Bundesliga:Hoffnung für die Zeit nach dem Krebs

Saisoneröffnung Eintracht Frankfurt

Marco Russ, hier bei der Saisoneröffnung im August.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Sportlich kann Marco Russ Eintracht Frankfurt gerade nicht helfen - im Mai wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Dennoch verlängert der Verein seinen Vertrag.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Es war eine unerwartete Kunde, die Hoffnung machte: Knapp fünf Stunden vor dem Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen verkündete Eintracht Frankfurt die Vertragsverlängerung mit Marco Russ, der vorzeitig bis zum 30. Juni 2019 verlängerte. In Frankfurt ist das keine Formalie. Schließlich wurde bei dem Verteidiger unmittelbar vor dem Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Nürnberg eine Krebserkrankung diagnostiziert, die nur im Zuge einer Dopingkontrolle herauskam. Der 31-Jährige bestritt damals im Wissen um die schlimme Diagnose noch die Partie gegen die Franken - ihm unterlief prompt ein Eigentor. Als er sich tränenreich vor der Fankurve mit seinen Kindern im Arm verabschiedete, schien sein Karriereende möglich.

Unmittelbar danach, am 23. Mai, hatte sich der Profi operieren lassen. Die Erkrankung, besser die Behandlung mit zwei Chemotherapien, hat Spuren hinterlassen: Dem Fußballer sind die Haare ausgefallen, der Körper ist immer noch geschwächt. Zunächst hatte sich der Spieler aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am 15. August, dem Tag der Saisoneröffnung an der Frankfurter Arena, hatte Russ seinen ersten offiziellen öffentlichen Auftritt.

Der Mann mit Glatze winkte den Fans von der Bühne aus zu, sprach ein paar Worte, und die Anhänger feierten ihn. Seitdem geht er offensiv mit seinem Schicksal um. Selbst Halbzeitanalysen für den Bezahlsender Sky hat er sich schon wieder zugetraut. Und sportliche Betätigung? Zunächst habe er mit Yoga begonnen, "um den Körper wieder in Schwung zu bringen", erklärte Russ damals. Die letzte eingehende Untersuchung ergab keine Auffälligkeiten, "es ist alles so, wie es sein sollte". Am 19. Oktober steht die große Abschlussuntersuchung mit allen relevanten Tests an.

Die Heilungsprognose ist bestens

Inzwischen gehen alle in seinem Umfeld davon aus, dass Russ bereits wieder Anfang des Jahres ins Mannschaftstraining einsteigen und in der Rückrunde auf den Rasen zurückkehren kann. Gerade deshalb ist die vertragliche Bindung an seinen Verein, dem Russ mit einem kurzen Abstecher nach Wolfsburg immerhin seit 1996 dient, ein Zeichen der Wertschätzung. Und ein besonderes Signal. "Wir wissen, was wir an Marco haben und es war klar für uns, dass wir mit ihm verlängern möchten. Er ist ein Spieler, dessen Meinung nicht nur auf dem Platz gefragt ist, sondern der auch jungen Spielern mit Rat und Tat hilft, sich bei uns einzugewöhnen", teilte Sportdirektor Bruno Hübner mit. Russ selbst erklärte: "Ich danke dem Vorstand und dem Trainer, die mir in meiner derzeitigen Situation das Vertrauen geschenkt haben."

Die Heilungsprognose ist dem Vernehmen nach bestens, seitdem der Hodentumor entfernt worden ist. Als die Botschaft der Vertragsverlängerung fünf Minuten vor Spielbeginn im Stadion verkündet wurde und ein kurzes Video eingeblendet wurde, in dem Russ auf der Geschäftsstelle sagte, er sei "froh und stolz, hier noch ein paar Jährchen spielen zu dürfen", brandete Applaus auf. Zusammen mit Alexander Meier ist der aus Hanau stammende Abwehrspieler einer der letzten echten Identifikationsfiguren der Hessen, die nach einem großen Umbruch auf eine sehr internationale Mannschaft setzen.

© SZ vom 18.09.2016/ska
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