Bundesliga: Elf des TagesEin Haufen Engländer

Vier Elfmeterschützen, die zu viel an Terry, Southgate & Co. denken, ein Torhüter, der sich völlig unbritisch präsentiert und der kurioseste Rückpass der Saison. Die Elf des Tages.

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Vier Elfmeterschützen, die zu viel an Terry, Southgate & Co. denken, ein Torhüter, der sich völlig unbritisch präsentiert und der kurioseste Rückpass der Saison. Die Elf des Tages.  Es gibt bekanntlich viele Arten, einen Elfmeter zu verwandeln: Ausgefuchste Profis gucken den Torhüter aus und verladen ihn, brachialere Typen bevorzugen den harten Schuss in die Mitte - außerdem stehen dem Schützen noch ausgefallene Varianten wie der "Panenka-Lupfer" in die Tormitte sowie der verzögerte Anlauf zur Verfügung. All diese Kunststücke hätte Nürnbergs Javier Pinola (re.) kurz vor Schluss gegen Gladbach anwenden können - allein, er wählte die englische Art: Er schob den Ball halbhoch und ohne die nötige Schärfe Richtung Tor. Borussia-Keeper Christopher Heimeroth hat in seinem Torwartleben vermutlich schon schwierigere Strafstöße abgewehrt. Texte: Michael König und Jonas Beckenkamp

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Elfmetertore brauchte Ruud van Nistelrooy in seiner Karriere nicht, um Jahr für Jahr die Scorerlisten verschiedener europäischer Ligen anzuführen. Er erzielt seine Treffer eher mit der ihm eigenen Fähigkeit, seine Füße und andere Körperteile an Bälle zu kriegen, die andere Stürmer nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden. Wo van Nistelrooy ist, ist Torgefahr - der Holländer demonstrierte seine Klasse beim Siegtreffer gegen Schalke erneut, als er eine Flanke mit einer Mischung aus Oberarm, Schulter und rechtem Brustbereich verwertete. Dass das Tor sein Abschiedsgeschenk war, das er dem HSV vor seiner Rückkehr zu Real Madrid hinterlässt, ist nicht ganz unwahrscheinlich. "Eigentlich kann ich die Jungs nicht im Stich lassen. Aber es ist nicht irgendein Verein, es ist Real Madrid. Das ist der einzige Klub, der in meinem Kopf etwas ändern kann", sagte der wechselwillige Ruud - und vermittelte damit glaubhaft: Es handelt sich für ihn um eine königliche Herzenssache.

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Kevin Großkreutz ist ein Dortmunder Junge, was eine prima Sache ist, wenn man bei Borussia Dortmund spielt. Als Lokalheld muss man nur wenig richtig machen, um von den Fans gefeiert zu werden - siehe Lars Ricken. Großkreutz aber macht derzeit sogar alles richtig, im Spiel gegen Bayer Leverkusen hat er zwei Tore erzielt. Bei einem Treffer verpasste er dem Nationalkeeper René Adler einen Beinschuss und war damit ein schönes Symbol für die Dortmunder Jugend, die in der Bundesliga durch nichts und niemanden zu stoppen ist. Freimütig erzählte er, wie er im Jahre 2002 als 13-jähriger Fan auf dem Borsigplatz den jüngsten Dortmunder Meistertitel feierte. Dass er dabei zumindest indirekt gegen die Maßgabe verstieß, auf gar keinen Fall von der Meisterschaft zu sprechen, störte ihn nicht.

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dpa

Wolfsburgs Grafite reihte sich ein in die Reihe der "englischen" Elfmeterschützen dieses Spieltags ein. Dabei war sein Schuss von allen vier verfehlten Strafstößen des Wochenendes der unenglischste. Der Brasilianer knallte die Kugel halbhoch und mit reichlich Pfeffer aufs Tor - doch es reichte nicht. Der neue Bayern-Keeper Thomas Kraft reagierte blitzschnell und wischte Grafites Geschoss ans Gebälk. Vielleicht sollte sich beim VfL demnächst einmal Angreifer Mario Mandzukic vom Punkt versuchen - der Kroate wartet nach 14 Saisoneinsätzen immer noch auf sein erstes Tor für Wolfsburg und könnte so endlich einmal treffen.

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Sechs der vergangenen zehn Elfmeter des FC Bayern fanden nicht den Weg ins Tor, was nun wirklich keine berauschende Quote ist - und jetzt taucht in dieser wenig ruhmreichen Liste auch Philipp Lahm als Fehlschütze auf. Als hätte er zu genau bei all den Stuart Pearces, Gareth Southgates und John Terrys dieser Welt hingeschaut, setzte der Nationalspieler seinen Schuss nach bester englischer Tradition an den Pfosten und brachte seinen Klub um eine beruhigende 2:0-Führung in Wolfsburg. In Zukunft dürfte wieder Arjen Robben die Elfmeter der Münchner schießen - der ist auch kein Engländer, sondern bekanntlich Holländer. Ob es das unbedingt besser macht, darf bezweifelt werden.

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Ganz und gar unbritisch verhielt sich in Wolfsburg Thomas Kraft. Aber das werden sie ihm beim FC Bayern nicht vorwerfen, im Gegenteil. Auf der Insel grübeln sie weiterhin, wie die ewige Torhütermisere (Dave Seaman, Robert Green, David James, um nur einige zu nennen) zu stoppen ist. Und im Freistaat wechseln sie in der Winterpause mal eben den Stammkeeper aus: Statt des routinierten Jörg Butt stand der Nachwuchsmann Thomas Kraft beim 1:1 gegen Wolfsburg zwischen den Pfosten. Kraft hielt einen Elfmeter und zeigte weitere gute Paraden, für das Gegentor konnte er nichts. Viel besser kann ein Debüt nicht verlaufen. Ein Tipp für die Briten: Der Transfer des Schalkers Manuel Neuer nach München könnte sich damit erledigt haben. Neuer kaufen, einbürgern, und das Torhüter-Problem hätte ein Ende. Dann müssten die Engländer nur noch Elfmeterschießen lernen.

