung Erster war.

Andererseits ist die jüngste Dominanz der Bayern keine ganz neue Sache. Es gab Zeiten, da hat keine Mannschaft mehr als drei Bundesliga-Titel in Serie gewinnen können. Inzwischen ist der FC Bayern bei fünf. Entsprechend groß wäre der Vorsprung in einer Tabelle, die die vergangenen fünf und die laufende Saison einrechnet: 122 Punkte. Weil es so massiv viel ist, noch mal: 122 Punkte.

Der Mangel an Spannung ist kein ausschließliches Problem der Bundesliga, zumindest nicht in dieser Saison. Wobei der Abstand in keiner der fünf großen Ligen derart gewaltig ausfällt. In Frankreich führt Paris mit acht Punkten, in England führt Manchester City mit zwölf Punkten, in Spanien führt Barcelona mit elf Punkten. In Italien fällt Neapels Vorsprung mit einem Punkt (Stand: 20. Spieltag) noch dezent aus. Auch was die Meister angeht, waren andere Ligen zuletzt wählerischer. Spaniens Meister seit 2012/2013: FC Barcelona, Atlético Madrid, FC Barcelona, FC Barcelona, Real Madrid. Englands Meister: Manchester United, Manchester City, FC Chelsea, Leicester City, FC Chelsea.

Und in Deutschland? Gewann den Titel in dieser Reihenfolge der FC Bayern, der FC Bayern, der FC Bayern, der FC Bayern sowie der FC Bayern. So erging es unter Europas Großklubs sonst nur Juventus Turin.

© SZ.de/chge/rus

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite