Als Schiedsrichter Sven Jablonski die Partie abpfiff, blickte das Gros der Freiburger Zuschauer deutlich fröhlicher drein als der Leipziger Tross. Die Leipziger hatten nach dem 0:0 längeren Redebedarf in ihrem Spielerkreis, ehe ein paar aufmunternde Gesänge aus der Gästekurve folgten. Es ist, wie es ist: Nach dem torlosen Remis bleibt RB hinter dem SC auf Rang sechs - und damit deutlich hinter den eigenen Erwartungen. Der Teilerfolg, zumindest nicht erneut gegen einen direkten Konkurrenten verloren zu haben, dürfte auch nicht ausreichen, um die Debatten über Trainer Marco Rose zu stoppen. Dass das Thema die Leipziger nicht mehr loslässt, solange die standesgemäße Champions-League-Qualifikation in Gefahr ist, scheint auch dem Sportchef Marcel Schäfer bewusst zu sein: „Alle kritisieren ja die Schnelllebigkeit in unserem Geschäft. Jetzt gehen wir mal komplett den anderen Weg und wollen mit dem Trainer auch durch eine schwierige Phase durch“, erläuterte er nach dem Spiel, „und dann kriegst du auch jede Woche die Fragen.“
Dass die Freiburger hingegen gut gelaunt den zweiten Teil des Wochenendes angingen, war nachzuvollziehen. Ein Tor fiel zwar in diesem Verfolgerduell nicht, doch immerhin stieg der Unterhaltungswert der Partie in der zweiten Halbzeit deutlich, und es kam tatsächlich auch zu Torchancen. In den ersten 45 Minuten hatten beide Keeper noch kaum etwas zu tun gehabt. Leipzigs Peter Gulacsi durfte nach 14 Minuten einen Kopfball von Lucas Höler fangen, Freiburgs Noah Atubolu musste sich einmal sogar langmachen, als Benjamin Sesko aus spitzem Winkel abschloss (10.). Das war’s aber auch schon an Strafraumaktionen.
Beim Sportclub, als Überraschungs-Fünfter in die Partie gestartet, ging es in den vergangenen Tagen allenfalls um die Luxusfrage, ob die vier Siege im Februar und das 0:0 in Augsburg nicht trotz erstaunlicher spielerischer Dürftigkeit zustande gekommen waren. Auch deshalb hatte Trainer Julian Schuster diesmal auf eine Systemumstellung gesetzt. Durch die Hereinnahme von Junior Adamu, der vor dem defensiver agierenden zweiten Stürmer Lucas Höler zum Zug kam, sollte wieder mehr Schwung ins Freiburger Spiel kommen. Zumindest in Ansätzen gelang das auch. Vincenzo Grifo und - wie bisher immer seit seinem Winterwechsel nach Freiburg - Jan-Niklas Beste waren die beiden Promis, die dafür zunächst auf der Bank blieben. Grifo kam nach 45, Beste nach 75 Minuten. Zuvor feierte Freiburgs junger Torhüter Atubolu nahezu anstrengungslos seinen zweiten Rekord innerhalb von zwei Wochen: Nach einer knappen halben Stunde hatte der 22-Jährige den einst von Richard Golz aufgestellten Vereinsbestwert von 509 Minuten ohne Gegentreffer übertroffen. Im Heimspiel zuvor gegen Bremen hatte Atubolu seinen vierten Elfmeter in Serie gehalten.
Deutlich bedeutungsschwerer war die Partie für Leipzig, wo die Gründe für die enttäuschenden Ergebnisse in Champions League und Bundesliga ausführlich diskutiert werden. Und Fragen nach ausbleibenden Erfolgen weisen schnell in Richtung Trainer. Rose coachte in Freiburg mit zunehmender Spieldauer engagierter, mal wies er lautstark einen schläfrigen RB-Profi zurecht, mal warf er frustriert beide Arme gen Himmel oder machte eine Gorilla-Geste, um die Hintermannschaft zu mehr Zweikampfhärte zu animieren.
Erst in der zweiten Halbzeit kommt Leipzig zu Chancen
Doch das alles nützte wenig. Während der Sportclub mit einer engagierten Kollektivleistung konkurrenzfähig blieb, hatte Leipzig lange Zeit ein anderes Problem. Mindestens in der ersten Halbzeit vermittelte das hoch veranlagte Team nicht den Eindruck, als wolle (und könne) es den Gegner, den man vor der Saison gewiss hinter sich lassen wollte, konsequent an dessen Grenzen bringen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Leipziger Klubführung, die sich in der Trainerfrage nicht einig sein soll, diesen Umstand kontrovers erörtern wird.
Nach dem Seitenwechsel immerhin rannte Roses Team deutlich energischer aufs Freiburger Tor und wollte nun eindeutig den Sieg erzwingen. In der 61. Minute vergab Sesko eine gute Möglichkeit, auch Lutsharel Geertruida kam gefährlich zum Abschluss (72.). Doch der Siegtreffer hätte auch für den SC fallen können, als Höler Gulacsi zur ersten beachtlichen Parade des Tages herausforderte (64.) und der eingewechselte Beste das RB-Tor knapp verfehlte (81.). Das 0:0 war also letztlich ein angemessenes Ergebnis – allerdings eines, das Leipzig in der gegenwärtigen Lage nicht wirklich weiterhilft.


