Bundesliga: 1. FC Köln Religion? Geld? Finke?

Köln rätselt, warum Trainer Frank Schaefer trotz aller Erfolge seinen Vertrag nicht verlängert - es könnte am Verhältnis zu Sportchef Volker Finke ebenso liegen wie an der Spiritualität des Trainers.

Von Philipp Selldorf

Der Samstag ist geeignet, als Freudentag in die Kölner Stadtgeschichte einzugehen. Durch einen Heimsieg gegen Stuttgart könnte sich der 1. FC aller Abstiegssorgen entledigen, und die Aussichten dazu stehen gut: Das Team von Frank Schaefer, 47, hat die vergangenen sieben Spiele in Müngersdorf gewonnen, die Heimstärke ist ein neues Markenzeichen. Dennoch dringt in den Tagen vor dem Spiel keine keine Zuversicht aus dem Geißbockheim. Stattdessen gibt es eine Debatte, die der Kölner Stadt-Anzeiger als "rätselhaft" bezeichnet.

Bleibt er Trainer der Profis - oder möchte er lieber wieder zur U-23-Elf? Frank Schaefer äußert sich bislang nicht zu seiner Zukunft.

(Foto: dapd)

Es geht um Trainer Schaefer, der Ende Oktober als Nachfolger von Zvonimir Soldo die Arbeit mit der Profi-Elf übernommen hatte und sich trotz messbarer Erfolge und eines angeblich fertigen Vertrages beharrlich weigert, sein Bleiben fürs kommende Jahr zu garantieren. Seine abwartende Haltung begründet er damit, dass er sich mit allen Kräften auf den Kampf gegen den Abstieg konzentrieren möchte.

Und weil er mit jedem Heimsieg erneut auf seine Planungen angesprochen wurde, musste er diese Gründe immer wieder aufs Neue anführen. Bis nun Sportchef Volker Finke der Kölner Presse überraschend die These präsentierte, dass Schaefer aufgrund seiner religiösen Prägung kein gewöhnlicher Bundesligatrainer sei und bei ihm "alle Regeln, die sonst im Fußball gelten, außer Kraft gesetzt" seien.

"Die religiöse Geschichte haben wir zu respektieren", setzte Finke fort und gab zu verstehen, dass "diese privaten Lebensüberzeugungen" der Grund für das Zögern seien. Denn daraus entstünde "offensichtlich sein Problem", das Profimetier mit all seinen moralischen Widrigkeiten zu akzeptieren.

Schaefer wies diese Theorie umgehend zurück. Dem Kicker sagte er: "Ich habe niemals die Situation mit meinem Glauben begründet. Im Gegenteil: Der Glaube trägt mich durch den Job, er ist sogar eine Stärke von mir."

Es wirft nun kein gutes Licht auf die Kommunikation zwischen Finke und Schaefer, wenn in aller Öffentlichkeit Missverständnisse über den spirituellen Hintergrund des Trainers ausgeräumt werden müssen. Zumal Kenner meinen, das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden sei ohnehin verbesserungsfähig - was daran liege, dass Finke, der erst im Winter seinen jahrzehntelang ausgeübten Trainerjob aufgab, von den alten Gewohnheiten nicht lassen könne.

Immer wieder, berichten Zuschauer, greife er im Trainingsalltag mit Anweisungen an die Spieler in Schaefers Arbeit ein. Auch dem Präsidenten Wolfgang Overath wird Skepsis gegenüber Schaefer nachgesagt. "Es ist insgesamt eine Frage von Respekt und Akzeptanz", sagt ein Beobachter, der sämtliche handelnden Personen gut kennt. Gerüchte künden davon, dass bereits Kontakt zu Michael Skibbe aufgenommen wurde, Finke verneint, es gebe "keinen Plan B".

Freunde von Schaefer sagen allerdings auch, dass dessen Abwarten durchaus "die private Sinnfrage" zugrunde liegen könne: "Will ich jeden Tag in der Zeitung stehen? Hinter dem Geld herlaufen? Damit beschäftigt er sich." Daraus könnte in der Tat die Entscheidung hervorgehen, lieber wieder die mäßig bezahlte Arbeit bei der U 23 aufzunehmen und einem anderen den kostbaren Vertrag als Proficoach zu überlassen.

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