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Bundesliga:Bayerns neue Hierarchie aus Zement

16 Minuten Einsatzzeit gegen Stuttgart: Bayerns James Rodríguez.

(Foto: AFP)
  • In der Hinrunde setzte Bayern-Trainer Niko Kovac noch auf Rotation.
  • Allerdings kamen in der Krise dezente Hinweise aus Mannschaft und Klubführung, dass die Rotation auch ihren Anteil am fehlenden Erfolg habe.
  • Nun variiert Kovac seine Startelf nur noch selten, doch das birgt neues Konfliktpotenzial.

Ein untrügliches Zeichen, dass ein Fußballtrainer kaum auf einen Spieler setzt, ist es, wenn er über ihn nicht als Fußballer spricht. Sondern über ihn als Menschen. Erst am Freitag zum Beispiel hatte Niko Kovac, der Trainer des FC Bayern, über James Rodríguez gesprochen, hängen geblieben ist, dass der Kolumbianer "ein toller Junge" sein muss. Ein nettes Kompliment, aber wo muss James nun in der internen Hierarchie eingeordnet werden, zum Beispiel im Vergleich zu Sandro Wagner? Das markanteste Zitat, das von Kovac über Wagner überliefert ist, ist jenes, dass Wagner "ein feiner Kerl" sei.

Am Sonntag spielte der FC Bayern gegen den VfB Stuttgart, den Drittletzten, gegen einen Gegner also, den Trainer gerne dazu nutzen, um Spielern eine Chance zu geben, die sie sonst eher vernachlässigen. James, dieser tolle Junge, spielte 16 Minuten lang, aber über ihn hatte Kovac am Freitag ja auch gesagt, dass er "ein absoluter Top-Fußballer" sei. Wagner, dieser feine Kerl, saß auf der Tribüne.

4:1 (1:1) gewann der FC Bayern gegen Stuttgart, doch dieses Spiel war zu durchwachsen, um ernsthaft Aufschluss geben zu können über die Chancen des FC Bayern im Titelrennen. Sehr wohl gab es aber Aufschluss darüber, wie Niko Kovac dieses Titelrennen angeht: mit einer komplett neuen Version seiner selbst.

Für Kovac zahlt sich die Treue zunächst aus

In der Hinrunde hatte Kovac noch auf eine Hierarchie verzichtet, er hatte leidenschaftlich rotieren lassen. Mal wechselte er fünf Spieler aus, mal sechs, mal sieben - hätte er nicht zwischendurch so viele Verletzte gehabt, hätte er vielleicht auch zehn Spieler ausgetauscht. Warum aber Kovac gewechselt hatte, war nicht immer klar gewesen, auch die Spieler fragten sich gelegentlich, nach welchen Kriterien umgestellt wurde. Einmal, gegen Augsburg, stand sogar Wagner in der Startelf. Kovac begründete die Wechsel damit, dass sich nur so die Belastung steuern lasse. Im Herbst, in der tiefen Krise, gab es dann dezente Hinweise aus Mannschaft und Klubführung, dass die Rotation auch ihren Anteil am fehlenden Erfolg habe. Zum Jahresende erklärte Klubboss Karl-Heinz Rummenigge: "Ich bin kein Freund der Rotation." Und er bemängelte, dass die Hierarchie "etwas verschwommen" gewesen sei.

Kovac, der ja selbst nicht nur ein feiner, sondern auch ein pfiffiger Kerl ist, reagierte auf diese gar nicht mal mehr sonderlich dezenten Hinweise, indem er eine Hierarchie zementierte.

Schon vor Weihnachten hatte er seine Startelf kaum variiert, in der Rückrunde setzte er nun in beiden Partien auf eine identische Aufstellung. Vordergründig zahlt sich diese Treue aus, der Sieg gegen Stuttgart war der siebte in Serie. Er war allerdings auch, wie der am Spieltag zuvor in Hoffenheim, nicht durchgehend souverän. Die fußballerische Leistung seiner Elf wollte Kovac daher auch lieber nicht allzu detailreich analysieren. Mit Blick auf die sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer Dortmund sagte er: "Abhaken, Spiel gewonnen, dran geblieben, weiter geht's."

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