Eintracht Frankfurt:Systemproblem oder nicht?

Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln

Wieder nur Unentschieden: Frankfurts Filip Kostic ist enttäuscht nach dem Spiel gegen Köln.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Sechs Spiele ohne Sieg zum Saisonstart - das ist den Frankfurtern noch nie passiert. Nach dem 1:1 gegen Köln erkennt Eintracht-Trainer Glasner grundsätzliche Mängel in seinem Team.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Es war das aufrechte Bemühen des neuen Frankfurter Stadionsprechers Daniel Wolf, dem Publikum die nächste Punkteteilung aus dem Blickwinkel eines eingefleischten Eintracht-Fans schmackhaft zu machen. "Wir sind zuhause noch ungeschlagen!", brüllte der Mann am Mikrofon, der damit im Frankfurter Stadtwald dummerweise nicht wirklich den Ton traf. Denn das 1:1 (1:1) gegen den 1. FC Köln wollte kaum ein Anhänger als Fortschritt werten, entsprechend höhnisches Gelächter begleiteten die Durchsage.

Warum sonst kauerten mit Schlusspfiff ein halbes Dutzend Eintracht-Profis entkräftet und enttäuscht auf dem Rasen? Sie alle wussten: Mit solch unstrukturierten Vorstellungen wird es schwierig, zum einen Bundesligaspiele, zum anderen die Publikumsgunst zu gewinnen. "Wir lechzen nach dem Sieg, es geht gerade nicht leicht von der Hand", sagte Trainer Oliver Glasner und gab nach dem achten sieglosen Pflichtspiel zu: "Ganz happy sind wir nicht."

Sechs Liga-Partien zum Start nicht zu gewinnen, ist den Hessen noch nie passiert; der Österreicher versuchte im Anflug von Ironie, diese wenig schmeichelhafte Wegmarke bei seinem neuen Arbeitgeber zu überspielen. Lieber bescheinigte der Österreicher seinen Spielern die totale Hingabe, aber die Verweise auf den "super Charakter" wirkten allzu durchsichtig. Immerhin negiert der 47-Jährige nicht mehr die grundsätzlichen Mängel seiner Mannschaft. "Wir staffeln uns nicht gut, wir machen zu viele Abspielfehler", sagte Glasner. Die Eintracht erarbeitet sich hartnäckig den Ruf als Remiskönig. Die letzten fünf (!) Pflichtspiele endeten allesamt 1:1, sechs von acht Partien gingen unentschieden aus.

Weshalb Trainer Glasner auf die Japaner Hasebe und Kamada verzichtet, erschließt sich nicht wirklich

Überschattet wurde ein "intensives, wildes Spiel" (Glasner) vom enormen Crash-Potenzial. Fast im Minutentakt rauschten in der ersten Halbzeit die Akteure mit den Köpfen zusammen. Eine Behandlungspause folgte auf die nächste - in Erik Durm (Frankfurt) und Luca Kilian (Köln) mussten gleich zwei Spieler früh ausgewechselt werden. "Zeitweise waren fünf Spieler mit Kopfverletzung am Boden. Das zeigt, dass sich keiner was geschenkt hat", sagte der Eintracht-Trainer, den ansonsten erste Fragen nach seinem sturen Festhalten an Personal und System erreichten.

Der Verzicht auf die beiden japanischen Strukturgeber Makoto Hasebe und Daichi Kamada erschließt sich nicht mehr wirklich. Der eine war unter Glasner-Vorgänger Adi Hütter als Abwehrchef, der andere als Spielmacher gesetzt. Wenn es auch im Europa-League-Auswärtsspiel bei Royal Antwerpen am Donnerstag nicht läuft, könnten sich fürs folgende Auswärtsspiel beim FC Bayern einige Grundsatzfragen stellen. Noch aber will Glasner "kein Systemproblem" erkennen.

Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln

Frankfurts Oliver Glasner (links) beglückwünscht seinen Trainerkollegen Steffen Baumgart (2.v.l.): Die Kölner können mit dem Ergebnis besser leben.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Solche Sorgen hat der Kölner Kollege nicht. Steffen Baumgart hatte ein "interessantes, hochklassiges Spiel" gesehen, er sagte: "Grundsätzlich haben beide Mannschaften auf Sieg gespielt, das ist das, was wir sehen wollen." Der unaufhörlich an der Seitenlinie herumtigernde Mann mit der Schiebermütze war mit seinem Ensemble zufrieden, das anfänglich vor Selbstbewusstsein strotzte. Wie zum Beleg schlug der als "Kölsche Cafu" bezeichnete Rechtsverteidiger Benno Schmitz einen Traumpass auf den aufgerückten Linksverteidiger Jonas Hector, der dann direkt den mitgelaufenen Ellyes Skhiri bediente - fertig war die zu diesem Zeitpunkt verdiente 1:0-Führung (14).

Bald sollte das Spiel jedoch von permanenten Unterbrechungen geprägt sein. "So was habe ich noch nicht erlebt", erklärte Frankfurts Routinier Timothy Chandler, der selbst in der Halbzeitpause wegen einer Platzwunde genäht werden musste, dann aber mit einem Kopfverband und nach eigener Aussage mit "einem Brummschädel" weiterspielte. Die achtminütige Nachspielzeit der ersten Hälfte half aber der Eintracht, als Flankengeber Filip Kostic mit seiner Hereingabe den Kolumbianer Rafael Borré fand, der den Ball zu seinem ersten Bundesligator über die Linie drückte (45.+6).

Einiges Glück hatten die Hausherren, als ein Treffer von Florian Kainz nach einem Fangfehler von Torwart Kevin Trapp nicht zählte - Vorlagengeber Anthony Modeste hatte hauchzart im Abseits gestanden, wie Videoassistent Benjamin Brand aus dem Kölner Kontrollraum richtig bemerkte (54.). Kurios: "Kein Tor" stand bereits auf dem Videowürfel und löste großen Jubel unter den Frankfurter Fans aus, bevor Schiedsrichter Martin Petersen den VAR-Entscheid überhaupt verkündete.

© SZ/cca/jki
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