Augsburg und die VAR-EntscheidungenWie beim Arzt im Wartezimmer

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Augsburger Spieler, Frankfurter Spieler und Schiedsrichter Frank Willenborg warten gespannt auf das telefonische Urteil des Kölner Kellers.
Augsburger Spieler, Frankfurter Spieler und Schiedsrichter Frank Willenborg warten gespannt auf das telefonische Urteil des Kölner Kellers. Revierfoto/Imago

Der FC Augsburg setzt den Aufwärtstrend unter Interimstrainer Manuel Baum bei der 0:1-Niederlage in Frankfurt fort. Zwei VAR-Eingriffe verhindern allerdings, dass sich das auch im Ergebnis niederschlägt.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

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Wenn es noch eines Beweises für die Machtlosigkeit eines Bundesliga-Trainers in gewissen Momenten bedurfte, hat Manuel Baum am Wochenende das passende Bild geliefert. Auf einer blauen Box sitzend, die Hände gefaltet, den Blick zum Boden gerichtet, verfolgte der Interimstrainer des FC Augsburg im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt die quälend lange VAR-Überprüfung kurz vor Schluss. „Die Zeit, die man da wartet, ist wirklich unsäglich. Da kommt man sich ein bisschen vor, wie wenn man beim Arzt hockt und wartet, bis man reingerufen wird“, gab Baum später zu. Ungutes Gefühl vor der Diagnose inklusive. Tatsächlich hatte der Videoassistent Johann Pfeifer aus dem Behandlungszimmer im Kölner Keller keine guten Nachrichten für die eigentlich sehr fidelen Augsburger parat. Es blieb aus ihrer Sicht beim 0:1.

Augsburgs Abwehrspieler Noahkai Banks hatte letztlich zu früh gejubelt, weil er nach der Kopfballverlängerung von Marius Wolf knapp im Abseits stand. Der Treffer aus der 87. Minute zählte also ebenso wenig wie das Kopfballtor des Verteidigerkollegen Chrislain Matsima nach drei Minuten, als Vorlagengeber Kristijan Jakic ebenfalls hauchzart aus der verbotenen Zone flankte. Vor der VAR-Einführung wäre diese Bildsequenz ein Klassiker für gleiche Höhe gewesen. Dass die Überprüfungen trotz der halb automatischen Abseitserkennung eine gefühlte Ewigkeit beanspruchen, war für FCA-Kapitän Keven Schlotterbeck zu dieser Jahreszeit kaum akzeptabel: „Ich bin ein Freund davon, dass das schnell geht, vielleicht 30 bis 45 Sekunden. Aber wenn du dann fünf Minuten da stehst, dann wird es auch kalt.“ Verletzungsgefahr inklusive.

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Baum wollte allerdings gar nicht grundsätzlich die Eingriffe kritisieren. Er sei ein Freund „der absoluten Entscheidungen“, aber alle Fifty-fifty-Situationen seien in dieser umkämpften Partie für die Eintracht ausgegangen. Stellvertretend dafür stand für ihn der von Matsima unhaltbar abgefälschte Schuss von Ritsu Doan zum Frankfurter Siegtor (68.) – weshalb der Interimstrainer Baum anders als bei seinem Einstand gegen Bayer Leverkusen (2:0) diesmal nur Sympathiepunkte ergattern konnte. Trotzdem hatte der 46-Jährige eine „ordentliche Leistung“ gesehen, ein Unentschieden wäre für die bayerischen Schwaben wegen ihrer disziplinierten Defensivleistung verdient gewesen.

Verteidiger Banks sagt, der Trainer Baum sei genau wie Vorgänger Sandro Wagner „ein cooler Typ, nur anders, entspannter“

Der eigentlich als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation beim FCA tätige Baum trägt am kommenden Wochenende beim Heimspiel gegen den SV Werder letztmals die Verantwortung. „Wir haben noch zwanzig Prozent mehr im Tank“, versprach er, wohl wissend, dass es vorne „mehr Tiefe, mehr Flanken“ braucht. Hinten stand sein Team auch dank eines Verteidigertalents wie Banks recht stabil. Der auf Hawaii geborene, im Allgäu aufgewachsene und wohl bald für die US-Nationalmannschaft spielende 19-Jährige sagte, Baum sei genau wie Vorgänger Sandro Wagner „ein cooler Typ, nur anders, entspannter: Wir bekommen es besser auf den Platz“. Es spricht also viel dafür, es im nächsten Jahr mit einem ähnlich pragmatischen Fußballlehrer zu versuchen, allerdings wollte Sportdirektor Benjamin Weber noch keine sachdienlichen Hinweise geben. Welcher Trainertyp auf seiner Wunschliste stehe? Nur so viel: „Wir machen unsere Hausaufgaben.“

Eine Trainerdebatte wäre vermutlich auch in Frankfurt geführt worden, hätte die Eintracht gegen Augsburg das fünfte sieglose Spiel nacheinander folgen lassen. Nun aber war Dino Toppmöller ziemlich erleichtert, der erste Teil der Sechs-Punkte-Vorgabe seines Vorgesetzten Markus Krösche war immerhin erfüllt. „Die letzte Frische hat gefehlt, es war ein anstrengendes Halbjahr. Daher war es eine absolute Willensleistung“, befand Toppmöller. „Umso wichtiger ist, dass wir dieses Ding gezogen haben.“ Sportvorstand Krösche argumentierte ähnlich: „Dass wir besser Fußball spielen können, ist doch klar. Aber man muss die Gesamtsituation sehen, und da ist es einfach ein wichtiger Sieg.“

Hinter der nächsten schwarzen Stellwand im Tiefparterre der Frankfurter Arena erzählte Baum dann übrigens noch davon, wie er den Weihnachtsfrieden in der Familie gerettet habe. Mit dem Versprechen, seiner Tochter Noemi ein Pferd zu schenken, sofern er 100 Spiele als Cheftrainer absolvieren würde, habe er sich „in was reingeritten“. Doch zeigte er sich überaus stolz über die Taktik, mit der er im Sinne aller Beteiligten – Tier wohl inklusive – die Angelegenheit regeln konnte: Es wird kein Pferd zum Fest vor der Tür stehen, sondern „eine Reitbeteiligung“ aufgesetzt. Man habe schließlich „Verantwortung für ein Lebewesen“. Selbst aufs Pferd setzen möchte er sich aber nicht, sagt er, dieses Bild wolle er „keinem zumuten“. Vielleicht sähe er da ähnlich machtlos aus wie ein Trainer, der auf eine VAR-Entscheidung wartet.

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