Süddeutsche Zeitung

FC Bayern in der Einzelkritik:Geschmeidig, geschmeidiger, Musiala

Lesezeit: 3 min

Der 19-Jährige glänzt als auffälligster Münchner. Alphonso Davies ist auf beiden Seiten gefährlich - und Sadio Mané sehr höflich. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Sebastian Fischer

Manuel Neuer

Wie soll man das jetzt ausdrücken, ohne dass es komisch klingt? Wenn es einen Bayern-Spieler gibt, der etwas wacklig in die Saison startet, dann der eigentlich niemals wackelnde Kapitän. Verunglücktes Dribbling samt Gegentor beim 6:1 in Frankfurt, Fehlpass ins Aus gegen Wolfsburg. Okay, das ist dann aber auch schon das Ende dieser beeindruckenden Reihe an Fehlern.

Benjamin Pavard

Zu Beginn zweimal von Wolfsburger Angriffen überrumpelt, der Gegner schien sich die rechte Münchner Abwehrseite für seine Konter ausgeguckt zu haben. Dass sich dort eine Schwachstelle verbergen soll, ist diese Saison allerdings wegen Pavards starker Frühform ein Gerücht. War gegen Wolfsburg wie in Frankfurt und beim Supercup in Leipzig (jeweils ein Tor) auch vorne gefährlich, traf per Kopf die Latte - und gibt Julian Nagelsmann bislang noch keinen Grund, den für rechts hinten verpflichteten Noussair Mazraoui zu bringen.

Dayot Upamecano

Noch ein Münchner Abwehrspieler, der sich dagegen wehrt, seinen Platz für einen Zugang herzugeben. Matthijs de Ligt saß auf der Bank, über 90 Minuten. Und Upamecano, jüngst von Nagelsmann gelobt, verteidigte wieder solide.

Lucas Hernández

Sah nach einer Viertelstunde nach einem Foul gegen Patrick Wimmer eine frühe gelbe Karte, und man dachte kurz: Das könnte nun vielleicht so ein typisches Hernández-Spiel werden, in dem er mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigt und zur Sicherheit früh ausgewechselt wird. Doch auch Hernández ist in beeindruckend starker Form. Er spielte durch.

Alphonso Davies

In der ersten Hälfte an allen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt, wirklich an allen: Verlängerte den Ball früh an den eigenen Pfosten. Spielte dann nach einer Umstellung von Nagelsmann noch konsequenter als sonst als Flügelangreifer, um die wie giftgrüne Knetmasse die Mitte versperrende Wolfsburg-Abwehr mehr und mehr auseinanderzuziehen. Leitete prompt dribbelnd, sprintend und klug passend 1:0 und 2:0 ein.

Joshua Kimmich

Hat in dieser Saison die schöne Aufgabe, die Münchner Angreifer, also die "Pfeile von überall" (Domenico Tedesco), mit seinen Pässen Richtung Tor zu schicken. Mal gechippt, mal mit Druck, mal als Flugball. Oder, wie gegen Wolfsburg, mit einem Schuss, aus dem eine Torvorlage wird (siehe: Thomas Müller).

Marcel Sabitzer

Ist als Vertretung des verletzten Leon Goretzka zur Unterstützung an Kimmichs Seite und wirkt nach wie vor wie ein Doppelgänger jenes Spielers namens Sabitzer aus der Vorsaison, der sich kaum riskante Pässe zutraute. Gewann gegen Wolfsburg wieder viele Zweikämpfe, schoss dreimal aufs Tor und bewies taktische Variabilität, wenn er die linke Seite für Davies absicherte.

Thomas Müller

Zweites Saisonspiel, zweite typische Müller-Aktion. Diesmal nicht wie gegen Frankfurt mit Bauchlandung beim Pfostenschuss, sondern mit dem richtigen Schritt in einen Kimmich-Schuss hinein - Müllers erstes Saisontor, nachdem er in Frankfurt dreimal vorbereitet hatte. Das erste Tor durch Musiala bereitete er diesmal übrigens auch mit vor.

Jamal Musiala

Es dauerte nur zehn Minuten bis zu seinem ersten Tanz mit dem Ball an diversen überforderten Wolfsburgern vorbei, für die erhöhte Schwierigkeit diesmal an der Außenlinie. Und es dauerte nur etwas mehr als eine halbe Stunde bis zu seinem dritten Saisontreffer: Mitten im Fallen stand er wieder auf, wie auch immer das geht, kontrollierte den Ball, schoss ihn unhaltbar in die Ecke. Außerdem: Drehungen, Hackentricks, Sonderapplaus bei seiner Auswechslung. Musiala, 19, ist gerade wohl Deutschlands geschmeidigster Fußballspieler.

Serge Gnabry

Gnabry spielte in den vergangenen Wochen auch bereits hervorragend im neuen System ohne Robert Lewandowski. Diesmal etwas unauffälliger, zur Pause gegen Leroy Sané ausgewechselt.

Sadio Mané

Wartete sehr höflich, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, als minutenlang überprüft wurde, ob er sein zweites Saisontor zum vermeintlichen 3:0 erzielt hatte. Zählte dann nicht, weil Vorbereiter Müller im Abseits gestanden haben soll. Aber Mané hatte trotzdem Spaß an seinem zweiten Bundesliga-Spiel gegen die nächste tendenziell überforderte Abwehr. Hätte in der ersten Halbzeit auch schon treffen können, schlug aber einen Haken zu viel. Vielleicht aus Höflichkeit.

Einwechselspieler

Leroy Sané kam für die zweite Halbzeit für Gnabry und konnte sich wohl ein bisschen zu wenig zeigen, um demnächst Anspruch auf einen Startelf-Platz zu haben. Später kamen auch Mathys Tel und Ryan Gravenberch.

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