Eugen Polanski in Gladbach„Bloß weil wir gegen Köln gewonnen haben, soll ich einen Vertrag kriegen?“

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„Wenn Rouven sagt, wir können sprechen – also, ich habe Zeit“: Gladbachs Trainer Eugen Polanski würde gern länger für den Klub arbeiten.
„Wenn Rouven sagt, wir können sprechen – also, ich habe Zeit“: Gladbachs Trainer Eugen Polanski würde gern länger für den Klub arbeiten. (Foto: David Inderlied/dpa)
  • Gladbachs Trainer Eugen Polanski führte das Team zu drei Siegen in zwölf Tagen, zuletzt ein 3:1-Derbysieg gegen Köln.
  • Polanski will nicht an Ergebnissen gemessen werden, sondern daran, wie die Mannschaft trainiert und auftritt.
  • Sportchef Rouven Schröder lobt Polanskis Arbeit, womöglich bietet der Verein ihm in der Länderspielpause einen längerfristigen Vertrag an.
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Nach drei Siegen in zwölf Tagen darf Gladbachs Trainer Eugen Polanski auf einen neuen Vertrag hoffen. Von einer endgültigen Wende will er aber noch nichts wissen.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Unglaubliche Enthüllung aus der bis kürzlich kriselnden Bundesliga-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach: Sogar als das Team wochenlang kein Spiel gewann und zwischenzeitlich auf den letzten Tabellenplatz abrutschte, ist der neue Trainer Eugen Polanski jeden Morgen mit einem Lächeln aufgewacht. Durfte er das? Ja, durfte er wohl! Denn dieses Bonmot hat der 39-Jährige am Samstagabend selbst zum Besten gegeben und damit zeigen wollen, dass er den Glauben an die verunsicherte Mannschaft und die Freude an seiner Arbeit trotz des zähen Starts nie verloren hatte.

Als Polanski dies erzählte, hatte Gladbach mit einem 3:1-Sieg im Prestigederby gegen den 1. FC Köln soeben das dritte Pflichtspiel nacheinander gewonnen und sich zum ersten Mal in dieser Saison etwas von der Abstiegszone entfernt. Die Fans feierten die Mannschaft, Derbysiege zählen am Niederrhein schon immer mehr als drei Punkte für die Tabelle.

Nachdem Borussias vormaliger U23-Trainer Polanski Mitte September das Bundesliga-Traineramt vom erfolglosen Gerardo Seoane übernommen hatte, gelang der Mannschaft in den ersten fünf Spielen zunächst kein einziger Sieg, drei Partien wurden sogar verloren. „Aber auch da bin ich morgens aufgestanden und hatte ein Lächeln im Gesicht, weil ich einfach Bock auf die Aufgabe hatte und gesehen habe, dass wir Fortschritte machen“, erzählte Polanski nun. Und jetzt also diese drei Siege in zwölf Tagen: im DFB-Pokal 3:1 gegen den Zweitligisten Karlsruher SC, dann in der Bundesliga 4:0 beim FC St. Pauli und jetzt 3:1 gegen Köln. Letzterer war Gladbachs erster Bundesliga-Heimsieg seit Ende März. In der Branche nennt man eine solche Entwicklung klassischerweise eine Wende.

Doch Polanski will von stereotypem Medienjargon nichts wissen. Ganz ruhig erklärt er: „Mich interessiert nicht, ob das eine Wende ist, sondern nur, dass wir weiter an unser Vorhaben glauben, dass wir etwas entwickelt haben und jeder Einzelne tagtäglich besser werden will.“

