Bundesliga: FC Bayern:Froh über die Chance

Lesezeit: 3 min

Das Problem dabei: Der FC Bayern führt nicht souverän die Tabelle der Bundesliga an, der Verein darf sich nicht mehr viele Ausrutscher leisten, um sich nicht schon vor dem Weihnachtsfest eingestehen zu müssen, das Klassenziel nicht erreichen zu können. Und nun haben es jene Sorgenkinder ermöglicht, dass die Münchner in den vergangenen fünf Pflichtspielen vier Siege und ein Unentschieden erreicht haben.

Es ist bezeichnend, dass in dieser für den Verein schwierigen Zeit eben nicht die Stammkräfte Philipp Lahm und Thomas Müller - beide am Freitag mit dürftigen Vorstellungen - das Spiel des FC Bayern prägen, sondern Nebendarsteller wie Pranjic, Demichelis oder Timoschtschuk. Der einzige Stammspieler, der nicht verletzt oder außer Form ist, scheint derzeit Bastian Schweinsteiger zu sein.

Die Protagonisten dieser Partie gaben allesamt zu Protokoll, wie froh sie darüber seien, eine Chance erhalten und diese auch genutzt zu haben. Der gemeinhin zur Melancholie neigende Demichelis gab gar eine Liebeserklärung an den Verein ab: "Ich bin seit acht Jahren hier, ich liebe München. Und wenn ich mich verabschieden muss, dann nicht negativ." Sollte sich die Verletzung von Badstuber als schwerwiegender herausstellen, dann stehen die Chancen des Argentiniers auf einen Einsatz beim Champions-League-Spiel gegen Cluj nicht allzu schlecht.

Freilich würde der gestrenge van Gaal niemals einen Satz sagen wie: "Ich habe mich geirrt, als ich diese Spieler auf die Bank gesetzt habe - und nun bin ich heilfroh, dass sie so gut spielen und wir gewinnen." Er sagt lieber Sätze wie diesen, als er auf Demichelis angesprochen wurde: "Wer hat ihn denn aufgestellt? Wer hat ihn beim Eckball dorthin beordert? Und wer hat dafür gesorgt, dass Pranjic den Eckball dorthin schlägt?"

Man solle auch die Leistung der Sorgenkinder nicht überbewerten: "Pranjic hat in den ersten 20 Minuten viele Fehlpässe gespielt, außerdem haben wir zwei Tore bekommen." Immerhin erkannte van Gaal an, dass Pranjic die ersten drei Treffer der Münchner vorbereitet hatte und auch Timoschtschuk beschied er, "hervorragend gespielt" zu haben. Das sei jedoch eine Selbstverständlichkeit: "Das ist Spitzensport. Ein Spieler muss jeden Tag etwas leisten - und wenn einer nichts leistet, dann spielt ein anderer."

Man war versucht zu fragen: Wer denn?

Aber Louis van Gaal war trotz des überzeugenden Sieges wütend - er wetterte am Ende der Pressekonferenz gar gegen einen Journalisten, der es gewagt hatte, nach der kurzfristigen Zukunft von Demichelis zu fragen, dass man sich diese Frage lieber verkniff. Ohnehin hatte van Gaal einen Rat für die Berichterstatter: "Was diese Spieler leisten, bei drei Spielen pro Woche, das ist unglaublich! Darüber müssen sie berichten!" Jawohl, Herr van Gaal, wird gemacht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema