Joshua Kimmich:Ungeimpft im Fokus

Joshua Kimmich (FC Bayern Muenchen) und Diadie Samassekou (TSG 1899 Hoffenheim). Deutschland, Muenchen, 23.10.2021, Fus

Joshua Kimmich am Samstag im Zweikampf mit Hoffenheims Diadie Samassekou

(Foto: Peter Hartenfelser/imago images)

Nationalspieler Joshua Kimmich bestätigt, dass er sich noch nicht hat impfen lassen und wirft damit einige Fragen auf, auch zu einer eigenen Spenden-Initiative.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Joshua Kimmich hatte die Ehrenrunde in der Münchner Arena hinter sich nach dem 4:0 gegen die TSG Hoffenheim, die Fans hatten ihn wie die ganze Mannschaft gefeiert für den nächsten Sieg des FC Bayern in dieser Saison, doch nun lag die vielleicht komplizierteste Aufgabe des Tages noch vor ihm. Er redete zunächst mit dem Münchner Klub-Sprecher Dieter Nickles, dann ging er in Richtung der Interviewzone am Rande des Spielfelds. Kimmich musste nun über seinen Impfstatus sprechen.

Es gibt gerade kaum sportliche Probleme im engeren Sinne beim deutschen Rekordmeister, dafür war der Erfolg gegen Hoffenheim der nächste von bereits einigen Belegen in dieser noch jungen Saison. Doch dass es deshalb problemfrei zugeht beim FC Bayern, das kann man auch nicht sagen. Da ist die drohende sechsmonatige Gefängnisstrafe für Verteidiger Lucas Hernández wegen der Missachtung eines Gerichtsurteils in Spanien, die er womöglich schon in der kommenden Woche antreten muss, wenn nicht vorher zu seinen Gunsten über eine Berufung entschieden wird. Da ist außerdem die Corona-Infektion von Trainer Julian Nagelsmann trotz vollständigem Impfschutz, wegen der er zunächst das Champions-League-Spiel in Lissabon und am Samstag auch die Partie in der Bundesliga verpasste, Assistent Dino Toppmöller vertrat ihn an der Seitenlinie.

Im Zuge von Nagelsmanns Infektion kam dann beim FC Bayern auch ein Aspekt zur Sprache, der gerade viele Bundesligisten umtreibt: Einige Fußballer in der Liga sind noch nicht geimpft und setzen sich so nicht nur einem höheren Infektionsrisiko, sondern auch der Gefahr einer möglichen Quarantäne von 14 Tagen aus - und müssen regelmäßig getestet werden. Am Freitag berichtete die Bild-Zeitung, das zu jenen Fußballern des deutschen Meisters, die noch nicht geimpft sind, auch der Nationalspieler Kimmich gehört. Ausgerechnet Kimmich, so lautete die naheliegende Interpretation: Im vergangenen Jahr hatte er gemeinsam mit seinem Teamkollegen Leon Goretzka die Spenden-Initiative "We Kick Corona" gegründet.

Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, solle jeder haben, sagt Kimmich

Die Haltung von Kimmichs Arbeitgeber zum Thema ist ziemlich eindeutig: Schon unter der Woche hatte sich Nagelsmann in einer Videopressekonferenz aus der häuslichen Isolation für das Impfen ausgesprochen. "Wir plädieren dafür, dass man es macht", sagte er. Den Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften könne man in den Kliniken sehen. "Es gibt keinen Zwang, sondern eine Empfehlung, und die sprechen wir aus." "Der FC Bayern empfiehlt, sich impfen zu lassen, genauso wie ich persönlich", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Sky-Interview vor dem Hoffenheim-Spiel. Kimmich, kündigte er an, werde sich nach dem Spiel äußern.

"Ja, das stimmt", bestätigte der dann zunächst: Er sei noch nicht geimpft. "Weil ich einfach für mich persönlich noch ein paar Bedenken habe, gerade was fehlende Langzeitstudien betrifft", so begründete er seine Haltung. Trotzdem sei er sich seiner Verantwortung bewusst, halte sich an die Hygienemaßnahmen und werde ja auch regelmäßig getestet. Den Widerspruch in Bezug auf seine Initiative konterte er damit, dass es bei "We Kick Corona" darum gehe, Personen zu unterstützen, "die durch Corona in Not geraten sind". Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, solle jeder haben.

Er selbst, sagte Kimmich, sei weder ein "Corona-Leugner" noch ein "Impfgegner". Er lehne die Impfung auch nicht "kategorisch" ab. Dass er sich in Zukunft impfen lasse, sei "sehr gut möglich". Doch er baute auch immer ein paar Aber in seine Antworten ein: Es gebe ja auch Impfdurchbrüche, betonte er zum Beispiel.

Auch der Cheftrainervertreter Toppmöller beantwortete in der Pressekonferenz noch eine Frage zum Thema. "Jeder Spieler hat die Möglichkeit gehabt, mit unserem Internisten darüber zu reden, wie die Risiken sind." Zur Entscheidung von Kimmich, sich nicht impfen zu lassen, sagte er: "Das respektiere ich." Damit sei das Thema für ihn erst mal erledigt. Doch den FC Bayern dürfte es noch einige Zeit begleiten.

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06.10.2021, FC Bayern Training, Fussball, im Bild: Trainer Julian Nagelsmann (FCB) *** 06 10 2021, FC Bayern training,

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