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Abstieg aus der Bundesliga:HSV spielt trotz mieser Aussichten lobenswert

Phasenweise spielte der HSV überhaupt nicht wie ein Absteiger. Mutig und forsch drängten die Hamburger den Gegner in die eigene Hälfte, wie zuletzt häufig unter Titz, Filip Kostic brachte den Ball scharf in die Mitte, wo Bobby Wood das 2:0 verpasste (24.). Defensiv ließen die Hamburger den Gladbachern dann aber doch abstiegsreif viel Platz, Josip Drmic durfte beim ersten gefährlichen Konter lässig durch die Hamburger Hälfte spazieren, bevor er zum 1:1 einschoss (28.). In diesem Moment war die Rettung ganz weit weg.

In der zweiten Halbzeit spielte der HSV trotz mieser Aussichten lobenswert nach vorne. Der kleine Tatsuya Ito (48) und Kostic (58.) vergaben gute Gelegenheiten, ehe Lewis Holtby per sattem Linksschuss zum 2:1-Endstand für den HSV traf (63.). Doch Hamburg blieb abhängig von den Geschehnissen in Wolfsburg: Dort kassierte der VfL zwar erst den Ausgleich, ging durch Divock Origi aber wieder in Führung, im Hamburger Volkspark wurde es immer stiller. Denn die Zuschauer waren natürlich über ihre Smartphones informiert über die Ereignisse in Wolfsburg.

Die Zuschauer klatschen für ihre niedergeschlagenen Hamburger

Als Wolfsburg 160 Kilometer weiter südlich gar das 3:1 erzielte, begannen die Hamburger Fans zu "Mein Hamburg lieb ich sehr" eine Massenkaraoke, ein berührender Moment. Der war mit den ersten Böllern wie weggeblasen. Schnell kippte die Stimmung, aber die vermummten Chaoten waren in der Minderzahl. "Wir sind Hamburger und ihr nicht", skandierten die friedlichen Fans. Kurz riefen sie in Richtung der Polizei: "Holt sie raus." Sie, die Idioten, die für diese unwürdigen Szenen gesorgt hatten.

Als die Gruppe die Tribüne verlassen hatte, machte die Polizei den Rasen frei. Schiedsrichter Brych pfiff die Partie für einige Sekunden an, dann aber schnell wieder ab. Trotzdem klatschten die Zuschauer. Sie beorderten ihre Spieler im Moment des Abstiegs auf eine Ehrenrunde. Als wollten sie ihnen Mut machen. Und zeigen, dass der überwiegende Teil der HSV-Fans doch friedlich gesinnt ist.

© Sz.de/schm
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