Polanski will daran gemessen werden, wie die Mannschaft trainiert und auftritt

Drei Siege, zehn Tore und nur zwei Gegentreffer – natürlich könnte diese aktuelle Bilanz als Pointe nach zuvor saisonübergreifend 15 sieglosen Bundesligaspielen gefeiert werden, als Turnaround. Aber Polanski betont, dass die Siege ihn und seine Herangehensweise nicht verändern. „Ich hatte auch vorher keinen Stress und keine Zweifel“, sagt er: „Ergebnisse hin oder her – wir haben immer gesagt, wir wollen ergebnisunabhängig handeln, und ich ziehe einfach nur durch, an was ich glaube und was ich für richtig halte.“ In kleinen Schritten vorangekommen sei man auch schon während der fünf sieglosen Spiele: „Die Mannschaft ist zu einer Einheit geworden, auch wenn das nicht messbar, sondern eher so ein Gefühl von mir ist: in der Kabine, auf dem Platz, im Training und in den Gesprächen.“

Dass für den am Niederrhein aufgewachsenen und in Gladbachs Jugend ausgebildeten Polanski, der vor knapp zwei Monaten und bis heute als interne Übergangslösung mit offenem Ausgang installiert worden war, die Trainerzukunft bei der Borussia von Resultaten abhängt, weist er ebenfalls zurück. „Ich bin auch in dieser Hinsicht kein Freund von Ergebnissen“, sagt er und fragt rhetorisch: „Bloß weil wir jetzt gegen Köln gewonnen haben, soll ich einen Vertrag kriegen?“ Ihm gehe es ausschließlich darum, wie die Mannschaft trainiere und auftrete. Nur daran will er gemessen werden und nur daran auch das Votum der Verantwortlichen und deren Entscheidung über seine künftige Position festgemacht wissen. Er sagt: „Wenn sie so wie ich davon überzeugt sind, dass wir gute Arbeit leisten und auf dem richtigen Weg sind, dann wird es so kommen.“

Polanski dürfte angesichts solcher Worte die Stimmung längst ausgelotet haben. Im Klub äußert sich niemand zurückhaltend über seine Arbeit. Der aus Kopenhagen gekommene Abwehrspieler Kevin Diks, gegen Köln Torschütze neben Philipp Sander und Haris Tabakovic, sagte nach dem Derbysieg: „Unter Eugen hat sich vieles zum Positiven verändert: Wir spielen ein flexibles System, verteidigen stark und haben das gemeinsam erreicht – ich habe nur Lob für den Trainer.“ Der erst kürzlich angetretene neue Sportchef Rouven Schröder sagt: „Eugen macht hervorragende Arbeit.“

„Übrigens habe ich ja schon einen Vertrag und arbeite nicht für Nüsse“, sagt Polanski

Ob dieser dritte Sieg in Serie schon als Durchbruch betrachtet werden darf, will auch Schröder noch nicht abschließend bewerten. „Wir werden in den nächsten Spielen immer wieder aufs Neue beweisen müssen, ob das jetzt schon eine Wende ist“, sagt der 50-Jährige. Aber es kann jetzt trotzdem darauf hinauslaufen, dass die Gladbacher die Länderspielpause dazu nutzen, den bisher immer noch als Erst-einmal-Cheftrainer firmierenden Polanski offiziell zur neuen Dauerlösung zu ernennen. „Das sind jetzt zwei schöne, lange Wochen, in denen wie viel Zeit haben, miteinander zu sprechen“, sagt Schröder: „Und dabei besteht sicherlich die Möglichkeit, dass wir in den Gesprächen auch zu einem guten Abschluss kommen.“

Wehren würde sich Polanski gegen ein längerfristig angelegtes Vertrauen nicht. „Übrigens habe ich ja schon einen Vertrag und arbeite nicht für Nüsse“, sagt er zwar lakonisch und verweist auf sein Angestelltenverhältnis aus der zurückliegenden Traineraufgabe in der viertklassigen Regionalligamannschaft. Aber drei Siege mit dem Höhepunkt eines Derbytriumphs gegen Köln und einem daraus resultierenden neuen Arbeitspapier – das würde ihm schon gefallen. Und so sagte Eugen Polanski Samstagnacht zum Abschluss fast lapidar: „Wenn Rouven sagt, wir können sprechen – also, ich habe Zeit.“

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