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Gladbach-Sieg gegen Bayern:"Normalerweise verlierst du so ein Spiel"

Borussia Mönchengladbach - Bayern München

Großer Jubel bei Gladbach: Stefan Lainer (l-r), Nico Elvedi, Torschütze Ramy Bensebaini und Jonas Hofmann.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Die Bayern hätten jetzt gern weiter Fußball gespielt, aber da war noch dieser Mönchengladbacher Spieler, der auf den Knien lag und ihren Strafraum küsste, und dies zudem mit solcher Inbrunst, dass ihn nicht mal der Hausherr Manuel Neuer dabei stören wollte. Man konnte es schon für einen religiösen Akt halten, als Ramy Bensebaini sein Gesicht in den Rasen drückte, aber wahrscheinlich war es doch nur Ausdruck eines Fußball-Gefühls und der Versuch, einen Moment lang ganz allein zu genießen, was ihm dieses Spiel beschert hatte. Bensebaini war der Mann, der am Samstagnachmittag den FC Bayern besiegte, natürlich nicht allein, aber doch insoweit, dass er die entscheidenden Zutaten beisteuerte.

Der 24 Jahre alte algerische Nationalspieler, im Sommer aus Frankreich an den Niederrhein gekommen, hatte nach einer Stunde bereits den Ausgleich erzielt und damit dem Spiel die kaum für möglich gehaltene Wende gegeben, in der Nachspielzeit fügte er dann den zweiten Streich hinzu: mit einem Elfmeter, den Neuer dank seines untrüglichen Instinkts zwar im richtigen Eck lokalisiert hatte - aber trotzdem nicht halten konnte.

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Bensebaini hatte die schwerste Variante gewählt, er schoss mit links ins - aus seiner Sicht - rechte Eck, und zwar hart und platziert, denn sonst wäre der Ball nicht im Tor gelandet. Als der Schiedsrichter wenig später die Partie beendete, sank der Borusse wieder auf die Knie, diesmal richtete er das Gesicht und die Hände zum Dankesgebet gen Himmel.

Man habe "viel, viel Glück gehabt", gibt Gladbachs Torwart zu

Das Gefühl, dass sie sich irgendwo zu bedanken hätten, das hatten auch Bensebainis Mitspieler nach dem 2:1 gegen den FC Bayern. Es war ja alles andere als ein Start-Ziel-Sieg des Tabellenführers gegen ein Münchner Team, das nun sieben Punkte entfernt auf einem Rang jenseits der Europacup-Plätze rangiert. Man habe "viel, viel Glück gehabt", mit 0:0 in die Pause gehen zu dürfen, sagte Torwart Yann Sommer, "normalerweise verlierst du so ein Spiel".

Mit einem Sieg gegen diesen sich nahezu übermächtig aufführenden Gegner hatten die Gladbacher zur Pause ganz sicher nicht gerechnet. Nach 45 Minuten stand die Torschussbilanz bei 1:14, und von diesen Versuchen verfehlten etliche nur knapp das Ziel. Als Sommer einen nicht sonderlich platzierten, aber verdeckten Schuss von Joshua Kimmich passieren ließ, befand sich der Ball nur noch mit ein paar Millimetern Durchmesser auf der Linie - dann stoppte ihn der Torwart mit einem plötzlich enorm langen Finger vor der finalen Umdrehung. Der Trainer habe dazu aufgerufen, mehr Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu zeigen, berichtete Sommer.

Für die Fußballer-These, dass Spiele vor allem im Kopf entschieden werden, ist diese Partie ein anschauliches Beweismittel. Die Pause sei wichtig gewesen, um dem Andrang der Bayern zu entkommen, sagte Marco Rose, "aber wichtiger war das Gegentor", ein Drehschuss von Perisic (49.). Statt geschockt, reagierten die Gladbacher mit jenem Vorwärtsdrang, den sie bis dahin hatten vermissen lassen. Mutmaßlicher psychologischer Reflex: Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren. Das 1:1 durch Bensebainis Kopfball (60.) nach einem Eckstoß war zwar nicht die Konsequenz einer Drangphase, aber die Folge eines nun viel aktiveren Spiels.

"Nicht verwaltet, sondern auf Sieg gespielt"

Zwei Einwechslungen unterstützten den Trend: Patrick Hermann und Breel Embolo (an Stelle von Allassane Pléa und Laszlo Benes) brachten Tempo und physische Präsenz ins Borussen-Spiel - zwei Komponenten, die gefehlt hatten. Marco Rose sah sich später - trotz des Erfolges - genötigt, seine Aufstellung zu verteidigen: Der Trainerstab habe darüber "nicht drei Minuten im Büro geredet, sondern zwei, drei Nächte lang geschlafen".

Jedenfalls war es nach dem Ausgleich eine andere Borussia als jene, die während der ersten Halbzeit den Bayern stets hinterherlief und dabei, so Rose, "immer einen Schritt zu spät kam". Auch taktische Umbauten änderten daran nichts. Dass es nach dem 1:1 eine offene Partie wurde, das hatte auch nichts mit seiner brillanten Strategie zu tun, wie der Trainer bekannte, sondern mit dem Angriffsgeist, den seine Elf auf einmal aus eigenem Antrieb aufbrachte. Man habe nicht das Remis "verwaltet, sondern auf Sieg gespielt", darüber zeigte sich Rose am meisten beeindruckt.

Tabellenführer zu sein und nebenbei den deutschen Meister besiegt zu haben, das genossen Publikum und Mannschaft in einer langen Freudenfeier. Sowie die Akteure die Bühne verließen, wurden sie wieder ernst und professionell. Man müsse jetzt "sorgfältig" und "vorsichtig" mit der Euphorie und der Spitzenplatzierung umgehen, mahnte Torwart Sommer. Doch Mangel an Interesse braucht man den Borussen auch nicht nachzusagen. Trainer Rose befand, der Sieg habe "eine hohe Aussagekraft". Nicht, weil die Mannschaft meisterlich gespielt habe, aber weil sie durch den hart erkämpften Erfolg bewiesen habe, "warum wir stehen, wo wir stehen".

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