Eugen Polanski in GladbachCheftrainer auf Bewährung

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Ist Eugen Polanski in Gladbach nur eine kurzfristige oder gar eine langfristige Lösung für den Trainerposten?
Ist Eugen Polanski in Gladbach nur eine kurzfristige oder gar eine langfristige Lösung für den Trainerposten? Fabian Strauch/dpa
  • Eugen Polanski übernimmt nach der Entlassung von Gerardo Seoane zunächst als Interimstrainer bei Borussia Mönchengladbach.
  • Gladbach ist nach drei Spielen mit einem Punkt Drittletzter und seit zehn Bundesligaspielen sieglos.
  • Polanski muss sich in kürzester Zeit beweisen, sonst wird der Klub einen anderen Coach suchen.
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Nach der Entlassung von Gerardo Seoane darf sich der frühere Bundesligaprofi Eugen Polanski als Gladbacher Coach beweisen. Doch die Aufgaben sind enorm, und er hat wenig Zeit.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Eugen Polanski hat von den Besten gelernt. Bei Borussia Mönchengladbach hat er unter Jupp Heynckes gespielt, bei Mainz 05 unter Thomas Tuchel und bei der TSG Hoffenheim unter Julian Nagelsmann. Am Trainer Heynckes gefiel ihm die Art der Menschenführung, von Tuchel hat er sich das präzise Einstudieren konkreter Spielsituationen abgeschaut und von Nagelsmann den persönlichen Rat beherzigt, Trainer zu werden. Anfang 2024 erhielt Polanski an der Trainerakademie des Deutschen Fußball-Bundes seine Pro-Lizenz, der Freiburger Coach Julian Schuster gehörte zu den Lehrgangskollegen.

Jetzt wartet auf Polanski seine erste Aufgabe als Cheftrainer in der Bundesliga. Der 39-Jährige soll Mönchengladbach nach dem missratenen Saisonstart nach oben führen, zunächst als Interimscoach. Polanski ist damit Nachfolger von Gerardo Seoane, der am Montag die Nachricht erhielt, dass der Verein künftig ohne seine Mithilfe plant. Leicht wird das für Polanski nicht.

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An der Identifikation mit dem Verein wird es nicht scheitern. Boguslaw Eugeniusz Polanski wurde in Polen geboren, ist aber in Viersen am Niederrhein aufgewachsen. Mit acht Jahren kam er zu Borussia Mönchengladbach und blieb 14 Jahre, ehe er zum FC Getafe wechselte, dann nach Mainz und nach Hoffenheim. Polanski bestritt 254 Bundesligaspiele, 61 Partien für deutsche Junioren-Nationalteams sowie 19 Länderspiele für Polen. 2019 kehrte er als Nachwuchstrainer nach Gladbach zurück und übernahm 2022 die U23 in der viertklassigen Regionalliga West.

Er gilt als ein sehr fordernder Trainer. Schon nachdem sich die Borussia 2023 von Daniel Farke getrennt hatte, galt Polanski als Kandidat für den Cheftrainerposten. Damals entschied sich der Klub aber für den Schweizer Seoane, der nun nach zwei Jahren und drei Monaten freigestellt wurde, ohne die Mannschaft in dieser Zeit groß weitergebracht zu haben. Unter Seoane landete das Team in der ersten Saison mit 34 Punkten auf Platz 14, in der zweiten mit 45 Punkten auf Platz zehn. In der dritten hat Gladbach mit nur einem Punkt und 0:5 Toren nach drei Spielen soeben den drittschlechtesten Saisonstart der Klubhistorie hingelegt, in der Tabelle ist die Borussia Drittletzter. Saisonübergreifend ist Gladbach seit zehn Bundesligaspielen sieglos und seit fünf Partien ohne Tor.

Für den Moment haben sie in Gladbach eine regional verwurzelte Führungscrew beisammen

Als Interimstrainer steht Polanski vor enormen Herausforderungen. Das liegt zunächst am Kader: Torjäger Tim Kleindienst ist am Knie verletzt, Angreifer Alassane Pléa wurde an die PSV Eindhoven verkauft. Gladbachs Sturm ist ein Wasserglas, ein halb leeres, um ehrlich zu sein. Die offensiven Zugänge Shuto Machino, Giovanni Reyna und Haris Tabakovic sind spielerisch bisher nicht integriert. Beim 0:4 gegen Bremen am Sonntag fiel auch noch die Abwehr auseinander, die Defensivkräfte Ko Itakura und Julian Weigl wurden an Ajax Amsterdam und nach Saudi-Arabien veräußert. Für den fragilen Zustand dieses Kaders ist der Sportgeschäftsführer Roland Virkus mitverantwortlich. Sein Ansehen hat sich nach der nun dritten Trainerentlassung unter seiner Ägide (Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane) nicht gerade verbessert.

Die meisten seiner 254 Bundesliga-Spiele absolvierte Polanski für die TSG Hoffenheim.
Die meisten seiner 254 Bundesliga-Spiele absolvierte Polanski für die TSG Hoffenheim. Daniel Roland/AFP

So ist Polanski eher ein Cheftrainer auf Abruf. Er muss sich in kürzester Zeit beweisen, sonst wird der Klub einen anderen Coach suchen. Edin Terzic, Urs Fischer und Martín Demichelis werden als Kandidaten gehandelt. Die nächsten Spiele sind am Sonntag in Leverkusen, am darauffolgenden Samstagabend gegen Eintracht Frankfurt und eine Woche später nochmals daheim gegen Freiburg. Danach ist Länderspielpause, in dieser dürfte Polanskis Wirken bereits ultimativ bewertet werden.

Für den Moment haben sie in Gladbach eine regional verwurzelte Führungscrew beisammen. Polanski hat seine Fußballjugend bei der Borussia verbracht. Sportchef Virkus, 58, ist gebürtiger Mönchengladbacher und seit 35 Jahren Funktionär im Klub. Der Vorstandschef Stefan Stegemann, 61, stammt aus dem Münsterland, ist aber seit Kindestagen Gladbach-Fan. Dem Aufsichtsratschef Michael Hollmann, 67, gehört die im benachbarten Korschenbroich beheimatete Altbier-Brauerei Bolten. Und Präsident Rainer Bonhof, 73, kam schon mit 18 Jahren zur Borussia.

Auch Polanski hat bei der Borussia bedeutende Momente erlebt: sein erstes Bundesligaspiel gegen Bremen, sein erstes Ligator gegen Leverkusen. Allerdings ist Polanski 2007 auch mit Gladbach in die zweite Liga abgestiegen. Jetzt gilt es für ihn, der Mannschaft auf die Sprünge zu helfen, damit sich ein Abstieg im kommenden Sommer nicht wiederholt.

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