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Bundesliga:Freiburg führt Köln vor

SC Freiburg - 1. FC Köln

Freiburgs Trainer Christian Streich (r) freut sich nach dem Spiel mit Torschütze Lucas Höler.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Werder ärgert Leverkusen, Frankfurt gewinnt dank zwei Elfmetern, Wolfsburg kommt in Unterzahl zurück. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Jonas Beckenkamp und Christopher Gerards

FC Schalke 04 - TSG Hoffenheim 4:0 (1:0) Tore: 1:0 Matthew Hoppe (42.), 2:0 Matthew Hoppe (57.), 3:0 Matthew Hoppe (63.), 4:0 Amine Harit (79.)

Wie es um Schalke steht, das wissen jetzt auch die Amerikaner - zumindest jene, die am Freitag die Muse fanden, in der New York Times zu schmökern. Dort erschien ein königsblaues Krisengemälde, das auch von Clemens Tönnies handelte. Der frühere Klubpatron ist bekanntlich nur mehr ein verhinderter Patron, was dem Times-Autor die Beobachtung abrang: "Tönnies, einer der reichsten Deutschen, aber auch einer der unbeliebtesten".

Schalke und Tönnies, diese Verbindung ist nach dessen zurückgezogener Finanzspritze (es ging wohl um zehn bis zwölf Millionen) nun endgültig gekappt. Und so läuft es dann manchmal: Die Mannschaft bewältigte daraufhin ihr Trauma alleine. Irgendwelche Götter scheinen es doch gut zu meinen mit den Gelsenkirchenern, denn sie schafften es tatsächlich, die Einstellung des Sieglos-Rekords von Tasmania Berlin aus den 60ern abzuwenden. Drei - ja, tatsächlich DREI - Tore des 19-jährigen Kaliforniers Matthew Hoppe, alle nach Vorlage von Amine Harit (der selbst noch traf), leiteten einen 4:0-Erfolg gegen seltsam verschwenderische Hoffenheimer ein.

"Der Fokus war, das kann ich versichern, absolut nur auf dem Spiel", hatte S04-Trainer Christian Gross gesagt. Wie es scheint, hat er damit das Tasmania-Thema, die drohende 31. Partie nacheinander ohne Sieg, aus den Köpfen gewischt - und Kräfte freigesetzt. Bei Hoppe ganz bestimmt, aber auch bei anderen Spielern. Torhüter Ralf Fährmann hielt gleich mehrfach tadellos, nach vorne wirkte die Elf engagiert und mit Sead Kolasinac kehrte ein Leihspieler von Arsenal zurück, der sich gleich als Kapitän und Antreiber bewährte.

Der Deutsch-Bosnier kennt seinen Ex-Klub aus besseren Zeiten und vielleicht beginnt mit ihm ja eine neue, tröstlichere Gegenwart. Ein Ausstieg aus der Abwärtsspirale, denn den Schalkern ist ja schon schwindelig genug. Hoffenheim war bei insgesamt zwölf namhaften Ausfällen jedenfalls der richtige Gegner, die TSG trat hinten mit grober Fahrlässigkeit auf, vergab reihenweise gute Chancen und leistete Aufbauhilfe für die Schalker. Und so endet nun immerhin das Gerede vom fast 55 Jahre alten Katastrophenrekord der Tasmanier. Bis er wieder in Gefahr gerät, werden wohl einige Jahre vergehen. Und Schalke? Überlässt mit nun sieben Punkten sogar Platz 18 dem FSV Mainz.

Bayer 04 Leverkusen - Werder Bremen: 1:1 (0:0), Tore: 0:1 Toprak (52.), 1:1 Schick (70.)

Lange lief es sehr gut für Bayer Leverkusen in dieser Saison, aber ins neue Jahr ist das Team von Peter Bosz eher ruckelig gekommen. Der Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Wochenende folgte nun also ein Remis gegen Werder Bremen. Die Gäste in Führung gebracht hatte Leverkusens Ex-Profi Ömer Toprak: Er stand nach einem Freistoß von Ludwig Augustinsson ziemlich frei im Strafraum und konnte einschieben. Leverkusen glich dann zumindest noch aus. Dabei hatte Patrick Schicks Treffer zunächst nicht gezählt, weil Lucas Alario ihn bei der Annahme mit der Hand berührt haben soll - doch nach erneuter Betrachtung kam Schiedsrichter Benjamin Cortus offenbar zur Auffassung, dass Alario nur mit dem Bauch dran war. Bayer ist weiter Dritter, verpasste es aber, kurzfristig an RB Leipzig vorbeizuziehen.

Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 0:2 (0:1), Tore: 0:1 Silva (22., Foulelfmeter), 0:2 Silva (72., Foulelfmeter)

Christian Heidel zurück, Martin Schmidt zurück - und mit Bo Svensson präsentierte Mainz 05 in dieser Woche einen weiteren Ehemaligen in prominenter Position. Der frühere Profi ist neuer Trainer, der vierte in der Saison - aber sein Einstand glückte nicht, sondern endete damit, dass Mainz nun sogar Tabellenletzter ist.

Die Eintracht-Führung gelang nach 22 Minuten. Amin Younes hatte eine Lücke entdeckt und den Ball Richtung André Silva gespielt, doch der Mainzer Verteidiger Moussa Niakhaté hielt den Portugiesen fest. Der fiel und bekam den Elfmeter, den er selbst verwandelte. Nach einer knappen Stunde ertönte erneut ein Elfmeterpfiff, nach einem Zweikampf zwischen Frankfurts Djibril Sow und dem Mainzer Leandro Barreiro. Schiedsrichter Bastian Dankert hatte offenbar Sows Fuß für zu hoch erachtet in dem Duell, sah sich die Sache aber nochmal an und entschied sich um. Und einige Minuten später: Gab es wieder einen Elfmeterpfiff, wieder gegen Mainz und Niakathé - diesmal, weil er Hinteregger festgehalten hatte. Wieder trat Silva an und traf zu seinem elften Saisontor.

SC Freiburg - 1. FC Köln: 5:0 (2:0), Tore: 1:0 Demirovic (18.), 2:0 Höfler (38.), 3:0 Sallai (59.), 4:0 Lienhart (69.), 5:0 Höler (79.)

Anfang Dezember war die Lage für den SC Freiburg noch relativ ungemütlich. Zwar hatte die Elf von Christian Streich 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach gespielt, doch auf den Relegationsplatz betrug der Vorsprung nur einen Punkt. Seither folgten in der Liga: ein Sieg gegen Bielefeld, ein Sieg gegen Schalke, ein Sieg gegen Hertha BSC, ein Sieg gegen Hoffenheim - und nun also ein Sieg gegen Köln. Fünf Siege in Folge, für den SC ist das Vereinsrekord.

Gegen Köln hatte erst Roland Sallai einen hohen Ball hinter die Abwehr gespielt, der herausgelaufene Torwart Timo Horn traf diesen vor Ermedin Demirovic nicht richtig und kickte den Ball über sich in die Luft, schließlich köpfte Demirovic zur Führung ein. Später verlor Salih Özcan im Spielaufbau den Ball bei der Annahme an Nicolas Höfler. Der musste nicht mehr weit laufen, um aus zentraler Position das 2:0 zu schießen. Nach fast einer Stunde traf Sallai dann selbst, Demirovic hatte ihn bedient. Und Philipp Lienhart und Lucas Höler hübschten noch das Torverhältnis auf, so dass das Team von Christian Streich nun Achter ist. Mit dem sechsten Sieg in Serie dürfte es für die Freiburger aber nicht einfach werden. Gegner am kommenden Sonntag ist der FC Bayern.

Union Berlin - VfL Wolfsburg 2:2 (1:1), Tore: 0:1 Steffen (9.), 1:1 Becker (28.), 2:1 Andrich (52.), 2:2 Weghorst (65., Handelfmeter)

Union gegen Wolfsburg - das klingt nicht unbedingt nach einem Duell zweier Teams auf Europapokal-Plätzen, doch genau das war es: Der Fünfte empfing der Sechsten. Und dieser Sechste, der VfL Wolfsburg, ging nach einer Ecke in Führung: Renato Steffen (1,70 Meter) köpfte die Flanke von Maximilian Arnold ins Tor, Gegenspieler Christopher Lenz war nicht mit hochgestiegen. Union allerdings antwortete sehenswert: Sheraldo Becker schoss den Ball wuchtig in den Winkel (nachdem er ganz früh das leere Tor verfehlt hatte).

Nach der Pause führte Union dann sogar: Maximilian Arnold hatte Taiwo Awoniyi mit der Hand an der Schulter berührt, woraufhin Schiedsrichter Patrick Ittrich zunächst auf Elfmeter entschied und Arnold Rot zeigte. Der Tatort wurde dann nach Videoentscheid zwar aus dem Strafraum heraus verlegt, was für Wolfsburg letztlich aber kein Grund zur Freude war: Robert Andrich hob den Freistoß über die Mauer ins Tor. Unions vermeintliches 3:1 kurz darauf zählte dann nach einem Foul an Koen Casteels nicht - stattdessen durfte der VfL bald jubeln: Ein Schuss von Josip Brekalo landete an der Hand von Marcus Ingvartsen. Ittrich entschied nach erneuter Ansicht der Szene auf Elfmeter, den Wout Weghorst verwandelte.

© SZ/schm
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