Bundesliga "Ich bin kein Trainer-Killer, aber..."

Hoch die Hände, Arbeitsende: Mönchengladbachs beurlaubter Trainer André Schubert beim 1:2 gegen Wolfsburg.

(Foto: revierfoto/imago)

...nach einer mäßigen Hinrunde entlässt Gladbach André Schubert. Für ihn kommt Dieter Hecking - der 52-Jährige hat eine besondere Beziehung zur Borussia.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Vor drei Monaten wurde der Vertrag von André Schubert bis 2019 verlängert. Vor einem Monat sagte Vizepräsident Hans Meyer, man sollte Schubert ein Denkmal bauen. Zwischendurch beschwor Manager Max Eberl immer wieder "Kontinuität auch in schwierigen Zeiten". Das hat alles gut geklungen - aber nichts genützt.

Die finalen Akte der Verzweiflung mündeten kurz vor Weihnachten in die Kapitulation: "Am Ende einer kuriosen Hinrunde mit Höhen und Tiefen waren die letzten Wochen ernüchternd", sagte Eberl, "das war nicht mehr die Mannschaft, die wir kennen." Zur akuten Selbstfindung braucht Borussia Mönchengladbach jetzt also einen neuen Trainer.

Nach viereinhalb tollen Jahren mit Trainer Lucien Favre hätten die Gladbacher gern auch viereinhalb tolle Jahre mit Schubert erlebt. Aber Schubert ist nicht Favre. Er konnte eine angeschlagene Elf weniger gut stabilisieren. Er konnte zweifelnden Spielern weniger Selbstvertrauen einflößen. Und er konnte Fußballer nicht in dem Maße besser machen wie sein Vorgänger.

Am Mittwoch hat die Borussia ihren Cheftrainer nach 15 Monaten und 62 Pflichtspielen von seinem Amt entbunden. Der kürzlich verlängerte Vertrag? War dank Klauseln kein Problem. Das Denkmal? Wird nicht gebaut. Die Kontinuität? Wird mit einem neuen Trainer erneut anvisiert.

Der neue Trainer heißt Dieter Hecking und erhält einen Vertrag bis 2019. Der 52-Jährige wurde vor zwei Monaten beim VfL Wolfsburg freigestellt - und hat eine besondere Beziehung zur Borussia. Für sie bestritt er am 30. November 1984 sein erstes Bundesligaspiel: Beim 0:2 gegen Fortuna Düsseldorf wurde er von Trainer Jupp Heynckes in der 75. Minute für Ewald Lienen eingewechselt. Es folgten dann zwar bloß noch fünf Einsätze für Gladbach - aber sein Debüt vergisst man bekanntlich nie. Hecking war damals 20 Jahre alt.

Nun soll er selbst dafür sorgen, dass bei der Borussia weiterhin junge Spieler das Gesicht des Vereins prägen. "Wir werden den Weg mit jungen Spielern weitergehen", sagte Eberl, "aber wir brauchen auch kurzfristig Punkte, damit wir bald wieder in ruhigeren Gefilden stehen." Hecking war mit Wolfsburg 2015 Pokalsieger und Liga-Zweiter. Der erfahrene, bekennend konservative Coach wird wenig Akklimatisierungszeit benötigen. Er kennt den Verein, er wurde in Castrop-Rauxel geboren.

Der Niederbayer Eberl lebt seit 17 Jahren am Niederrhein, er hat sich rhetorisch assimiliert. Nach dem 1:2 gegen Wolfsburg sagte der Sportchef: "Heute Abend haben wir alle den Kappes auf." Kappes ist Rheinisch für "Weißkohl", bedeutet aber auch: "Unsinn". Den Kohl aufhaben heißt: Man kann nicht mehr, man will nicht mehr.

Sieben von 18 entlassen

Die Bundesliga-Trainerwechsel im Herbst 2016

Werder Bremen (18. September) Viktor Skripnik -> Alexander Nouri

Hamburger SV (25. September) Bruno Labbadia -> Markus Gisdol VfL

Wolfsburg (17. Oktober) Dieter Hecking -> Valérien Ismaël

FC Ingolstadt 04 (6. November) Markus Kauczinski -> Maik Walpurgis

SV Darmstadt 98 (5. Dezember) Norbert Meier -> Ramon Berndroth (Interim)

FC Augsburg (14. Dezember) Dirk Schuster -> Manuel Baum (Interim)

Borussia Mönchengladbach (21. Dezember) André Schubert -> Nachfolger offen