Bundesliga Eine verrückte Idee: Schießt doch mal aufs Bayern-Tor!

Ein seltenes Bild: Bayern-Torwart Manuel Neuer ist defensiv gefordert.

(Foto: REUTERS)

Die Bundesliga scheint schon nach zwei Spieltagen vor den Münchnern zu kapitulieren. Gegenmittel gibt es wenige. Und die Transferbilanz der Bayern verspricht eine noch ödere Zukunft.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Einem darf man jetzt keinen Vorwurf machen: dem Spielplangestalter. Theoretisch hätte das ja was werden können. Hatte er doch ins Auftaktprogramm des FC Bayern ein paar Stolperfallen eingezogen. Erst ging's gegen den Dritten der Vorsaison (Hoffenheim), dann gegen den Zweiten der Rückrundentabelle (Stuttgart), und als Nächster kommt ein bis vor Kurzem noch hoch gehandelter Name: Leverkusen.

Sehr viel schwerer geht es hierzulande kaum. Der Spielplangestalter kann ja nicht Real Madrid, Juventus Turin und den FC Liverpool herzitieren, um ein bisschen Spannung zu importieren. Das Ding heißt weiterhin Bundesliga, und über diese wird die deutsche Meisterschaft vergeben. Sechs Mal in Serie nun schon an die Münchner - Monotonie, an der sich wohl nichts ändern wird. Ruft doch ein zentraler Darsteller bereits am zweiten Spieltag die Kapitulation aus: "Nicht nur dieses Jahr, sondern dieses, nächstes und übernächstes Jahr" werde der FC Bayern nicht zu stürzen sein. 2021/22 wäre damit jene Saison, in der die Münchner ihr Zehner-Titel-Serien-Abo komplett hätten.

Festgestellt hat dies Michael Reschke, und der trägt bekanntlich Mitschuld an der Dauerdominanz. Von 2014 bis 2017 arbeitete Reschke im Range eines Technischen Direktors an der Säbener Straße, im Volksmund bekannt als: der Kaderplaner. Einige jener Leute hat der 60-Jährige also noch mit ausgesucht, die Reschkes jüngstes Gebilde, den VfB Stuttgart, beim Nullzudrei ziemlich alt aussehen ließen. Verdrängt damit bereits jener hektische Holperstart, bei dem die Bayern ihr 3:1 gegen kernige Hoffenheimer auch der Hilfe des Videoassistenten zu danken hatten.

Würden Playoffs mehr Spannung bringen?

Was die Perspektive so furchterregend öde wirken lässt, ist zudem die Transferbilanz der Münchner. Nicht ein Cent wurde offiziell ausgegeben, stattdessen füllten circa 90 Millionen Euro durch vier Abgänge (Vidal, Costa, Rudy, Bernat) den prallen Festgeldspeicher. Auf diesen, die Älteren werden sich erinnern, war Uli Hoeneß einst so stolz wie Dagobert Duck auf ein ähnliches Modell in Entenhausen. Der jüngste Coup fürs Konto: Nationalspieler Leon Goretzka, der das 1:0 beim VfB erzielte, kam ablösefrei aus Schalke.

Was aber hilft? Jetzt, da die Münchner die Gegenwart beherrschen und für die Zukunft so liquide sind? Reschke kennt nur noch ein Gegenmittel, das sich injizieren ließe: Playoffs! Die ersten vier der Tabelle kegeln zum Saisonende den Meister aus! Neben dem Videoassistenten führt die Liga damit nach nur zwei Spieltagen bereits ihre zweite Strukturdebatte.

Beide Debatten werden bleiben, deshalb kurz zurück zum Sport. Wie wäre es, wenn die Leverkusener sich für Spieltag drei vornehmen, was dem VfB in seinem Heimspiel nicht gelang? Nur einmal, ein einziges Mal, auf das Bayern-Tor zu schießen? In dem, behauptet das Protokoll, soll Samstagabend ein gewisser Manuel Neuer den September begrüßt haben.

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