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FC Augsburg:Der Thron muss warten

04.10.2020, Volkswagen Arena, Wolfsburg, Ligaspiel, 1. Bundesliga, VfL Wolfsburg vs FC Augsburg, im Bild Florian Nieder

Nullnummer: Gleich ist Florian Niederlechner vorbei, aber ins Tor trifft der Augsburger nicht.

(Foto: Joachim Sielski/imago images)

Augsburg verpasst mit einem 0:0 in Wolfsburg den Sprung an die Tabellenspitze, erkämpft ohne den erkrankten Trainer Herrlich jedoch schon den siebten Punkt.

Von Thomas Hürner, Wolfsburg

Der Bundesliga-Thron stand bereit, zumindest vorübergehend, aber dieses kleine Stück bayerisch-schwäbisch Fußballgeschichte muss nun doch auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Am Sonntagnachmittag hätten es die Spieler des FC Augsburg selbst in der Hand gehabt, mathematisch und fußballerisch. Niemand hätte sie diesmal noch aus der Ferne von der Tabellenspitze schießen können, wie in der Vorwoche mit dem aus Augsburger Sicht hundsgemeinen Hoffenheimer Tor zum 4:1 gegen den FC Bayern. Hoffenheim hatte am Samstag seine bislang makellose Bilanz eingebüßt, auch RB Leipzig hat schon zwei Punkte liegen gelassen. So oblag es also allein dem kleinen FCA, seiner nun schon zehn Jahre währenden Bundesliga-Zugehörigkeit eine mindestens mittelgroße Erzählung hinzuzufügen.

Ein Sieg wäre dazu erforderlich gewesen, der dritte im dritten Saisonspiel. Aber das 0:0 beim VfL Wolfsburg genügte nicht für eine Augsburger Tabellenführung.

Manch einem Augsburger Kneipenbesucher dürfte nach dem Abpfiff ein nörgeliges "Mei, isch des biddr" entfahren sein, ausnahmsweise nicht wegen des gewöhnungsbedürftigen Biers der örtlichen Großbrauerei. Beim 0:0 gegen den VfL wäre für den FCA mit etwas Glück vielleicht mehr drin gewesen, wenigstens in der ansprechenden ersten Halbzeit. Andererseits: Der Augsburger gilt als genügsam und pragmatisch, und bei sieben Punkten aus drei Spielen darf der Saisonstart des FCA allemal als gelungen gelten.

Ohnehin gab es bei den Augsburgern zuletzt unschönere Nachrichten zu vermelden als die verpasste Tabellenführung. Die Mannschaft musste in Wolfsburg ohne Trainer Heiko Herrlich antreten, weil der sich am Freitag auf stationäre Behandlung ins Krankenhaus begeben musste. Herrlichs Corona-Test war zwar negativ, dafür wurde ein Pneumothorax diagnostiziert, ein Nicht-Mediziner nennt das: Lungenkollaps. FCA-Manager Stefan Reuter versicherte vor der Partie , dass sich der Coach auf dem Weg der Besserung befinde.

Für Herrlich stand Co-Trainer Iraklis Metaxas an der Seitenlinie, auf Weisung des verhinderten Chefs begannen die Augsburger mit derselben Startelf wie zuletzt beim 2:0 Sieg gegen Dortmund. Es war in der ersten Halbzeit ein ansprechendes, dynamisches, ausgeglichenes Spiel, in dem der seltene Fall eintrat, dass der Matchplan beider Teams gleichermaßen aufging. Sie kamen deshalb früh zu einigen guten Gelegenheiten, ohne dass der Gegner mit großen Fehlern aufgefallen wäre. Wolfsburg, das in Angreifer Renato Steffen seinen ersten Ausfall wegen einer Corona-Infizierung zu beklagen hatte, spielte sich mit gefälligen Kombinationen vor des Gegners Tor, der FCA meist mit schnellen Gegenstößen über wenige Stationen.

Den Anfang machte VfL-Stürmer Wout Weghorst mit einer Direktabnahme im Strafraum (7. Minute), wenig später dribbelte Augsburgs Michael Gregoritsch geschmeidig an VfL-Verteidiger Brooks vorbei, sein Schuss ging aber neben das Tor (11.). Gregoritsch war es dann auch, der auf Florian Niederlechner durchsteckte, der aber ebenfalls vorbeischoss, nachdem er schon Torwart Koen Casteels umkurvt hatte (21.). Eine Abseitsstellung im Nanometerbereich verhinderte kurz darauf die Wolfsburger Führung. Josip Brekalo traf aus 17 Metern ins linke Eck, vorausgegangen war ein flotter Angriff, an dem sich auch Weghorst beteiligt hatte - allerdings aus der verbotenen Zone heraus.

In der zweiten Hälfte erwehrte sich der FCA standhaft einer Wolfsburger Dauerbelagerung. Der typische Augsburger Defensivpragmatismus wäre in der 53. Minute jedoch fast schiefgegangen: Admir Mehmedi kam frei im Strafraum zum Schuss, FCA-Torwart Gikiewicz parierte. Augsburg taumelte jetzt bis zum Schlusspfiff, es blieb aber beim torlosen Remis, beim lediglich um zwei Treffer schlechteren Torverhältnis im Vergleich zu RB Leipzig - und bei der beruhigenden Nachricht, dass wohl schon bald mit Trainer Herrlich ein neuer Eintrag in die Augsburger Geschichtsbücher in Angriff genommen werden könnte.

© SZ vom 05.10.2020
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