Bundesliga:Gladbach empfiehlt sich für die Champions League

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Jubeltraube in Gladbach: Gegen Hertha gleich fünf Mal

(Foto: AFP)

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

"Leben geht weiter", hat der Ungar Pal Dardai am Sonntagabend gesagt - immer wieder, so als müsse sich der Trainer von Hertha BSC Berlin in seiner Enttäuschung erst noch selbst davon überzeugen. Für die Fußballer von Borussia Mönchengladbach hätte es dieses Mantras nicht bedurft. Nach ihrem spektakulären 5:0 (1:0)-Sieg gegen Hertha BSC war ihnen gleich bewusst: Das Leben im oberen Tabellendrittel geht nicht nur weiter, es geht sechs Spiele vor dem Saisonschluss sogar erst richtig los. Bis auf vier Punkte haben die Borussen mit ihrem Sieg gegen die drittplatzierten Berliner die Mannschaften auf den Rängen drei bis sieben zusammengeschoben - eine wunderbare Voraussetzung für einen herrlichen Saisonendspurt im Kampf um die direkte und die optionale Champions-League-Qualifikation sowie um die zwei oder gar drei Startberechtigungen für die Europa League. "Wenn man sieht, wer im Pokal-Halbfinale steht, kann der siebte Platz für die Europa League ja schon reichen - und angesichts der nun sieben Punkte Vorsprung vor Platz acht war das heute ein ganz wichtiger Sieg für uns", sagte der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl.

Es treffen Hahn, Herrmann, Traoré und zweimal der Belgier Thorgan Hazard

Den Gladbachern hatte die Bundesliga-Tabelle am Sonntag ein besonderes Frühlingsangebot unterbreitet, ein Schnäppchen: Mit nur einem Sieg durften sie gleich drei Mannschaften überholen und außerdem den Berlinern auf dem dritten Rang bis auf drei Punkte nahekommen. Dass solche Aussichten motivieren können, erklärt sich von selbst, aber dass die Gladbacher die zuvor binnen sechs Ligaspielen nur ein Mal besiegten Berliner mit fünf Toren gleich derart demütigen würden, hatte niemand erwartet. Zumal sie ja auf ihren verletzten Spielmacher Raffael verzichten mussten, jenen Brasilianer, der mit 13 Toren und zehn Torvorlagen an 43 Prozent der zuvor 54 Gladbacher Bundesliga-Treffer beteiligt war. "Raffael fällt aus, und wir gewinnen trotzdem 5:0", sagte folglich Gladbachs genesener Abwehrmann Tony Jantschke, "das ist Wahnsinn - wir sind schon eine richtig gute Mannschaft."

Diese richtig gute Mannschaft hat sich trotz des frühen Führungstors durch Thorgan Hazard (14.) eine Stunde lang durchaus schwer getan mit der Chancenverwertung. Nur auf 51 Prozent Ballbesitz, 7:6 Ecken und 4:6 Flanken sollten die Gladbacher bis zum Abpfiff kommen, aber in allen relevanten Sparten, vor allem der Chancen-Kreation und späten -verwertung, waren sie den Berlinern klar überlegen. "Wir waren langsam und zäh - aber alle!", sagte Dardai, "deshalb muss ich diese Niederlage auf meine Kappe nehmen." Angesichts der noch immer drei Zähler Vorsprung und noch sechs ausstehender Spiele erklärte der bislang so erfolgreiche Trainer die Blamage s zu einer "Niederlage zur rechten Zeit". Man werde jetzt einen Strich ziehen und sich für den Endspurt neu einstellen.

André Hahn (60.), Patrick Herrmann (76.), Hazard zum Zweiten (80.) und Ibrahima Traoré (85.) machten aus dem lange unsicher erscheinenden 1:0 binnen 25 Minuten einen Gladbacher Kantersieg. 18:1 Tore bei den jüngsten fünf Heimspielen in Serie haben die Borussen nun erzielt -, aber dass sie aus den vergangenen sieben Auswärtsspielen bloß zwei Punkte geholt haben, trübt den Gesamteindruck. "Auswärts haben wir leider viele Punkte liegen lassen, und die fehlen uns jetzt natürlich", klagte Jantschke. Mit nur einem Sieg mehr wären die Gladbacher bereits Dritter. An ihren Frühlingsgefühlen änderte das aber nichts an einem Sonntag, an dem sich der legendäre "Pfostenbruch" vom Bökelberg zum 45. Mal jährte.

Die Klubs auf den Plätzen drei bis sieben sind nun derart dicht beieinander, dass selbst die Schalker als Siebter nur vier Punkte hinter den Berlinern auf Rang drei stehen. Die Gladbacher haben also nicht nur sich selbst einen Gefallen getan, sondern auch ihren unmittelbaren Mitbewerbern. Deswegen waren ihnen nicht mal die überholten Schalker, Mainzer und Leverkusener böse.

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