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Kritik am Schiedsrichter:Hertha ist in Rage

Bundesliga - RB Leipzig v Hertha BSC

Schiedsrichter Tobias Stieler (re.) machte sich bei den Berlinern nicht sonderlich beliebt

(Foto: REUTERS)

Im fünften Bundesliga-Spiel kassiert Hertha BSC die vierte Niederlage der Saison - im Anschluss an das 1:2 in Leipzig kritisieren die Berliner den Schiedsrichter, der "immer gegen Hertha BSC" gepfiffen habe.

Von Javier Cáceres

Auf Schiedsrichter Tobias Stieler war Michael Preetz, Manager bei Hertha BSC, nach der 1:2-Niederlage bei RB Leipzig nicht sonderlich gut zu sprechen. "Dieses intensive Spiel hätte auch einen guten Schiedsrichter verdient gehabt, und das war heute einfach nicht der Fall", erklärte Preetz - und redete sich in Rage. "Mein Eindruck war darüber hinaus, dass er sich auch ein Stück weit über das Spiel gestellt hat. Im Fußball ist es eigentlich so, dass der Sport und die Leistung der beiden Mannschaften im Vordergrund stehen sollten... Den Eindruck hatte ich nicht." Und dennoch: "Eine gute, mannschaftlich geschlossene Leistung" habe die Hertha gezeigt, sagte Preetz und äußerte am Vorabend der Mitgliederversammlung bei Hertha eine Gewissheit. Dass die Hertha ebendies "in den nächsten Wochen dann auch in Punkte ummünzen" werde.

Zeit wird's allmählich schon. Während Leipzig vier Tagen nach dem strapaziösen Champions-League-Sieg gegen Basaksehir (2:0) die Tabellenführung verteidigte, hat die Dauerbaustelle Hertha in fünf Spielen seit Saisonbeginn vier Niederlagen kassiert. Der einzige Sieg datiert vom ersten Spieltag und kam in Bremen zustande (4:1). Trainer Bruno Labbadia hatte die Mannschaft nach seinem Amtsantritt im April zwar rasch stabilisiert und auf einen souverän anmutenden Rang 10 der Tabelle geführt. Doch die Gesamtbetrachtung wird düster: Labbadias Ausbeute als Hertha-Coach liegt bei 16 Punkten aus 15 Spielen.

Nach der Partie in Leipzig verkniff sich Labbadia jede Bemerkung Richtung Referee, der ihn zum Ende der Partie nach einem verbalen Disput mit Gelb bedacht hatte. Aber das sagte er so ausdrücklich, dass man mehr als nur ahnen konnte, dass er es gern aus sich herausgegangen wäre wie Preetz. "Ich sag's ganz offen: Wir fühlen uns auch in den vielen kleinen und engen Entscheidungen wirklich auch benachteiligt", erklärte Preetz. Auch Torwart Alexander Schwolow sprach davon, dass der Schiedsrichter die Partie "kaputt gemacht" habe. Durch eine fürwahr außergewöhnliche Entscheidung, die sich nach der Pause zugetragen hatte, beim Stand von 1:1.

Der zur Halbzeit eingewechselte Zeefuik wird in der 50. Minute vom Platz gestellt

Hertha war durch Jhon Córdoba in Führung gegangen, nach einem sehr schön anzusehenden, schnell ausgeführten Konter (8.) über Vladimir Darida und Dodi Lukébakio. Der zwischenzeitliche Ausgleich fiel nur drei Minuten später: Nach einer Ecke landete erst ein Kopfballaufsetzer von Nordi Mukiele an der Querlatte, in der folgenden Szene aber waren nur noch die Leipziger im Strafraum aktiv. Der wieder einmal überragende Dayot Upamecano setzte sich gegen Herthas Zugang Omar Alderete durch und drosch auf den Ball ein, bis er im Tor gelandet war (11.). Leipzig bemächtigte sich des Spiels und kompensierte die Schwierigkeiten, in den gegnerischen Strafraum zu kommen, mit durchaus gefährlichen Distanzschüssen, etwa durch Emil Forsberg. Dann kam die Pause, und ein Wechsel, der sich als fatal entpuppte.

Denn: Labbadia brachte Deyovaisio Zeefuik für den angeschlagenen Rechtsverteidiger Peter Pekarik, doch der Niederländer flog nach vier Minuten und 12 Sekunden gleich wieder vom Platz. Erst trat er Leipzigs Christopher Nkunku um, dann schubste er den Franzosen an der Außenbahn. Vertretbare Entscheidungen, sollte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann zusammengefasst befinden, und dem war durchaus etwas abzugewinnen. Hernach sah er, dass der Druck seines Teams so lange und kräftig anschwoll, bis der Bockgesang für Hertha perfekt war. Denn in der 77. Minute leistete sich Mittelstürmer Córdona im Strafraum ein klares Foul an Willi Orban - den Strafstoß verwandelte Marcel Sabitzer sicher.

Die Elfmeterentscheidung nahm Herthas Manager Preetz übrigens ausdrücklich aus seiner Schiedsrichter-Kritik aus, an der Korrektheit der Strafe gebe es nichts zu deuteln, sagte er. Das Problem sei gewesen, dass Schiedsrichter Stieler in vielen kleinen, engen Entscheidungen "immer gegen Hertha BSC" gepfiffen habe. Weitgehend übertrieben war in der Tat eine Entscheidung: die Rote Karte, die Jessic Ngankam für eine rüde Attacke auf die Beine von Angelino sah. Sie wurde aber vom Videoschiedsrichter korrigiert.

"Ich glaube, dass wir die überlegene Mannschaft waren und verdient gewonnen haben", sagte Leipzigs Trainer Nagelsmann - und an dieser Einschätzung gab es nicht so viel auszusetzen. Und das, obwohl sich die seit Jahresbeginn um Spieler im Wert von mehr als 110 Millionen Euro verstärkte Hertha besser präsentierte als in der Vorwoche beim 0:2 gegen den Aufsteiger Stuttgart.

"Das ist ein Auftritt, der Mut macht", sagte Labaddia, "über kurz oder lang werden die Ergebnisse besser werden." Die nächste Gelegenheit bietet sich am Sonntag kommender Woche gegen den VfL Wolfsburg.

© SZ.de/bkl/ska
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