Bundesliga:Leipzig gewinnt mit Rose wieder

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Bundesliga: Gelungenes Debüt - und dann auch noch gegen den Ex-Klub: Marco Rose gewinnt mit Leipzig 3:0 gegen den BVB.

Gelungenes Debüt - und dann auch noch gegen den Ex-Klub: Marco Rose gewinnt mit Leipzig 3:0 gegen den BVB.

(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Der neue Trainer leitet mit dem 3:0 gegen Dortmund direkt eine Trendumkehr ein. Der VfB gleicht beim FC Bayern spät aus, Wolfsburg mustert Max Kruse aus, und Schalke gelingt gegen die punktlosen Bochumer der erste Saisonsieg. Alles Wichtige zum sechsten Spieltag.

Von David Kulessa Barbara Klimke und Milan Pavlovic

RB Leipzig - Borussia Dortmund 3:0 (2:0), Tore: 1:0 Willi Orban (6.), 2:0 Dominik Szoboszlai (45.), 3:0 Amadou Haidara (84.)

Unter Domenico Tedesco tat sich Dominik Szoboszlai stets schwer, nur einmal durfte er in dieser Bundesligasaison von Anfang an ran. Nun bescherte er Marco Rose einen perfekten Auftakt als RB-Coach. Das 1:0 durch Kapitän Willi Orban bereitete der Ungar per Ecke vor, das 2:0 kurz vor der Pause erzielte er durch einen traumhaften Schuss aus 23 Metern selbst. Die Leipziger waren über die gesamte Spielzeit klar besser, schossen 15 Mal aufs Tor und ließen kaum eine gefährliche Chance des BVB zu. Die beste vergab der glücklose Modeste in der 63. Minute. Für den Endstand sorgte Amadou Haidara, der nach Timo Werners Pass nur einschieben musste. Das Tor durch eine gute Balleroberung eingeleitet hatte, natürlich, Dominik Szoboszlai.

FC Bayern München - VfB Stuttgart 2:2 (1:0), Tore: 1:0 Mathys Tel (36.), 1:1 Chris Führich (57.), 2:1 Jamal Musiala (60.), 2:2 Serhou Guirassy (90.+2, Foulelfmeter)

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(Foto: Christof Stache/AFP)

Mit sechs Wechseln in der Startelf im Vergleich zur Champions-League-Partie in Mailand ging Julian Nagelsmann in das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Unter anderem kamen Mathys Tel und Noussair Mazraoui zu ihren Startelfdebüts in der Bundesliga. Der erst 17 Jahre alte französische Stürmer Tel traf dann auch prompt zum 1:0 (36.) und machte sich so zum jüngsten Bundesligatorschützen in der Geschichte der Bayern.

Der Rekordmeister trat gewohnt dominant auf (67 Prozent Ballbesitz, 19:7 Torschüsse), nutzte seine Chancen aber nicht und hatte in der 51. Minute Glück, das der Videoschiedsrichter den Stuttgartern den Ausgleichstreffer aberkannte. Den erzielte Chris Führich dann nur fünf Minuten später, und obwohl Jamal Musiala in der 60. Minute sehenswert zur erneuten Führung traf, spielten die Bayern zum dritten Mal hintereinander Unentschieden in der Bundesliga. Serhou Guirassy, dessen Tor zuvor dem VAR zum Opfer gefallen war, erzielte in der 92. Minute das 2:2 per Elfmeter. Vorausgegangen war ein unnötiges Foul des neuen Abwehrchefs Matthijs de Ligt.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg 0:1 (0:0), Tore: 0:1 Maxence Lacroix (60.)

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(Foto: Lars Baron/Getty Images)

Ein wenig moralischen Beistand hatte Niko Kovac offenbar nötig vor der Rückkehr an den alten Wirkungsort. Und so stattete der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Jörg Schmadtke, den bis dato in fünf Bundesligapartien sieglosen Trainer für den Auftritt in Frankfurt mit einer Art Treueurkunde aus: "Keinen Zentimeter", so hieß es, rücke er von der Unterstützung Kovac' ab. Vertrauen beflügelt - auch wenn beim VfL in der ersten Halbzeit noch keine Ausbeute zu verzeichnen war: Nach 15 Minuten nutzte Franjic eine lange Ecke von Svanberg zu einem Kopfball aus der Nahdistanz, den Frankfurts Keeper Kevin Trapp parierte. Eine Viertelstunde später rauschte Svanberg aus dem Rückraum an, wieder musste Trapp retten. Den Frankfurtern, die drei Tage zuvor ihr Champions-League-Debut gegen Sporting Lissabon verloren hatten, fehlte womöglich etwas die Frische.

Es dauerte bis zur 60. Minute, dann konnte Wolfsburg tatsächlich den ersten Auswärtstreffer der Saison verbuchen: Brekalo tauchte vor Trapp auf, der aus dem Kasten eilte, sich verschätzte und zusehen musste, wie Lacroix einnetzte. Drei Minuten später lag der Ball erneut im Tor, aber Brekalo stand diesmal im Abseits. Kovac' Experimentierfreude zahlte sich an diesem Tag aus. Auf der Suche nach einer Stammelf hatte er von Beginn an auf Maxence Lacroix, Mattias Svanberg und Josip Brekalo gesetzt.

Max Kruse dagegen war nicht einmal im Kader - und wird es nie mehr sein. "Er war heute nicht dabei und wird auch in Zukunft nicht dabei sein", sagte Kovac im Sender Sky. "Wir verlangen von jedem Spieler eine hundertprozentige Identifikation und Konzentration mit Fokus auf den VfL. Das Gefühl hatten wir nicht mit Max."

Ein drastischer Schritt, den man sich erst einmal leisten können muss. Umso wichtiger war Kovac' erster Sieg mit dem VfL Wolfsburg - mit Vertrauensvorschuss. Ein Satz von Maximilian Arnold klang wie ein unverhohlener letzter Gruß an Kruse: "Wir haben als Mannschaft gesehen, wie wir zusammenstehen und zusammenarbeiten müssen. Das war der Schlüssel zum Erfolg."

Hertha BSC - Bayern 04 Leverkusen 2:2 (0:0), Tore: 0:1 Kerem Demirbay (49.), 1:1 Suat Serdar (56.), 2:1 Marco Richter (74.), 2:2 Patrik Schick (79.)

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(Foto: Andreas Gora/dpa)

Vor ein paar Jahren erzielte Bayer 04 in zwei Gastspielen in der Hauptstadt mal sechs und dann fünf Tore. Das sind Werte, von denen sie derzeit nur träumen können, allen voran Trainer Gerardo Seoane, der so dringend ein Erfolgsergebnis braucht. In einem Zusammenschnitt sah das gar nicht schlecht aus, was die Gäste ablieferten. Allerdings kamen die Außenspieler längst nicht so zur Geltung wie in der Vorsaison, und weil die Hertha mutiger und genauer agierte als in den vergangenen Spielzeiten, entwickelte sich eine muntere Partie mit Chancen auf beiden Seiten.

Das Führungstor für die Gäste kurz nach der Pause - Demirbays traumhafter Freistoß in den Winkel - änderte die Statik der Partie nicht wie gedacht, weil Leverkusen sogleich wackelte: Zwei schnelle Pässe der Berliner in die Spitze genügten, um die Gäste auszuhebeln und Überzahl im Strafraum herzustellen, Serdar vollendete zum 1:1 und blieb dabei cool, viel cooler als auf der anderen Seite Patrick Schick, der im Eins-gegen-eins das 1:2 (62.) verpasste.

So schlug die Minute des vom Krebs genesenen Berliners Marco Richter. Schon in der Vorwoche war ihm ein Treffer beim 2:0 in Augsburg gelungen, diesmal traf er mit einem unwirklich schönen Fernschuss zum 2:1. War's das für Seoane? Vermutlich (noch) nicht, weil Patrick Schick beim dritten Versuch doch traf - und weil ein Handspiel des Leverkuseners Kossonou nicht mit einem Strafstoß bestraft wurde (82.). Im achten Pflichtspiel der Saison blieb der Werksklub erst zum zweiten Mal ohne Niederlage. Ob das für den Trainer reicht? Es wäre sicher leichter gewesen, hätte Schick seine vierte Großchance in der Nachspielzeit (90.+4) genutzt.

TSG 1899 Hoffenheim - FSV Mainz 05 4:1 (0:0), Tore: 1:0 Andrej Kramaric (53.), 2:0 Grischa Prömel (69.), 3:0 Munas Dabbur (80.), 3:1 Dominik Kohr (83.), 4:1 Pavel Kaderábek (90.+2) - Besondere Vorkommnisse: Rote Karte Alexander Hack (Mainz) nach einer Notbremse (41.), Kramaric schießt Foulelfmeter neben das Tor (44.)

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(Foto: Sascha Meiser/Jan Huebner/Imago)

Vor dem Spiel war klar, mindestens eine Serie würde reißen: Mainz 05 gewann bislang alle drei Auswärtsspiele in dieser Saison, die Hoffenheimer holten sechs Punkte aus ihren zwei Auftritten zu Hause. Dass es letztlich die Mainzer waren, die sich trotz der mehr als viertausend mitgereisten Fans geschlagen geben mussten, hatte vor allem mit einer Aktion in der 41. Minute zu tun. Innenverteidiger Alexander Hack sah nach einer Notbremse die rote Karte, außerdem entschied Schiedsrichter Daniel Schlager auf Elfmeter.

Den verschoss Andrej Kramaric zwar genau wie am zweiten Spieltag gegen Bochum, nach Wiederanpfiff aber waren die Gastgeber dank Überzahl die klar bessere Mannschaft. Die Tore durch Kramaric, Grischa Prömel und Munas Dabbur waren allesamt folgerichtig und darüber hinaus ziemlich sehenswert. Dominik Kohr für Mainz und Pavel Kaderabek sorgten für den Endstand.

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(Foto: Benjamin Westhoff/Reuters)

FC Schalke 04 - VfL Bochum 3:1 (1:0), Tore: 1:0 Drexler (38.), 1:1 Hofmann (51.), 2:1 Masovic (73. Eigentor), 3:1 Polter (90.+6)

Aufsteiger FC Schalke 04 ist im kleinen Revierderby gegen den VfL Bochum der erste Saisonsieg gelungen. Die Königsblauen gewannen am Samstagabend mit 3:1 (1:0) und machten in der Tabelle einen Sprung auf Platz zwölf. Bochum bleibt nach der sechsten Niederlage im sechsten Ligaspiel punkt- und sieglos Letzter. Dominick Drexler (38.) brachte Schalke in Führung. Philipp Hofmann (51.) glich zunächst aus, ehe Bochums Erhan Masovic (73.) die Gastgeber mit einem Eigentor wieder nach vorne brachte. Sebastian Polter (90.+6) sorgte für die Entscheidung.

Der extrovertierte Bochumer Keeper Manuel Riemann war vor 62.041 Zuschauern früh gefordert, hatte aber auch Glück, als Simon Terodde ihn aus kurzer Entfernung anschoss (7.). Die Gäste hatten zunächst große Probleme, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Schalke erkämpfte sich häufig schon im Mittelfeld den Ball, doch das Umschaltspiel gelang meist nicht präzise genug. Terodde zögerte zu lange und blieb an VfL-Verteidiger Masovic hängen (15.). Kamen die Bochumer allerdings in die Nähe des Schalker Tores, wurde es gefährlich: Erst setzte Hofmann einen Kopfball knapp über die Latte (20.), dann verfehlte Simon Zoller im Nachschuss das Tor (22.). Die größte Chance hatte Zoller jedoch, als der Ball überraschend zu ihm durchrutschte, er ihn aber nicht traf (35.).

Beim Schalker Führungstor half Riemann mit, der einen Schuss von Marius Bülter direkt vor die Füße von Drexler abwehrte. Beim Ausgleich herrschte zunächst Verwirrung: Das Team um Schiedsrichter Felix Zwayer, der sein 200. Bundesligaspiel leitete, entschied zunächst auf Abseits. Nach Videobeweis wurde der Treffer aber doch - zu Recht - anerkannt. Erst danach wurde Schalke wieder aktiver. Unter Druck fälschte Masovic einen Schuss von Tobias Mohr ins eigene Tor ab. Und tief in der Nachspielzeit gelang dem eingewechselten Sebastian Polter das erlösende 3:1. (sid, dpa)

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