Bundesliga: Hamburger SV:Bernd Hoffmann vor dem Ende

Der Aufsichtsrat des Hamburger SV verweigert dem Vorstand die nötige Zweit-Drittel-Mehrheit für eine Vertragsverlängerung. Dem Klub droht ein Führungschaos.

Nach acht Jahren geht die Ära des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV definitiv zu Ende. "Jetzt haben wir Klarheit", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Hamburger SV - Kraus und Hoffmann

Acht Jahre HSV-Vorstand: Bernd Hoffmann, l., und Katja Kraus müssen wohl aufhören.

(Foto: dpa)

Hoffmann und seine Vorstandskollegin Katja Kraus bekamen bei der Abstimmung des Aufsichtsrats am Sonntag mit 7:5 nicht die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Vertragsverlängerung. Nur eine Stimme fehlte. Seit Wochen war in dem zwölfköpfigen Gremium über eine dreijährige weitere Amtszeit über das Jahresende hinaus diskutiert worden. Um seine Kritiker umzustimmen, hatte das Vorstandsduo in einer E-Mail die Bereitschaft zu einer zwölfmonatigen Verlängerung erklärt.

"Nun ist der Zeitdruck weg, ich gehe davon aus, dass beide bis zum Jahresende professionell weitermachen werden", sagte Rieckhoff. In der Hamburger Morgenpost plauderte der Aufsichtsratsvorsitzende indes schon munter drauflos: "Favorit ist der Norweger Björn Gulden, geschäftsführender Direktor der Deichmann-Gruppe." Es gehe jetzt erstmal darum, Ruhe in den Verein zu kriegen, so Rieckhoff weiter.

Hoffmann ist seit 1. Februar 2003 im Amt, sein sofortiger Abgang wird in der Hamburger Presse nicht ausgeschlossen. Da Gulden aber frühestens am 1. Januar 2012 beginnen könnte, denkt Aufsichtsratschef Rieckhoff offenbar über einen Interimspräsidenten nach. Nach Angaben der Welt, zähle er sich selbst zu den Kandidaten.

Vorerst aber lobt er noch den aktuellen Vorstand: "Bernd Hoffmann und Katja Kraus haben die Entscheidung hochprofessionell zur Kenntnis genommen. Das habe ich auch erwartet. Die werden sich jetzt durchschütteln und die Aufgabe hier professionell weiter erledigen", sagte der Aufsichtsratsboss.

Rieckhoff als Vorsitzender, Alexander Otto, Horst Becker, Jörg Debatin, Ian Karan, Gerd Krug und Eckart Westphalen votierten für das Vorstandsduo des Fußball-Bundesligisten. Die Kritiker um Spiegel-Redakteur Manfred Ertel, Ex-Präsident Jürgen Hunke, Schauspieler Marek Erhardt, Björn Floberg und Hans- Ulrich Klüver wollten sich nicht einmal auf einen Einjahreskompromiss statt einer Dreijahresspanne einlassen.

Sie werfen dem 48 Jahre alten Hoffmann undurchsichtiges Geschäftsgebaren, schlechte Kommunikation und Menschenführung vor. Einen Nachfolger haben sie noch nicht in der Hinterhand. Bestrebungen, das zerstrittene und mächtige Gremium zu verkleinern, waren bislang an der Fan-Vertretung Supporters gescheitert, die auch gegen eine Ausgliederung der Profi-Abteilung ist.

Dabei sind bis zum Ende dieses Jahres wichtige Entscheidungen zu fällen. Die Mannschaft soll im Sommer ein komplett neues Gesicht erhalten. Und auch der Trainerposten wird neu zu besetzen sein. Dass Armin Veh nach dieser Saison kein HSV-Übungsleiter ist, wird als das offenste Geheimnis der Stadt gehandelt. Der Aufsichtsrat ist geschlossen gegen eine Weiterbeschäftigung von Armin Veh.

Auch Sportdirektor Bastian Reinhardt ist wohl der Falsche, um die Zukunft des Klubs zu gestalten. Sein Nachfolger steht bereits fest, im Sommer kommt Frank Arnesen vom englischen Meister FC Chelsea als neuer Sportdirektor nach Hamburg. Doch wer wird in den kommenden Wochen die nötigen Gespräche mit Spielern, Beratern, Vereinen führen, um neues Personal zu finden und altes abzustoßen?

© dpa/sueddeutsche.de
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