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dapd

1993! In Worten: Neunzehnhundertdreiundneunzig! Das ist das Geburtsjahr von Julian Draxler, dem nächsten Schalke-Bubi, den Felix Magath das Licht der Bundesliga erblicken ließ. In der 83. Minute des Spiels gegen den HSV wurde Draxler mit 17 Jahren und 117 Tagen zum viertjüngsten Liga-Debütanten der Geschichte. Nur Nuri Sahin, der 2005 bereits als 16-Jähriger bei Borussia Dortmund sein Profi-Debüt feierte, sowie Jürgen Friedl (Eintracht Frankfurt) und Ibrahim Tanko (Dortmund) waren bei ihren ersten Einsätzen in der Eliteliga noch jünger als Draxler, der Rüdiger Abramczik (17 Jahre, 174 Tage) als jüngsten Schalker Bundesliga-Spieler ablöste. Der U-18-Nationalspieler machte mit guten Leistungen bei den Schalker A-Junioren auf sich aufmerksam, wo ihm zuletzt neun Tore in zwölf Spielen gelangen. Prompt nahm Magath ihn mit ins Trainingslager nach Belek, wo ihn der torgefährliche Mittelfeldspieler überzeugte - so sehr, dass er ihn gleich im ersten Rückrundenspiel vom Bubi zum Bundesligaprofi machte.

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dapd

Der nächste Engländer: Freiburgs Demba Papiss Cissé scheiterte beim 2:2 mit seinem Elfmeter an St. Paulis Keeper Thomas Kessler, was bei ihm im Gegensatz zu den anderen Fehlschützen dieses Spieltags nicht weiter schlimm war, denn Cissé beendet selten ein Spiel torlos. Diesmal waren es einmal mehr seine zwei Treffer, die den Breisgauern in Hamburg einen Punkt sicherten. Wer so oft trifft, braucht keine Strafstöße - diese lästigen, unterfordernden Pflichtübungen, die so gar nicht zur gewieften Tricksernatur eines wahren Knipsers passen. "Wahnsinn, der macht aus einer Chance zwei Tore", wunderte sich St. Paulis Mittelfeldspieler Florian Bruns über Cissé - und da war der Elfmeter vermutlich noch gar nicht mitgerechnet.

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Wir nehmen einfach einmal an, dass St. Paulis Trainer Holger Stanislawski seinen Verteidiger Carlos Zambrano gemeint hat, als er nach der Partie gegen Freiburg sagte: "Wie wir uns bei seinem (Cissés; Anm. d. Red.) zweiten Tor anstellen, das war schülermannschaftsmäßig. So darf man das nicht machen." Diese Annahme stützt sich darauf, dass der Peruaner (li.) unmittelbar am zweiten Freiburger Treffer beteiligt war, als ein Abstoß der Breisgauer zwischen ihm und seinem Abwehrpartner Ralph Gunesch hindurchsegelte und Cissé eine perfekte Vorlage lieferte. Es war ohnehin nicht der Tag des Carlos Zambrano - bereits in der elften Minute verschuldete er wegen eines vermeintlichen Handspiels einen Strafstoß für die Freiburger. Doch dieses Geschenk nahm Cissé - ganz die feine englische Art - bekanntlich nicht an.

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Was auch immer Lauterns Abwehrmann Rodnei (re.) sich vorgestellt hatte, es ging schief - der Rückpass, den der Brasilianer gegen Köln aus 25 Metern in Richtung seines Torhüters Tobias Sippel entsendete, geriet völlig daneben und klatschte an den Pfosten des eigenen Tores. Von dort aus sprang der Ball direkt auf den linken Fuß von Lukas Podolski, der in seinem Stürmerleben wohl noch nie so einfach vollstreckte, wie nach dieser kuriosen Vorlage des FCK-Verteidigers. Doch das Fußballspiel ist eben eine gerechte Welt, die manchmal auch zweite Chancen ermöglicht: Der unglückliche Rodnei rehabilitierte sich, indem er Jan Moravek den Lauterer Ausgleichstreffer per Kopf auflegte - wer so schön scheitert wie Rodnei, dem ist eine solch salomonische Wiedergutmachung nur zu wünschen.

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Demba Ba gehört in die Elf des Spieltags, denn über Ba wurde viel gesprochen. Dabei hat er am Wochenende nicht Fußball gespielt, dazu war er viel zu beschäftigt. Ba ist zwar Fußballspieler von Beruf, er könnte aber genauso gut eine zweite Karriere als Poker-Profi beginnen. Denn Ba kann gut bluffen, und wenn sein Noch-Verein Hoffenheim glaubt, der arbeitsunwillige Ba habe endlich einen neuen Klub gefunden, dann geht doch noch etwas schief. So geschehen beim angestrebten Wechsel zu Stoke City, der in letzter Minute scheiterte - weil Ba beim sportmedizinischen Test durchfiel. Das kam für Hoffenheim überraschend, denn dort hat er in der Hinrunde 17 Einsätze absolviert und sechs Tore geschossen. Nach Sportinvalidität klingt das nicht gerade, aber womöglich hat Stoke City bei Ba eine Krankheit festgestellt, von der sie langfristig Probleme erwarten. Diese Krankheit heißt: Geldgier.

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