Bundesliga Fortuna Düsseldorf in der Falle

Düsseldorfs Torwart Michael Rensing (oben), in dieser Situation gegen Bayerns Robert Lewandowski nicht ganz griffsicher.

(Foto: AFP)
Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Die Fußballer von Fortuna Düsseldorf, obwohl Tabellenletzter der Bundesliga, sind am Montag zu den "Düsseldorfern des Jahres" ernannt worden. So schwer sie sich fußballerisch auch tun, ihre Reputation in der Stadt ist ungebrochen. Die Fortuna trägt sogar zur kommunalen Kultur bei. Im Boulevardtheater 'Komödie' haben sie den Fußballern ein lustiges Stück gewidmet, Titel: "Die Abseitsfalle."

Auch die aktuelle Lage im Verein gleicht einer Falle: mit den drittwenigsten Toren und den zweitmeisten Gegentoren der Liga verteilen sich die Schwächen quer durch alle Mannschaftsteile, was die Frage nach Verstärkungen im Winter ebenso aufwirft wie die Frage nach deren Sinn. Wie viele Spieler bräuchte man, um dieses Team erstligafest zu machen? 1,6 Millionen Euro hat die Fortuna aus der vergangenen Zweitliga-Saison übrig behalten, was dem Aufsichtsratsboss Reinhold Ernst jüngst bei der Mitgliederversammlung zu der euphorischen Nachricht verhalf: "Wir haben Finanzreserven!"

Geschäftsführer Robert Schäfer schränkte aber gleich ein, man hole nur Spieler, wenn sie dem Team auch wirklich weiterhelfen. Einen Anthony Modeste hätte er gern geholt, sagte der Trainer Friedhelm Funkel, aber dessen Rückholaktion aus China haben bekanntlich die Nachbarn vom 1. FC Köln initiiert.

Was ist mit Sebastian Rode? Oder Josip Drmic?

Mit Köln verbinden Düsseldorfer Fußballfans nur ein schönes Erlebnis: am 11. Juni 1933 hat die Fortuna im Müngersdorfer Stadion gegen Schalke ihren einzigen deutschen Meistertitel gewonnen. Weil der Klub von dieser Trophäe bislang keine Kopie besaß, hat er jetzt eine in Auftrag gegeben, genauso wie vom DFB-Pokal, den man 1979 und 1980 gewann. "Wir wollen die beiden Pokale endlich zeigen können", sagt Schäfer. Die Vergangenheit des Düsseldorfer Fußballs hat der Gegenwart immer noch einiges voraus. Die Fortuna ist bislang auch der einzige deutsche Klub, der einen so genannten "Erinnerungskoffer" für Demenzkranke anbietet. Mit alten rot-weißen Devotionalien soll hier dem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen werden.

Für den Rest der Saison hilft das aber alles nicht. Trainer Funkel und der ehrenamtliche Sportdirektor Erich Rutemöller müssen jetzt gut überlegen, ob sie noch Spieler hinzuholen, und wenn ja, wen. Würde sich ein in Dortmund nicht zum Einsatz kommender Mittelfeldmann wie Sebastian Rode nach Düsseldorf ausleihen lassen oder ein in Mönchengladbach zum Bankdrücker verdonnerter Stürmer Josip Drmic?

In der vergangenen Saison hatte Düsseldorf mit Leihspielern wie Florian Neuhaus (jetzt Gladbach) oder Genki Haraguchi (jetzt Hannover) gute Erfahrungen gemacht, "aber ob uns Bundesliga-Konkurrenten jetzt auch wieder Spieler ausleihen würden, ist die Frage", sagt Funkel. Der neue hauptamtliche Sportdirektor, den der Klub bald einstellen will und der nach Medienspekulationen Lutz Pfannenstiel heißen könnte, wird bei der Akquise neuer Spieler kaum helfen können. Im Moment scoutet Pfannenstiel noch für die TSG Hoffenheim. Würde er Fortunas neuer Mann, wäre er ja aber immerhin schon im Thema.

An diesem Freitagabend gastieren die Düsseldorfer bei Werder Bremen. Sie werden darauf setzen, wieder ihr geliebtes Auswärtskonterspiel mit dem schnellen Dodi Lukebakio am Ende der Verwertungskette aufziehen zu können. Das hat beim 1:1 in Leipzig und beim 3:3 in München verblüffend gut funktioniert. Der Trainer Funkel hat das Team meist gut einstellen können, das liegt an seiner enormen Erfahrung, an der in dieser Woche auch Finnlands größtes Sportmagazin Urheilulehti interessiert war. Man schickte aus Helsinki eigens einen Reporter nach Düsseldorf, um Funkel auszufragen. Urheilulethi ist nach der italienischen Gazzetta dello Sport angeblich das zweitälteste Sportmagazin der Welt, es erschien erstmals 1898. Damit ist es sogar noch ein bisschen älter als Friedhelm Funkel, der derzeit ältesten Bundesliga-Trainer. Er wird am kommenden Sonntag 65 Jahre alt.

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