FC Bayern Symbolische Momente für Boateng und Hummels

Jérôme Boateng und Mats Hummels retten den Ball vor der Linie.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim 1:1 des FC Bayern beim SC Freiburg stehen die Innenverteidiger im Blickpunkt: Denn mit Lucas Hernández bekommen sie im Sommer prominente Konkurrenz.
  • Das Spiel taugt für Jérôme Boateng und Mats Hummels nicht, um für sich zu werben.
Von Matthias Schmid, Freiburg

Als seine Teamkollegen Robert Lewandowski und dessen schönen Treffer zum 1:1 in Freiburg feiern, liegt Jérôme Boateng gerade draußen an der Seitenlinie auf dem Hosenboden und lässt sich behandeln. Ein Physiotherapeut des FC Bayern lockert am Samstag das linke Bein des Innenverteidigers. Es ist nichts Ernsthaftes, Boateng kann danach weiterspielen. Aber in der Szene steckt sehr viel Symbolisches. Boateng und Mats Hummels, das lange Zeit so unumstrittene Weltmeisterduo von 2014, wirkt - mehr oder weniger - angeschlagen in diesen Tagen. Erst recht, seit feststeht, dass die Bayern Lucas Hernández für die neue Runde von Atletico Madrid losgelöst haben - für stolze 80 Millionen Euro.

Neben dem französischen Weltmeister, der sowohl in der Innenverteidigung links als auch auf der linken Seite verteidigen kann, kommt vom VfB Stuttgart dessen Mitspieler aus der französischen Auswahl, Benjamin Pavard, ebenfalls ein Abwehrspieler (der in der Mitte und rechts hinten spielen kann). Laut El Mundo Deportivo sind die Münchner auch an Matthijs de Ligt interessiert, wobei ein Wechsel als unwahrscheinlich gilt. Doch auch so hätten die Bayern im Sommer nun ein üppiges Angebot an potenziellen Innenverteidigern. Aus der aktuellen Formation gilt Niklas Süle als unverzichtbar, Boateng und Hummels gelten das schon seit längerem nicht mehr. Nach SZ-Informationen steht sogar fest, dass Boateng den Klub nach dieser Runde verlassen wird.

Die Bundesligapartie in Freiburg (1:1) taugte jedenfalls nichts, um für sich werben zu können. Boateng wirkte müde, langsam, irgendwie neben sich. Schon in der Anfangsphase landeten einige Zuspiele von ihm im Niemandsland. Als Lucas Höler per Kopfball zum 1:0 traf, hatte er zwischen den Münchner Innenverteidigern gestanden, Hummels kam zu spät ins Kopfballduell - da lief die dritte Minute. "Ich bin froh, dass wir Mats Hummels und Jérôme Boateng hier haben", hatte zwar Hasan Salihamidzic vor der Partie bei Sky gesagt. Aber intern sollen sie bei den Bayern nicht mehr komplett von den Fähigkeiten der beiden überzeugt sein.

Das fast schon sichere 0:2 verhindert

Vor allem in der ersten Hälfte offenbarten nicht nur die beiden einige Unzulänglichkeiten im Spielaufbau. "Wir hatten mit leichten Ballverlusten einige Konter hergegeben", stellte Hummels selbstkritisch fest. Boateng hatte seine stärkste Szene in dem Spiel, als er in der 18. Minute bei einem Schuss von Mike Frantz an der Seite von Hummels das fast schon sichere 0:2 mitvereitelte - die Münchner hinderten den Ball gerade noch am Überqueren der Torlinie.

Bayern-Trainer Niko Kovac nervte an der Partie insgesamt vor allem die Einstellung seiner Spieler. Sie hätten von Beginn gedacht, dass das einfach so weiterginge mit diesen leichten Siegen, nachdem die Münchner zuletzt 6:0 (gegen Wolfsburg), 5:1 (Gladbach) und 6:0 (Mainz) gewonnen hatten. "Aber das geht nicht, gerade in Freiburg, wo es für jede Mannschaft schwierig ist", wie Kovac hervorhob. Vor allem habe er auf das Tempo und die Flanken von Günter hingewiesen, die so gefährlich seien. Das bestätigte nach der Partie auch Nationalspieler Leon Goretzka, der sich besonders über die Anfangsphase ärgerte und diese "unerklärlich" fand: "Wir haben in den ersten fünf Minuten gepennt. Wir haben das vorher 700 Mal in der Kabine angesprochen."

Vor dem richtungsweisenden Spitzenspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund am nächsten Samstag steht zuvor noch das Viertelfinale im Pokal gegen den Zweitligisten Heidenheim auf dem Programm. Es wird spannend zu beobachten sein, wen Trainer Kovac in der Innenverteidigung aufbieten wird. Über die Zukunft von Hummels und Boateng wollte Salihamidzic in Freiburg nichts sagen. Nur so viel ließ sich der Sportdirektor entlocken: "Alle anderen Fragen zu den beiden werden uns erst nach der Saison beschäftigen." Gegen Freiburg musste Boateng in der zweiten Hälfte dann vorzeitig vom Feld, für ihn kam Süle.

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