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FC Bayern:Turbulente Tage in München

Eintracht Frankfurt - Bayern München

Frust bei Manuel Neuer: Der Torhüter hatte schon wieder eine wacklige Defensive vor sich.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Das 1:2 der Bayern in Frankfurt ist die nächste mäßige Leistung in der Bundesliga. Der Titelkampf ist wider Erwarten wieder offen - falls Leipzig am Sonntag gewinnt.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Irgendwann lag es nahe, an einen Tag im November 2019 zu denken. Gewiss, die Unterschiede zwischen damals und heute sind natürlich riesig, die Rahmenbedingungen, die Tabellen- und die Saisonsituation, auch die Leistung und die Zusammenstellung der Mannschaft. Aber dennoch: Frankfurt ist irgendwie eine Chiffre für Münchner Verwundbarkeit geworden.

Damals, im November 2019, verlor der FC Bayern mit 1:5, es war das letzte Dienstwochenende von Niko Kovac als Trainer, und kurz darauf übernahm Hansi Flick, um die beeindruckende Sextuple-Spielzeit einzuläuten. Am Samstag war es nur ein 1:2 (0:1), ein knappes, aber auch ein verdientes. Das wird natürlich zu keinerlei Konsequenzen auf dem Trainerposten führen, aber es hat zumindest die Folge, dass die Bundesliga wider Erwarten noch einmal spannend geworden ist.

Noch vor zwei Wochen betrug der Vorsprung des FC Bayern auf die Konkurrenz sieben Punkte. Nun können die Leipziger mit einem Sieg am Sonntag bei Hertha BSC auf zwei Zähler an die Münchner herankommen, und das direkte Duell der beiden Spitzenklubs ist erst für Anfang April terminiert. "Die ganze Saison ist anstrengend, wir spielen jeden dritten Tag, die Spieler sind natürlich beansprucht", sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Samstagabend im ZDF.

Flick gehen die Spieler und Alternativen aus

In gewisser Weise war diese Niederlage in Frankfurt eine mit Ansage gewesen. Schon die vergangenen Leistungen in der Liga waren ja eher mäßig gewesen, beim mühevollen 1:0 in Berlin vor zwei Wochen ebenso wie beim gerade so erkämpften 3:3 gegen Bielefeld am Montag. Dazwischen lag die Klub-WM, die zwar den nächsten Titel brachte, aber auch eine strapaziöse Reise. Dazu kamen diverse Corona- und Verletzungsfälle von Thomas Müller bis Corentin Tolisso, der nach seiner Bein-Operation mehrere Monate ausfallen wird. Und nebenbei stand mit Frankfurt auch ein Gegner an, der seit Wochen zu den formstärksten der Liga gehört und sich auf einem Champions-League-Platz eingerichtet hat.

"Wir hatten turbulente Tage und sind auch nur Menschen. Wir müssen damit leben", sagte Trainer Hansi Flick also nach der Niederlage - auch wenn er kurz danach anmerkte, dass er die vielen Spiele nicht als Ausrede für das Ergebnis benutzen wolle. Aber dass ihm langsam die Spieler und die Alternativen ausgehen, das hat er zuletzt und auch am Samstag noch einmal betont.

Dennoch war es erstaunlich zu sehen, wie sich die Münchner am Samstag in Frankfurt in der ersten Hälfte präsentierten - so ähnlich wie schon gegen Bielefeld. Die Defensive, in der Jérome Boateng sein Comeback gab und Niklas Süle den Rechtsverteidiger-Part übernahm, offenbarte gigantische Lücken, die Frankfurts Offensivspieler Amin Younes und Filip Kostic bestens auszunutzen wussten. Im Mittelfeld fehlte es an Struktur, und vorne gab es etwas mehr als eine halbe Stunde lang quasi keine gute Tor-Gelegenheit. Insbesondere Leroy Sané fiel mit diversen schlampigen Aktionen auf.

Nach der Pause wandelt sich das Bild deutlich

So stand es nach Treffern von Daichi Kamada (12. Minute) und Amin Younes (31.) zur Pause korrekterweise 0:2, und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre sogar noch ein drittes Frankfurter Tor gefallen. "Wir haben nicht aus dem Bielefeld-Spiel gelernt. Da muss von Beginn an Aggressivität auf dem Platz sein. Das reicht nicht gegen eine solche Mannschaft", monierte Torwart Manuel Neuer.

Immerhin konnten Trainer Flick und seine Mannschaft hinterher darauf verweisen, dass sich nach dem Seitenwechsel das Bild deutlich wandelte - nicht zuletzt dank der Hereinnahme von Leon Goretzka, der zuletzt wegen einer Corona-Infektion pausiert hatte. Die Münchner waren nun klar besser als der Gegner, Robert Lewandowski gelang nach einem starken Dribbling von Sané mit seinem 26. Saisontor der Anschlusstreffer zum 1:2 (53.), und Goretzka sowie Kingsley Coman hatten noch eine gute Chance auf den zweiten Treffer.

Eintracht Frankfurt - Bayern München

Nach dem Dribbling von Leroy Sané ist Robert Lewandowski zur Stelle.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

"Wenn wir von Beginn an so gespielt hätten wie in der zweiten Halbzeit, hätte der Sieger Bayern geheißen", sagte Flick nach der Partie. Aber es war auch nicht so, dass seine Mannschaft bis zum Schluss im Minutentakt zu herausragenden Gelegenheiten gekommen wäre. Vielmehr hatte sie eine knappe Viertelstunde vor dem Abpfiff sogar noch Glück, dass sie überhaupt weiter auf eine Wendung im Spiel hoffen durfte.

Ein sehr eindeutiges Foul, aber kein Elfmeter für Frankfurt

Denn bei einem Konter der Eintracht trat Alphonso Davies dem eingewechselten SGE-Stürmer Ragnar Ache klar in die Hacken. Der fiel hin, Schiedsrichter Sascha Stegemann pfiff nicht, Ache blieb erstmal im Strafraum liegen, der Kölner Video-Keller prüfte, und als Ache wieder stand, gab es einfach nur Einwurf - dabei war es ein sehr eindeutiges Foul gewesen.

Er wolle das Positive aus diesem Spiel mitnehmen, sagte Flick - die gute Leistung der zweiten Hälfte. Die mögliche Umsetzung dieses Vorhabens steht schon bald an. Bereits am Dienstag geht der brutale Münchner Saison-Rhythmus ja weiter: mit dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Lazio Rom.

© SZ/tbr/and/fse
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