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Bundesliga:Gladbach sucht Ersatz für Xhaka - kommt Kramer zurück?

Granit Xhaka

Bald nicht mehr im Gladbach-Trikot: Granit Xhaka flirtet sehr öffentlich mit dem FC Arsenal.

(Foto: Maja Hitij/dpa)

Der Gladbacher Granit Xhaka wechselt wohl für die monströse Summe von 40 Millionen Euro zum FC Arsenal. Ersatz könnte die Borussia vor der Haustür finden.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Das rastlose Leben des Fußballprofis strapaziert den Mittelfeldspieler Granit Xhaka dieser Tage noch mehr als schon zuletzt im Laufe einer ereignisreichen Saison. Der 23-jährige Schweizer Nationalspieler in Diensten des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach war gleich nach dem Saisonende mit seinem Klub zu einer Wochentour durch die Schweiz aufgebrochen und von dort aus am Wochenende allein nach London weitergereist, wo er sich am Samstag im Trikot des Premier-League-Klubs FC Arsenal fotografieren ließ.

Branchenkenner wissen, was das bedeutet: Xhaka verlässt die Borussia im Sommer, bringt ihr aber wohl ungefähr 40 Millionen Euro an Ablöse ein. Mit der Gewissheit über die Erfüllung seines Kindheitstraums Premier League reist Xhaka nun zur EM-Vorbereitung der Schweizer Nationalmannschaft. Den Juni verbringt er mit der Nati in Montpellier und hofft, mit seinen Schweizern den Sprung ins EM-Achtelfinale zu schaffen. Neben Xhaka spielen auch Gladbachs Torwart Yann Sommer und Abwehrmann Nico Elvedi bei der EM für die Schweiz.

40 Millionen Euro Ablöse für einen Spieler, der allein im Lauf dieser Saison drei Mal vom Platz gestellt worden ist (zwei Mal Gelb-Rot, ein Mal Tätlichkeit) und nach fünf gelben Karten sogar noch ein viertes Mal gesperrt war (insgesamt also sechs Spiele Sperre) - das klingt nach einem guten Geschäft für die Gladbacher. Allerdings war Xhaka auch Kapitän und emotionaler Leader einer Mannschaft, die ansonsten weitgehend ohne Kämpfertypen mit extrovertiert physischen Fähigkeiten auskommen muss. Gladbach verliert in Xhaka insofern einen umstrittenen Spieler, einen talentierten und selbstbewussten, aber oft zu heißblütigen Fußballer, dessen positive Eigenschaften es nun adäquat zu ersetzen gilt.

Eine Lösung könnte sich in der Region andeuten, im Rheinland, wo im 50 Kilometer entfernten Leverkusen über den Fortgang des 2014er-Weltmeisters Christoph Kramer spekuliert wird. Kramer war nach einer Ausleihe erst vor einem Jahr aus Gladbach nach Leverkusen zurückgekehrt, spielte unter dem Trainer Roger Schmidt bei Bayer dann aber eine nur mittelmäßige Saison. Aufgrund derer ist er vom Bundestrainer Joachim Löw nicht für den deutschen Europameisterschafts-Kader nominiert worden. Kramer wurde in Gladbach im defensiven Mittelfeld durch den jungen Mahmoud Dahoud ersetzt, der an Xhakas Seite eine überragende erste Bundesliga-Saison spielte. Sollte Kramer nun tatsächlich ein Kandidat in Gladbach sein, dann könnte er an die Seite seines Nachfolgers Dahoud auf Borussias Doppel-Sechs zurückkehren. Für diese Position ist auch der Neu-Gladbacher und Ex-Hoffenheimer Tobias Strobl ein Kandidat.

Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach

Bald wieder im Gladbach-Trikot? Christoph Kramer würde der Klub gerne aus Leverkusen zurückholen.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Vor dem Gastspiel mit Leverkusen in Mönchengladbach Anfang Mai hatte Kramer die Stimmung im Borussia-Park als "die beste der Bundesliga" bezeichnet sowie sich selbst als "Fan von Mahmoud Dahoud". In Leverkusen würde die Situation für Kramer nach der Verpflichtung des Mainzers Julian Baumgartlinger schwieriger. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte Bayer-Manager Jonas Boldt über Kramer und Stürmer Admir Mehmedi: "Falls uns beide verlassen, sind wir gerüstet, falls nicht, ist unser Kader breiter - aber davon gehe ich eigentlich nicht aus."

Doch die Gladbacher schauen sich wohl nicht nur in der Region um. Für die Vakanz in der Innenverteidigung wird ihnen Interesse an Jannik Vestergaard von Werder Bremen nachgesagt; österreichische Medien wollen wissen, dass die Borussen sich fürs Mittelfeld auch für Bremens Neuentdeckung Florian Grillitsch erwärmen.

Die Gladbacher haben es jedenfalls eilig in diesem Sommer, sie müssen am 16./17. und 23./24. August in der Champions-League-Qualifikation gegen einen noch nicht bekannten Gegner antreten. Deshalb dürfen die Borussen ihre Spieler Dahoud und Andreas Christensen bei sich behalten und müssen sie nicht für den deutschen und den dänischen Olympiakader abstellen.

© SZ vom 23.05.2016/schm

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