FC Bayern verliert erstes Heimspiel "Da sehe ich blöd aus"

Nach Ballgewinn gab es erst einmal einen Querpass, dann einen Rückpass und dann noch einen Querpass. Als dann alle Gladbacher wieder in Position waren, wurde das Spielgerät auf die Außenbahn gespielt und darauf gewartet, dass Müller und Robben schon etwas damit anfangen würden. Müller fing sehr viel mit dem Ball an, fand am Ende aber keine Abnehmer für seine Zuspiele. Robben fing eher weniger mit dem Ball an, ihm war deutlich anzumerken, dass er vor wenigen Tagen noch auf der Verletztenliste gestanden hatte.

Bastian Schweinsteiger (links) und Thomas Müller nach der Niederlage gegen Mönchengladbach: Angeschlagen nach dem ersten Spieltag.

(Foto: dpa)

Es war eindimensional und leicht zu durchschauen, das Spiel des FC Bayern - und es erinnerte beängstigenderweise an die langweiligeren Partien der Louis-van-Gaal-Ära. "Wir hätten schneller spielen müssen in Momenten, als Gladbach nicht gut positioniert war", sagte Trainer Jupp Heynckes nach dem Spiel, "eine gut formierte Gladbacher Elf muss man überraschen, auch mal aus dem Halbfeld flanken." So aber gelang den Gladbachern, was der FC Bayern in dieser Saison vorhatte: auch mal schmutzig mit 1:0 zu gewinnen.

Nun müssen die Münchner nach Wolfsburg, es bleibt ihnen jedoch kaum Gelegenheit, diese Niederlage aufzuarbeiten. "Bis auf vier Spieler reisen nun alle zu den jeweiligen Nationalmannschaften", sagte Heynckes, "erst am Donnerstag oder Freitag können wir wieder gemeinsam trainieren und und vorbereiten."

Sie wirkten angeschlagen, die Akteure des FC Bayern - so wie ein Boxer, dem vor dem Kampf ein leichter Sieg vorausgesagt worden war und der dann in der ersten Runde einen wuchtigen Wirkungstreffer des Gegners hinnehmen musste. "Jetzt ist das eingetreten, was wir vermeiden wollten: Wir laufen schon wieder hinterher", sagte Karlheinz Rummenigge. In seinem Tonfall war deutlich die Besorgnis zu erkennen, dass diese Spielzeit ebenso schwierig werden könnte wie die vergangene.

Vor allem Müllers Schimpftirade verdeutlichte die Sorge, den Optimismus aus der Vorbereitung nicht hinüber in die Saison retten zu können, weil das Spiel so sehr an die vergangene Spielzeit erinnerte. Auch da hatte es stets gute Vorsätze gegeben, die später beim Teufel waren. Gegner, die sich nur hinten reingestellt hatten. Gegentore, die aus dem nichts gefallen waren. Und dann eben Bayern-Spieler, die wütend ins Bett gegangen sind.

Freilich taugt die erste Partie der Saison noch nicht dazu, Schlüsse für die komplette Spielzeit zu ziehen - aber es war doch deutlich erkennbar, dass die Elf den Pragmatismus, den Heynckes ihr verordnen möchte, bislang noch nicht wirklich verinnerlicht hat. Es war zu sehen, dass der FC Bayern immer noch allzu sehr von kreativen Einfällen einzelner Spieler abhängig ist und noch nicht in der Lage ist, gruppendynamische Angriffe zu inszenieren.

Und die Zugänge Manuel Neuer und Jérôme Boateng erkannten, was es bedeutet, Torwart beziehungsweise Verteidiger beim FC Bayern zu sein: Es gibt zahlreiche Spiele, in denen es kaum spektakuläre Aktionen oder formidable Paraden braucht, sondern in denen es gerade einmal drei gefährliche Momente gibt - und man dazu verpflichtet ist, in diesen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.

Neuer und Boateng kommunizierten ungenügend miteinander, sie trafen die jeweils falsche Entscheidung und machten gemeinsam einen Fehler, der Gladbach den Siegtreffer ermöglichte. "Da sehe ich blöd aus", sagte Neuer nach dem Spiel. Das war dann doch, ohne Mario Gomez und Thomas Müller zu nahe treten zu wollen, eindeutig die trefflichste Erklärung dieses Abends.

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