FC Bayern:Eine Abwehr aus der Suchmaschine

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Zum Arbeitsbeginn gut gelaunt: Dayot Upamecano (2.v.r.) zwischen dem Kollegen Michael Cuisance (li.) und dem neuen Co-Trainer Dino Toppmöller.

(Foto: Alexandra Beier/Getty Images)

Der Rekordmeister präsentiert die Zugänge Dayot Upamecano und Omar Richards und macht gleich klar, dass es kaum eine Eingewöhnungszeit für sie geben kann - die Personalprobleme sind zu groß.

Von Christof Kneer

Leider sitzt Uli Hoeneß nicht mehr auf solchen Podien, er hätte diesen Moment sehr genossen. Das alberne Internet lügt! Ja, er habe das auch schon mitbekommen, sagte Omar Richards am Dienstag schmunzelnd, dieser Eintrag stimme ganz und gar nicht. Er sei nicht 1,85 Meter groß, wie eine berühmte Suchmaschine behaupte. Eine andere Suchmaschine zeige dagegen 1,74 Meter an, das gehe eher "in die richtige Richtung". Bei den anderen relevanten Daten sind sich die Anbieter aber einigermaßen einig: Richards ist 23 Jahre alt und seit dem 1. Juli Lizenzspieler beim allen Suchmaschinen bekannten FC Bayern. Er spielte vier Jahre für den englischen Zweitligisten FC Reading, schoss in 92 Zweitligaspielen zwei Tore, geführt wird er als Linksverteidiger.

Der tendenziell 1,74 Meter große Engländer hat bisher also eine eher kleine Karriere gemacht, aber im Moment stehen die Chancen nicht schlecht, dass der junge Mann demnächst in Richtung 1,85 Meter wächst. Er könnte unerwartet schnell unerwartet groß rauskommen beim FC Bayern, umständehalber.

"Natürlich ist das gerade keine glückliche Situation", sagte am Dienstag der Sportvorstand Hasan Salihamidzic, und "klar, für den Trainer ist es auch nicht glücklich, dass gerade ein paar Stammspieler ausfallen". Aber "Dayot und Omar" seien "ja jetzt da".

Neben dem recht unbekannten Richards haben die Bayern auch den deutlich bekannteren Dayot Upamecano, 22, vorgestellt, dessen Anschaffung aus Leipzig sich die Münchner laut übereinstimmenden Meldungen des Internets etwa 42,5 Millionen Euro haben kosten lassen - eine Zahl, der Uli Hoeneß trotz der zweifelhaften Quelle kaum widersprechen würde. Wie bei all diesen Präsentationen wurde viel begrüßt (vom Verein), viel Freude gezeigt (von den neuen Spielern) und viel gelobt (vom Sportvorstand), aber aus aktuellem Anlass geriet das Thema der Veranstaltung doch ein bisschen breiter.

Trotz der Ausfälle will der FC Bayern nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig werden

Upamecano wisse, "dass er von Anfang an mit seinen Leaderqualitäten gefragt ist", sagte Salihamidzic etwa, und das war nicht einfach so als Begrüßungs-Lob dahingesagt. Es war Salihamidzic ernst mit diesem Satz, ernster vermutlich als ursprünglich geplant. Der FC Bayern hat ja nicht nur dauerhaft seine Abwehrspieler David Alaba (Real Madrid), Jérôme Boateng (auf Vereinssuche) und Javi Martínez (Qatar SC) eingebüßt, er muss auch ein paar kurzfristige Verlustmeldungen bearbeiten. Der Franzose Lucas Hernández (Einriss des Innenmeniskus im linken Knie) und der Kanadier Alphonso Davies (Außenbandriss im linken Sprunggelenk) sind mit Verletzungen von ihren Nationalteams zurückgekehrt, auf "vier bis sechs Wochen" taxiert Salihamidzic die Ausfallzeiten. Die sind zu kurz, um sich noch mal hinaus auf den Transfermarkt zu begeben, "das ist nicht das, was wir wollen", sagt Salihamidzic. Die Situation auf dem Markt sei zurzeit ohnehin "nicht einfach, wenn man sieht, wie einige Klubs investieren können. Gegen manche finanziellen Kräfte ist im Moment nichts zu machen". Die Verletzungen von Hernández und Davies seien "überschaubar", man werde versuchen, "die Zeit zu überbrücken".

Die beiden jungen Männer auf dem Podium sind nun also Teil des personellen Überbrückungskredits, den der FC Bayern in Anspruch nehmen muss, in unterschiedlichen Rollen. In der Rubrik "Akklimatisierungszeit" dürfen die Suchmaschinen bei Upamecano nun "null Tage" vermerken, der junge Franzose wird sofort den Abwehrchef geben müssen. Er solle "von hinten lautstark seine Kommandos" geben, sagt Salihamidzic, "das brauchen wir, und das weiß er auch". Ja, er werde "versuchen voranzugehen", sagte Upamecano artig, er dürfte immerhin davon profitieren, dass er den Trainer Julian Nagelsmann schon aus Leipzig kennt.

Nagelsmann möchte aus Hansi Flicks ewiger Viererkette ein flexibleres Gebilde machen

Auf einem höheren Anspruchsniveau teilt er damit das Schicksal von Omar Richards. Auch beim Linksverteidiger bleibt abzuwarten, ob er ein Profiteur der aktuellen Verletzungslage wird - oder ob die Risiken am Ende doch wuchtiger sind als die Chancen. Für ein paar Wochen ist Richards nun ein Monopolist in seiner Rolle, was eine gewisse Fallhöhe in sich birgt. Ja, er könnte sich aufdrängen und den Vollzeit-Linksverteidiger Davies und den Teilzeit-Linksverteidiger Hernández exzellent ersetzen; er muss es aber auch.

Es ist Teil der Hauspolitik, dass der Kader nicht besonders groß ist beim FC Bayern, der Kader misst in München eher 1,74 Meter als 1,85 Meter. Für den neuen Trainer bedeutet das, dass er am anspruchsvollsten Standort der Republik unter erschwerten Bedingungen startet. Eine neue Mannschaft baut man in der Regel von hinten auf, erst kommt das defensive Fundament, dann kommt alles andere. Ohnehin hat Nagelsmann mit der Abwehr große Pläne, er möchte aus Hansi Flicks ewiger Viererkette ein flexibleres Gebilde machen, aber er muss das erst mal mit reduziertem Personal. Niklas Süle und Benjamin Pavard befinden sich noch im EM-Urlaub und haben ohnehin eher durchschnittliche Monate hinter sich, womöglich muss Nagelsmann erst mal eine Abwehrkette knüpfen, die aus Bouna Sarr, Dayot Upamecano, Tanguy Nianzou und Omar Richards besteht. Des Weiteren steht noch der Hoffenheim-Rückkehrer Chris Richards zur Verfügung, der auf keinen Fall mit Omar Richards zu verwechseln ist. Weitere Details zu diesem Spieler kennen die Suchmaschinen im Internet.

© SZ/vk/ska
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