FSV Mainz 05Das Überraschungsteam ist zum Sorgenkind geworden

Lesezeit: 2 Min.

Große Enttäuschung bei Lennard Maloney nach dem nächsten verpassten Heimsieg: Für die Teilnahme am Europapokal zahlen die Mainzer einen hohen Preis.
Große Enttäuschung bei Lennard Maloney nach dem nächsten verpassten Heimsieg: Für die Teilnahme am Europapokal zahlen die Mainzer einen hohen Preis. Torsten Silz/dpa

Nach dem unglücklichen 1:1 gegen Bremen hängt Mainz 05 auf einem direkten Abstiegsplatz fest. Trainer Henriksen bleibt trotzig zuversichtlich – aber wo soll das Selbstbewusstsein herkommen?

Von Frank Hellmann, Mainz

Im Presseraum des FSV Mainz 05 hängt eine schöne Stecktabelle, die eigentlich stets auf dem aktuellen Stand ist. Doch nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Werder Bremen hatte sich niemand gefunden, der bis zum Erscheinen der beiden Trainer die Tafeln in die richtige Reihenfolge schieben wollte. Die Tabelle sieht gerade aber auch frustrierend aus: Mainz ist mit mickrigen fünf Punkten auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht.

Sportchef Niko Bungert erklärte das gleichwohl für „komplett zweitrangig“, weil seine Mannschaft „läuferisch alles rausgefeuert“ habe. Doch eines konnte der frühere Profi auch nicht negieren: „Das hat sich angefühlt wie ein Schlag in den Magen.“ Aus dem Überraschungsteam der Vorsaison ist als Vorletzter endgültig ein Sorgenkind geworden, obwohl außer Torgarant und Identifikationsfigur Jonathan Burkardt im Sommer kein Stammspieler abwanderte.

FC Bayern besiegt Leverkusen 3:0
:Eine Einwechslung, so provozierend wie ein Torjubel von Ronaldo

Vincent Kompany kann Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz in ein Spiel bringen, das seine B-Elf gegen ein chancenloses Leverkusen längst gewonnen hat. Was immer der Bayern-Trainer derzeit tut, es scheint ihm zu gelingen.

SZ PlusVon Philipp Schneider

Mainz 05 ist ja nicht der erste Bundesligist, der für eine überraschende Europapokalteilnahme einen verdammt hohen Preis zahlt. So schön die Erlebnisse auf internationaler Bühne gegen minder bemittelte Kontrahenten wie Rosenborg Trondheim, Omonia Nikosia oder Zrinjski Mostar waren: Die Conference League frisst einiges von der Substanz auf. Ein Bundesliga-Heimspiel haben die Rheinhessen diese Saison noch gar nicht gewonnen, zudem waren sie jüngst im DFB-Pokal dem VfB Stuttgart chancenlos unterlegen. „Es wird komplizierter, in den nächsten Spielen Selbstbewusstsein aufzubauen“, ahnte Bungert mit Blick auf das Europapokalhighlight gegen den AC Florenz am Donnerstag (18.45 Uhr) und das Nachbarschaftsduell bei Eintracht Frankfurt am Sonntagabend.

Werder Bremen präsentiert sich als willfähriger Aufbaugegner, das Team wirkt limitiert und teilweise uninspiriert

Insofern verwunderte schon, wie trotzig Trainer Bo Henriksen beteuerte: „Die ersten 70 Minuten waren überragend. Es kommt der Moment, wo wir drei Spiele gewinnen.“ Am Stück wohlgemerkt. Der dänische Motivator hatte „viel Mut mit und ohne Ball gesehen“ und unterfütterte seine Argumentation vehement mit den sieben mehr gelaufenen Kilometern, obwohl sein Ensemble um den unermüdlichen Paul Nebel doch „150 Spiele“ gemacht hätte in den vergangenen drei Wochen, wie Henriksen überspitzt formulierte. In Wahrheit waren es fünf Pflichtspiele binnen 15 Tagen, in denen Werder Bremen nur zwei Mal auf dem Platz stand.

Den Mainzern war dieser Nachteil lange nicht anzusehen. Im Gegenteil: Sie wirkten deutlich vitaler. Daher gingen auf dem Rasen und auf den Rängen ganz viele Köpfe nach unten, als Jens Stage mit seinem sehr gekonnten Volleyschuss in der 86. Minute überraschend für die Gäste ausglich. Aus Sicht des Mainzer Stürmers Benedict Hollerbach hätte es zwei Optionen gegeben: „Man verteidigt bis zum Ende konsequent, oder man spielt die Konter besser aus.“ Beides gelang nicht.

Gegen biedere Bremer agierte der von Union Berlin als Burkardt-Ersatz geholte Hollerbach erstmals als Flügelstürmer, was beim 1:0 von Silvan Widmer fruchtete, als der Zugang gekonnt mit der Hacke zurücklegte (36.). Ansonsten sei er, merkte Hollerbach entwaffnend ehrlich an, im bisherigen Saisonverlauf „überhaupt nicht integriert“ gewesen. Immerhin sind keine Zerfallserscheinungen sichtbar wie vor fünf Jahren, als Mainz zusammen mit dem FC Schalke 04 am Tabellenende festklebte. Damals musste Christian Heidel als Vorstand zurückkehren, um den Niedergang aufzuhalten. Heute ist der Klub in jeder Hinsicht viel stabiler aufgestellt, aber der verpasste Befreiungsschlag war ärgerlich: Werder hatte sich fast eine Stunde lang als willfähriger Aufbaugegner präsentiert.

Die Bremer wirkten erschreckend limitiert und teilweise uninspiriert – allen voran Victor Boniface legte einen arg fahrigen Auftritt hin. Von einem „schmeichelhaften Punkt“ sprach der angesäuerte Geschäftsführer Clemens Fritz: „Es steckt viel mehr in der Mannschaft. Da braucht man nichts schönzureden.“ Sein Anspruch sei das eigentlich nicht, räumte auch der bei der SV Elversberg mit mutigem Offensivfußball aufgefallene Trainer Horst Steffen ein, der den Weg der spielerischen Weiterentwicklung einen besonderen „Schwierigkeitsgrad“ nannte. Trotzdem ist Werder seit vier Spielen ungeschlagen und damit Achter in der Bundesliga, sodass in Bremen viele der Meinung sind: Der Blick auf die Tabelle ist eigentlich gerade das Beste an diesem Verein.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Fußball-Bundesliga
:Gladbach lebt – und wie!

Der Tabellenletzte gewinnt 4:0 am Millerntor. Leipzig feiert Yan Diomande und die Lage der Eintracht spitzt sich in Heidenheim zu. Das Wichtigste zum Bundesligaspieltag.

Von Korbinian Eisenberger und Martin Schneider

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: