FC Bayern in der Einzelkritik:Pavard bierduscht Nagelsmann

Lesezeit: 4 min

Der Verteidiger geht zweimal ins Risiko gegen Dortmund. Manuel Neuer baut seinen Titel-Vorsprung auf den BVB aus - und Joshua Kimmich macht das Spiel heiß. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Tim Brack

Manuel Neuer

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Ja gut, der Torhüter war schon dabei, als diese Meisterschafts-Serie der Bayern begann. Eine mittelgroße Ewigkeit also in einem Sportlerleben, aber tief im Herzen ist Neuer weiterhin Schalker. Die Aussicht auf eine Meisterfeier gegen den BVB dürfte also besonders verlockend für ihn gewesen sein. Konnte den Dortmunder Can beim Elfmeter nicht ärgern, sprang ins falsche Eck. Versperrte dann aber Reus geschickt den Weg und sah noch den ein oder anderen BVB-Angriff auf sich zurollen. Baut seinen Meisterschafts-Vorsprung auf den gesamten Klub Dortmund weiter aus: 10:8 steht es nun. Feierte diesen Umstand mit einer Papp-Meisterschale.

Benjamin Pavard

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(Foto: Revierfoto/Imago)

Spielt den Rechtsverteidiger normalerweise wie die Bayern Meisterschaften gewinnen: sehr routiniert. Auch gegen den BVB zunächst mit großer Ruhe. Hatte einmal Glück, als er ohne Gelb davonkam nach einem Foul an Julian Brandt. Als das Spiel nach dem Dortmunder Anschlusstreffer Fahrt aufnahm, ließ er sich von Bellingham im Strafraum austanzen. Der Franzose riskierte alles, grätschte von hinten und erwischte erst viel Bellingham, dann ein bisschen Ball. Für einen Strafstoß reichte das nicht, entschied Schiedsrichter Siebert. Wohl eine Fehleinschätzung. Ging dann noch mal ins Risiko: Bierduschte Trainer Julian Nagelsmann als Erster. Der VAR prüft die Aktion.

Dayot Upamecano

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(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Hat in seiner ersten Meister-Saison gezeigt, dass er immer für einen Riesenbock gut ist. Bekam es bei der Krönung mit einem der gefährlichsten Stürmer Europas zu tun: Erling Haaland. Verbrachte angesichts dieses Umstands eine recht ereignislose erste Hälfte. Musste sich dann aber auf ein ganz anderes Spiel einstellen. Ständige Zweikämpfe und Sprintduelle standen auf dem Programm. Machte seine Sache gut angesichts der Mehrbelastung. Drängte Haaland einmal erfolgreich ab, und lenkte den Ball ins Aus, kam ein-, zweimal in letzter Sekunde. Blieb ohne einen Riesenbock und hielt Haaland bei null Toren.

Lucas Hernandez

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(Foto: Matthias Schrader/AP)

Ist der Münchner Serienmeister im Grätschen. Keiner im Kader liebt den gepflegten Zweikampf mehr als Hernandez. Holte sich folgerichtig stehende Ovationen ab, als er gegen Marco Reus in Höchsttempo in großer Not zur Rettungsgrätsche abhob - und den Ball traf. Teilt nicht nur aus, musste auch einstecken, als er die Fäuste von BVB-Keeper Hitz bei einer Ecke ins Gesicht bekam. Schüttelte sich und spielte weiter. Muss sich bei den Bierduschen-Feierlichkeiten mit dem Grätschen zurückhalten.

Alphonso Davies

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Bekam ganz schön was ab: Erst einen Schubser von Emre Can, dann Pfiff Siebert direkt neben seinem Ohr, Julian Brandt tunnelte ihn. Das alles blieb ohne große Folgen. Konzentrierte sich dann auf seine Tempoläufe, kam aber selten zu den großen Aktionen, weil viel über Bayerns rechte Seite ging. Im Zweikampfverhalten auch ausbaufähig.

Joshua Kimmich

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Bekannt als emotionaler Heißmacher bei den Bayern. Machte in der zweiten Hälfte dann ungewollt das Spiel heiß, als er Marco Reus im Strafraum foulte und damit den Anschlusstreffer verursachte. Gab zuvor einen besseren Ballfänger, der den ein oder anderen Dortmunder Expressangriff stoppte. Leitete mit seiner Balleroberung auch das Münchner 2:0 ein. Ist mit seinen Mitspielern und sich selbst bekanntlich immer kritisch. Dürfte nach dieser Partie nicht zufrieden mit sich sein - aber vielleicht ist er nach der Meisterschaft ja auch etwas milder gestimmt. Sicher kann man sich nicht sein.

Leon Goretzka

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Noch so ein Ex-Schalker, der gerne gegen Dortmund gewinnt. Ließ unter anderem den englischen Nationalspieler Jude Bellingham spüren, dass Ruhrpott-Härte größer ist als englische Härte. Nicht nur mit Zweikämpfen beschäftigt. Vor allem in der Anfangsphase der liebste Passpartner von Serge Gnabry, bereitete ihm dann auch nach einer Ecke per Kopf ein Tor vor. Konzentrierte sich später wieder auf die Kernkompetenz Zweikampf. Lieferte sich ein kleines Scharmützel mit Emre Can. Tauchte selbst noch mal vor dem Tor auf, stand aber im Abseits. Es wäre der passende Abschluss zu einer herausragenden Leistung gewesen.

Serge Gnabry

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(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Vom Anpfiff weg zeigte sich: Wo Gnabry ist, ist Gefahr. Auf der rechten Seite kaum einzufangen von den Dortmundern. Schoss folgerichtig auch das 1:0. Hatte aber auch mehr Zeit als bei einem Strandbad-Kick, um den Ball aus der Luft in den Winkel zu schicken. Gnabry blieb auffällig. Es war, als wollte er zeigen: In Sachen Vertragsverlängerung gibt es zwar Redebedarf, aber in Sachen Meisterschaft will ich nicht verhandeln. Schoss noch ein Abseitstor. Provozierte dann den Ballverlust von Dan-Axel Zagadou, der zum 2:0 führte. In der zweiten Hälfte nicht mehr so auffällig, musste nach 63 Minuten leicht angeschlagen vom Platz. Für ihn kam Jamal Musiala.

Thomas Müller

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(Foto: Matthias Schrader/AP)

Hat nun seine elfte Meisterschaft und dadurch David Alaba abgehängt als Bayern-Spieler mit den meisten Bundesliga-Titeln. Müller machte gegen den BVB klar, dass die Titeljagd noch lange nicht beendet ist. Trieb an, trieb sich herum, trieb den BVB mit schlauen Pässen zur Verzweiflung. Einer davon landete bei Robert Lewandowski, der das zweite Tor schoss. Nicht mehr ganz so dominant als der BVB erstarkte, trotzdem noch mal selbst gefährlich, aber auch mit einer gefährlichen Vorlage für Haaland. Holte sich kurz vor Schluss seinen persönlichen Applaus ab, für ihn kam Marcel Sabitzer.

Kingsley Coman

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Ist für seine Schnelligkeit gefürchtet. Es war also nicht verwunderlich, dass Marius Wolf den Ball zu Serge Gnabry passte, als Coman angerauscht kam. Der Franzose stand zuvor allerdings im Abseits, deshalb zählte Gnabrys Treffer nicht. Coman war dann stehts bemüht, aber nie so gefährlich wie sein Flügel-Compagnon Gnabry. Hat trotzdem jede Meisterschaft gewonnen, seit er in München ist.

Robert Lewandowski

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(Foto: Revierfoto/Imago)

Holt nicht nur Titel in Serie, liefert ebenso zuverlässig Transfer-Schlagzeilen. War das seine letzte Meisterschaft mit den Münchnern? Die Verhandlungen laufen. Ist solche Unwägbarkeiten gewohnt, lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Tunnelte bei seinem 33. Saisontor BVB-Ersatztorwart Marwin Hitz. Kam auch seinem 34. Tor näher, schoss zweimal ungenau und scheiterte einmal an einem Superreflex von Hitz. Das zweite Tor lag in der Luft, kam aber nicht zustande - wie seine Wechsel zu Real Madrid.

Einwechselspieler

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(Foto: Kerstin Joensson/AFP)

Jamal Musiala kam für Thomas Müller und machte das, was er zuletzt immer getan hatte: beschleunigte das Bayern-Spiel. Machte die Meisterschaft dann zu, als er zum 3:1 traf. Auch Marcel Sabitzer, der Musialas Tor vorbereitete, durfte sich noch für die Bierduschen warmlaufen, genauso wie Leroy Sané, Niklas Süle und Eric Maxim Choupo-Moting.

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