Hamburger SV Zum Heulen

Alle bedient: Die HSV-Spieler Rick van Drongelen, Leo Lacroix, Douglas Santos und Gotoku Sakai (von links).

(Foto: dpa)
  • Der Hamburger SV blamiert sich beim Zweitliga-Heimspiel gegen Jahn Regensburg mit einer 0:5-Niederlage.
  • Anschließend redet Kapitän Aaron Hunt Klartext: "So geht's nicht und so werden wir auch nicht aufsteigen."
  • Hier geht es zur Tabelle der 2. Bundesliga.
Von Carsten Scheele

Greuther Fürth ist die Rekordmannschaft der zweiten Fußball-Bundesliga. Seit 1974 hat der Verein mehr als 1000 Zweitliga-Spiele absolviert, mehr als 1500 Punkte gesammelt, dabei auch mal hoch verloren. Da war ein 0:5 in der Saison 2015/16 gegen den VfL Bochum. Nullfünf zu Hause - autsch. Aber das kann mal passieren, in so vielen Jahren Zweitklassigkeit.

Der Hamburger SV steht in seiner Zweitliga-Bilanz erst bei sechs Spielen und zwölf Punkten. Und hat ebenfalls schon Nullfünf verloren. Am Sonntag, an einem wirklich schlimmen Nachmittag in eigener Arena gegen Jahn Regensburg, nach dem sich kein HSV-Akteur die Mühe machte, zu beschönigen, was gerade passiert war.

"Das war schlecht von mir", sagt Elfmeterschütze Hunt

Der HSV habe "die volle Breitseite abgekriegt", sagte etwa Kapitän Aaron Hunt. Ihm war kurz vor der Pause ein besonderer Lapsus unterlaufen, als er einen Elfmeter so lässig und schwach gen Tor schob, dass Regensburgs Torhüter Philipp Pentke nur ein Schrittchen aus der Tormitte machen musste, um den Ball zu fangen. "Eine Frechheit", nannte das Abendblatt Hunts Elfmeterversuch. "Das war schlecht von mir", gab auch der Schütze zu.

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Doch wer 0:5 verliert, muss sich nicht wegen eines verschossenen Elfmeters grämen. Es war die Defensive des Bundesliga-Absteigers, die an diesem Tag nicht einmal mehr zweitligatauglich wirkte. Als der HSV gefühlt den ersten Zweikampf gewann, stand es schon 0:3. Durch einen Hattrick von Jahn-Stürmer Sargis Adamjan, der bis zur 35. Minute dreimal getroffen hatte. Viel zu leicht kam Regensburg zu Torchancen - und nutzte die meisten, anders als mancher HSV-Gegner zuletzt.

Seit Wochen unterlaufen dem HSV vor dem eigenen Tor eine Menge individueller Fehler. "Diesmal hat der Gegner es brutal bestraft", sagte Hunt. Vor dem 0:1 erging sich Torhüter Julian Pollersbeck in einem unnötigen Zweikampf mit Adamyan, der ihm den Ball wegstiebizte. Den Schuss zum 0:2 fälschte Verteidiger Léo Lacroix unhaltbar ab, vor dem 0:3 verlor Rick van Drongelen ein wichtiges Kopfballduell. "Wir müssen ehrlich sein, das hat sich angedeutet", sagte Hunt. Schon die vergangenen Spiele gegen Heidenheim und Dresden habe man "mit viel Glück" gewonnen. Etwa beim 3:2 gegen Heidenheim, als die defensiven Tölpeleien nur deshalb nicht ins Gewicht fielen, weil Pierre-Michel Lasogga mit seinem Hattrick das Spiel drehte.

Am Sonntag kommt der FC St. Pauli zum Derby

Trainer Christian Titz sah das ähnlich. "Beängstigend, wie wir heute verteidigt haben", sagte Titz nach seiner schlimmsten Pleite als HSV-Cheftrainer. Auch er hatte gesehen: Sein Team war wieder einmal sehr offensiv ausgerichtet, agierte aber defensiv viel zu brav. Regensburg hätte noch mehr Tore schießen können. "Einer geht noch, einer geht noch rein", sangen die Regensburger Fans. Hamburgs Torwart Pollersbeck verhinderte mit einer Glanztat gegen Marco Grüttner gar das mögliche 0:6. "Der HSV konnte sich über das Debakel nicht beklagen", stellte die Morgenpost fest: "Einfach nur zum Heulen."

Zwar steht der Hamburger Sportverein mit zwölf Punkten auf Tabellenplatz zwei passabel da - was den direkten Wiederaufstieg angeht, der aus finanzieller Sicht dringend nötig ist, scheint der Verein im Soll. Doch der Klub hat die Gewissheit, dass deutlich mehr Anstrengung erforderlich sein wird, soll am Ende die Rückkehr in die erste Liga stehen. Man dürfe "nicht blauäugig durch die Saison gehen", mahnte Kapitän Hunt: "So geht's nicht und so werden wir auch nicht aufsteigen."

Schnelle Besserung ist dringend angeraten. Denn nach dem Auswärtsspiel am Donnerstag bei Greuther Fürth kommt am Sonntag der FC St. Pauli in den Volkspark. Ein ähnliches Ergebnis im Derby - nein, das wäre nicht auszudenken.

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