Bundesliga Jens Lehmann wird Co-Trainer beim FC Augsburg

Einst Co-Trainer bei Arsenal, künftig beim FC Augsburg: Jens Lehmann.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Der frühere DFB-Torwart Jens Lehmann wird Co-Trainer beim kriselnden FC Augsburg. Er unterschreibt einen Vertrag bis 2020.
  • Mit der Verpflichtung von Jens Lehmann haben die Augsburger Handlungsbedarf in der sportlichen Leitung eingeräumt, ohne dabei den Trainer Manuel Baum zu schwächen.
Von Thomas Hürner und Christof Kneer

Der Abstiegskampf in der Bundesliga hat sich zu einer eigenen kleinen Meisterschaft entwickelt. Vier Mannschaften nehmen daran teil, der 1. FC Nürnberg, Hannover 96, der VfB Stuttgart und auch der FC Augsburg, der die Tabelle dieser kleinen Meisterschaft zurzeit mit einem Punkt Vorsprung vor Stuttgart anführt. Das Anspruchsvolle an diesem Format ist, dass man in dieser Viererrunde schon Meister werden muss, um direkt in der Liga zu bleiben, der Zweite muss bereits in die Relegation. Angesichts dieser kuriosen Wettbewerbssituation sind das zunächst mal keine so guten Nachrichten, die da gerade im Stundentakt aus Augsburg auf den Markt kommen. Das Bedenkliche daran ist ja, dass es überhaupt Nachrichten gibt. Denn das war ja - neben einer seriös gebauten Elf - immer Augsburgs Wettbewerbsvorteil: dass dort eine Ruhe herrschte, die Schlagzeilenjägern die Laune verdarb.

Und jetzt, nur mal in Kurzfassung, das: Der Brasilianer Caiuby schwänzt mal wieder das Training und will für immer in Brasilien bleiben und taucht dann plötzlich doch wieder in Augsburg auf, allerdings nur in einer örtlichen Disco, woraufhin ihn der Klub am Montagabend freistellte. Der Trainer Manuel Baum regt sich nach dem 0:2 in Gladbach auf eine Art über den Schiedsrichter auf ("Skandal", "Dilettanten"), die ihm nun ein DFB-Ermittlungsverfahren wegen Schiedsrichter-Beleidigung einbringt; der Verteidiger Martin Hinteregger regt sich auf eine Art über den Trainer Baum auf ("kann nichts Positives über ihn sagen"), die ihm umgehend ein Krisengespräch Klubmanager Stefan Reuter einbringt ("Diese Aussagen gehen nicht."

). Und jetzt also auch noch das mit Jens Lehmann.

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Am Montag verdichteten sich tagsüber bereits die Hinweise, am späten Nachmittag bestätigte der Verein die Personalie: Lehmann, 49, wird als Assistenztrainer beim FC Augsburg anfangen. Der ehemalige Nationaltorwart war zuletzt immer wieder bei Augsburger Heimspielen auf der Tribüne entdeckt worden, und am vorletzten Samstag, nach der 1:2-Niederlage gegen Düsseldorf, war Manager Reuter sogar explizit nach Lehmann gefragt worden. Ob da was laufe mit dem ehemaligen Spielerkollegen? Och nö, hat Reuter dann in bewährter Manier gesagt und sinngemäß angefügt, man kenne sich halt gut, und mal sehen, ob man nach dem Spiel noch spreche, wobei, er wisse gar nicht, ob der Jens vielleicht schon weg sei.

Lehmann, der zurzeit noch als TV-Experte arbeitet, hat in Augsburg einen Vertrag bis Sommer 2020 unterschrieben und wird dem Cheftrainer Baum, der übrigens auch mal Torwart war, ab sofort seine Expertise zur Verfügung stellen. In der Saison 2017/18 assistierte Lehmann beim großen FC Arsenal bereits dem großen Arsène Wenger, und so könnten es die Augsburger bei Lehmanns Anwerbung auch auf die öffentliche Wirkung dieser prominenten Personalie abgesehen haben. Am Trainer Manuel Baum soll nach der ungewöhnlich heftigen Kritik des Spielers Hinteregger keinerlei Zweifel aufkommen; so sagte Stefan Reuter am Montag demonstrativ, man sei "von Manuel absolut überzeugt. Wir überlegen uns gemeinsam, wie wir in die Erfolgsspur zurückkommen können". Mit Lehmanns Verpflichtung haben die Augsburger nun Handlungsbedarf in der Sportlichen Leitung eingeräumt, ohne dabei den Trainer zu schwächen.

Fürs Erste überstrahlt der schillernde Name Lehmann also das Unruhepotenzial, das sich weiterhin mit den Namen Hinteregger und Caiuby verbindet. Am Sonntag soll Hinteregger bereits zum Rapport bei Reuter gebeten worden sein, über Einzelheiten oder Konsequenzen für den Österreicher schweigen die Augsburger bislang. Selbiges taten sie bis zum Montagabend auch bei Fragen zum lustigen Caiuby. Ob die Augsburger jetzt also wieder ihre geliebte Ruhe haben, auf die sie sich immer so schön verlassen konnten? Am Sonntag spielt die Mannschaft gegen Mainz 05, nun ganz sicher ohne Caiuby, aber möglicherweise wieder mit dem Verteidiger Hinteregger. Und ganz bestimmt mit einem Co-Trainer namens Jens Lehmann.

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