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Rot gegen Hübner:"Das ist eine ganz große Schande, was Ayhan macht"

Fortruna Duesseldorf : TSG Hoffenheim, 06.06.2020 Benjamin Hübner (1899) sieht für seine Tätlichkeit gegen Kaan Ayhan (; Hübner

Benjamin Hübner sieht Rot.

(Foto: Norbert Schmidt)

Hoffenheims Benjamin Hübner sieht gegen Düsseldorf schon nach neun Minuten Rot. Anschließend wirft er Gegenspieler Ayhan vor, sich selbst geschlagen zu haben.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Das Urteil eines Gutachters zur Bundesliga-Tauglichkeit von Fortuna Düsseldorf lautete am Samstag zum wiederholten Male: "Diese Mannschaft spielt nicht wie ein Absteiger." Nun ist dieser Gutachter allerdings der Trainer dieser Mannschaft, und obwohl Uwe Rösler sogar ein bisschen Recht hat mit seiner These, ist die Bundesliga-Tabelle zu seinem Leidwesen tendenziell anderer Meinung. Sie führt die Fortunen nach deren 2:2 (1:1) trotz 82-minütiger Überzahl gegen den Europa-League-Anwärter TSG Hoffenheim weiter auf dem drittletzten Platz und ist damit vier Spieltage vor Schluss der Ansicht, dass sich diese Mannschaft durchaus für einen Abstieg in die zweite Liga eignen könnte. Bedenkt man zudem, dass die Düsseldorfer am nächsten Samstag daheim gegen Borussia Dortmund spielen müssen und vier Tage später bei RB Leipzig, dann sieht es gar nicht gut aus für sie.

"Wir haben mal wieder zwei Punkte liegen lassen", klagte Düsseldorfs Abwehrspieler Kaan Ayhan. "Wir hätten mehr mitnehmen können, eigentlich: müssen!", sagte Fortunas Doppeltorschütze Rouwen Hennings. Sein drittes Tor in diesem Spiel wurde nach Videobeweis zurückgenommen. Und während Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder mit dem Punkt gut leben konnte, war das bei Rösler konnte im Abstiegskampf freilich weniger der Fall.

Er war angesichts des Spielverlaufs aber auch nicht gerade am Boden zerstört. "Eine Katastrophe wäre eine Niederlage gewesen", sagte er, "so ist es einfach ein bisschen zu wenig." Zum zehnten Mal in dieser Saison verspielten die Düsseldorfer eine Anfangsführung. Dies kostete sie bereits die Punkte 23 und 24. Im elften Bundesligaspiel unter Rösler war es das siebte Unentschieden.

Ab der achten Minute spielte Düsseldorf in Überzahl

In den ereignisreichen ersten 18 Minuten dieses Spiels war es eine Schande, dass kein Zuschauer im Stadion dieses Spektakel miterleben durfte. Je ein Treffer, eine höchst umstrittene rote Karte für Hoffenheim und ein aberkanntes Tor für die Düsseldorfer hatten für eine außergewöhnliche Atmosphäre gesorgt.

Zunächst brachte Hennings in der fünften Minute Düsseldorf per Kopfball in Führung. Vier Minuten später wurden die Gastgeber auch noch in Überzahl versetzt. Schiedsrichter Sören Storks zeigte dem Hoffenheimer Benjamin Hübner die Rote Karte, nachdem dieser dem theatralisch fallenden Ayhan im eigenen Strafraum mit der Hand im Gesicht herumgefuchtelt hatte.

Daran hatte Ayhan allerdings einen relevanten Anteil, denn die TV-Zeitlupe entlarvte, dass er den Arm, den Hübner in Erwartung eines Eckballs nach hinten raushielt, um den Gegenspieler zu spüren, nach oben drückte und Hübners Hand damit in sein eigenes Gesicht. Dann ließ es sich fallen. "Am Boden habe ich gemerkt, dass es doch gar nicht so weh getan hat", sagte Ayhan hinterher leicht ertappt, "aber ich finde trotzdem, dass man dafür Rot geben kann." Hübner hingegen war außer sich: "Mein Arm ist an meinem Körper, er zieht meinen Arm nach oben in sein Gesicht. Das ist eine ganz große Schande, was Ayhan macht. Das nimmt mir den Spaß am Fußball. Was er daraus macht, ist für mich eine Frechheit, eine Schande."

In der 16. Minute erzielte Munas Dabbur für die Hoffenheimer den 1:1-Ausgleich, und das vermeintliche neuerliche Führungstor für die Düsseldorfer nur 118 Sekunden später durch Hennings wurde zurückgenommen, weil Fortunas Kenan Karaman Hoffenheims Stefan Posch zuvor in einem Luftkampf zu rustikal beiseite geschoben hatte.

Fortuna-Trainer Rösler klingt, als hält er Punkte gegen Dortmund und Leipzig für möglich

Bis zur Pause dominierten die Düsseldorfer das Spiel deutlich, kein Wunder - in Überzahl. Doch nach dem Seitenwechsel war davon plötzlich nichts mehr zu sehen - trotz Überzahl. "Da haben wir uns nicht sehr schlau angestellt", gestand Ayhan. Die Hoffenheimer standen nun besser, ließen den Fortunen kaum noch Räume und gingen in der 61. Minute durch Steven Zuber sogar mit 2:1 in Führung.

In Überzahl in einem Heimspiel eine 1:0-Führung zu verspielen und sogar noch zu verlieren, hätte den Düsseldorfern im Abstiegskampf einen psychologischen Knacks verpassen können, doch sie hatten Glück: In der 75. Minute pfiff Storks einen zweifelhaften Elfmeter für sie, weil Havard Nordtveit den zu leicht zu Boden gehenden Erik Thommy im Strafraum berührt hatte. Den Elfmeter verwandelte Hennings zum 2:2-Ausgleich. Das Unentschieden ging in Ordnung, doch war zu wenig für die Fortunen. "Jetzt müssen wir eben versuchen, gegen Dortmund und Leipzig das eine oder andere Pünktchen zu holen", sagte Rösler und klang nicht gerade so, als hielte er das für unmöglich. Für ihn bleibt das jüngste Gutachten gültig: Seine Mannschaft spielt nicht wie ein Absteiger. Angesichts unzureichender Ergebnisse könnte sie bald trotzdem einer sein.

© SZ vom 07.06.2020/and
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